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Calexico: "Feast of Wire": Klänge aus Grenzregionen

Auf ihrer neuen Platte begibt sich die Wüstenrock-Band Calexico wieder auf eine musikalische Reise in das Grenzgebiet zwischen den USA und Mexico, zwischen Tex-Mex, Country, Folk, Cajun, Rock, Pop und Jazz.

Joey Burns und John Convertino sind Grenzgänger. Zwischen den USA und Mexico. Zwischen modernem Pop und knarzigem Folk. Zwischen Erfolg und Undergroundstatus. Zwischen den Bands Calexico und Giant Sand. Mit Calexico veröffentlichen Burns und Convertino dieser Tage "Feast Of Wire" (City Slang/Labels/Virgin), das dritte Album dieser Formation.

Großartige Klanglandschaften

Wieder erschaffen die beiden mit ihren Mitmusikern beeindruckende Landschaften aus Tönen, türmen mit Mariachi-Bläsern Hügel auf, platzieren einladend sanfte Akkordeon-Seen dazwischen, zeichnen mit feinen Gitarren-Klängen vielfältige Gräser-Kulturen, stellen mit knorrigen Drums hohle Bäume in die Komposition. Und geben den Hörern ein einzigartiges Klang-Szenario, das Tex-Mex, Country, Folk, Cajun, Rock, Pop, Jazz, seltsamen Soundexperimenten, Morricone-Spirit und großartige Melodien zu bewegendem Global-Pop verschmilzt.

Dabei ist Calexico eigentlich nur ein Nebenprojekt der beiden Musiker aus dem Südwesten der USA. Zusammengefunden haben Burns und Convertino bei der Formation Giant Sand, wo sie Bass und Schlagzeug spielten. Von Giant Sand gibt es mittlerweile an die zwei Dutzend Platten, eine kommerziell erfolgloser als die andere, eine bei Liebhabern moderner Roots-Musik geschätzter als die andere. Die Musiker bei Giant Sand sind ständig in wechselnden Formationen auch in anderen Bands aktiv, Spoke hieß eine davon, geleitet von Burns und Convertino.

Erfolg als Calexico

Nach einem Album als Spoke änderten die beiden den Namen in Calexico und öffneten den Sound noch mehr für mexikanische und folkige Einflüsse. Ein Erfolgsrezept war geboren, das vor allem die europäischen Hörer begeisterte - vor allem die deutschen, die schon Giant Sand mehr als andere verehren.

Gefälle zwischen alter und neuer Welt

Genau kann es Burns auch nicht erklären, warum das Erfolgsgefälle so groß ist zwischen ihrer Heimat, den Vereinigten Staaten und Europa: "Keine Ahnung, ob wir in Europa öfter gebucht werden, weil wir öfter hier unterwegs sind, oder ob wir öfter hier unterwegs sind, weil wir öfter gebucht werden", sagt Burns.

"So genannte Independent-Musik ist derzeit in den Staaten eher auf dem absteigenden Ast, sie kommt in überregionalen Radio- und Fernsehprogrammen kaum vor, die Platten gibt es in einigen Läden an der Ostküste, in ein paar an der Westküste und dazwischen kaum irgendwo. Außerdem, habe ich den Eindruck, dass unsere Plattenfirmen und Konzertveranstalter hier auch einen sehr, sehr guten Job machen."

An der Musik kann wohl der mangelnde Erfolg kaum liegen, für die einzigartige und dennoch griffige Mischung Calexicos müssten sich eigentlich auch in den USA einige begeistern lassen können. Das neue Album spinnt den Faden gekonnt weiter, allerdings mit etwas veränderten Schwerpunkten, wie Burns erläutert: "Wir haben die Platte diesmal zweigeteilt: Im ersten Teil liegt der Fokus mehr auf den Songs, die in üblicher Manier nach einander aufgereiht sind; im zweiten Teil dagegen steht der Sound mehr als auf unseren bisherigen Platten im Mittelpunkt, hier sind mehr Instrumentalstücke angesiedelt, die irgendwie fließenden Charakter haben und den Hörern eigene Bilder im Kopf entwickeln."

Mitgeholfen haben dabei auch eine ganze Reihe anderer Musiker auch aus Deutschland und den Niederlanden. Calexico bleiben weiterhin ein Projekt so offen wie die Weiten ihrer Klänge. Doch nicht nur auf den Klang richten Burns und sein Partner Convertino ihr Augenmerk die Texte sind - soweit vorhanden - weit mehr als nur schmückendes Beiwerk. "Ja, es geht oft darum 'down and out' zu sein ein Zustand, in dem sich zur Zeit viele Menschen auf der ganzen Welt befinden", sagt Burns. "Auch Umweltverschmutzung und ökologische Themen klingen in unseren Songtexten immer wieder an. Und natürlich ist die Grenze ein Thema - 'Across The Wire' handelt von Menschen, die von einer Seite der Grenze auf die andere wollen. Wir denken dabei an die Grenze zwischen Mexico und den USA. Doch es könnte auch die Grenze zwischen Polen und Deutschland gemeint sein."

Calexico live:

05.04. Bielefeld (Forum)
08.04. Berlin (Columbiahalle)
13.04. München (Muffathalle)
19.04. Offenbach (Capitol)
21.04. Köln (E-Werk)
22.04. Hamburg (Fabrik)

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