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Cecilia Bartoli: Diva aus vollem Herzen

Wenn Cecilia Bartoli den Mund aufmacht, liegt ihr die Welt zu Füßen. Jetzt hat sich die Operndiva an Gluck herangemacht.

Über Schloss und Park geht der Mond auf, schönbrunngelb, dick, voll und rund. Taucht die geschniegelten Rabatten und haushohen Hecken in ein silbriges Licht. Fiaker an Fiaker rollt über den knirschenden Kies, mit schnalzenden Kutschern und schnaubenden Pferden. Rechts Palmenhaus, links Römische Ruine, Vollmond obendrüber, bringen sie die Gäste zum Festdiner, zur Gloriette auf dem Hügel.

Glanz und Gloria für La Bartoli. Hochgestimmt feiert die Plattenfirma das neue Solo-Album ihres Superstars: italienische Arien von Christoph Willibald Gluck. Denn die 35-Jährige ist einer ihrer letzten ganz großen Trümpfe: Je trübsinniger das Klassikgeschäft vor sich hin dümpelt, desto leuchtender geht der Stern der Römerin auf. Welche Töne ihrer schönen Kehle entweichen - Cecilia Bartoli singt sie zu Geld. Wo sie auftritt - ausverkaufte Säle. Was sie auch aufnimmt - Verkaufssensationen.

Und nun also Gluck. Gibt es einen passenderen Ort als Maria Theresias Schönbrunner Residenz für den Barockkomponisten? Für die Barockschönheit Bartoli? Da steht sie, in einem Traum aus fliederfarbener Seide. Irden und göttlich zugleich. Drei Arien gibt sie als Appetizer an diesem Abend. Und als sie die Liebesqual der Berenice aus der Oper »Antigono« singt, mit ihrem dunkel leuchtenden Mezzo, virtuos, schmerzzerrissen, farbenreich, mühelos vom Forte ins Pianissimo wechselnd - da reißt es die abgebrühte Marketing-Meute von den rotsamtenen Sitzen: tosender Beifall, Standing Ovations.

Das Kleid. Der fliederseidene Traum. Diesmal mitten im Weinberg. Zwischen Reben mit riesigen roten Trauben, die sich den Hügel hochziehen, bis zu den Zypressen, die ganz oben stehen wie Scherenschnitte gegen das Licht. Dahinter liegt der Gardasee. Cecilia steht statuenstill. »Soll ich Sie anschauen?« Fototermin. Wie viele solcher Roben sie besitzt? Keine Ahnung, sagt sie und lacht, »die meisten hängen im Schrank, ich mag eigentlich nur vier oder fünf, und dies ist mein Lieblingskleid. Mit Taschen! Ich hatte noch nie ein Kleid mit Taschen!«

Sinnlich und schön: Cecilia Bartoli

Sie war begeistert, als Vivienne Westwood ihr anbot, ein Kleid zu schneidern. Aber, so sagte sie der Modemacherin, »Sie müssen dazu meine Konzerte besuchen, Sie müssen wissen, welche Musik ich mache. Denn ich brauche nicht einfach ein schönes, modisches Abendkleid.« Sondern eines, das zu ihr passe und zu ihrer Musik. »Das hat Vivienne Westwood verstanden«, sagt Cecilia, »Das Kleid ist klassisch und hat eine starke Persönlichkeit.«

Bevor sie aber erklären kann, dass eine Konzertrobe nicht größer als die Bühne sein darf, dass sie darum beim Liederabend im Salzburger Mozarteum nicht das Westwood-Kleid, sondern ein kleineres Grünes trug, dass es auf die Energie der Farben ankomme - rubinrot etwa, Bernstein oder tiefes Smaragd -, bevor sie also erläutern kann, dass Cecilias Kleider nicht bloß Kleider, sondern Teil des Gesamtkunstwerks Bartoli sind, da pfeift plötzlich Wind durch die Reben, färbt sich der Himmel rabenschwarz, und ein Wolkenbruch prasselt nieder.

So ist das am Gardasee. Das Kleid wird's überstehen, sagt Cecilia und lacht schon im Schutz ihres alten Mercedes. Ihre Heimat ist Rom, aber sie liebt diese Landschaft. Die Weite. Das Weingut ihres Freundes Claudio Osele mit den Zypressen. Wo sich vorn im Verkaufsraum die deutschen Touristen mit Bardolino Classico eindecken und eine Tür weiter die Bartoli probt. Ungezwungen, mit den Freunden von »Le Musiche nove«. Dem Barockensemble, das ihr Bruder Gabriele, der vor vier Jahren starb, gründete, und das Claudio, der Musikwissenschaftler, nun weiterführt. Liebt es, wenn sie einmal nicht reisen muss. Nachts in Hotelzimmern aufwacht, wo sie den Lichtschalter nicht findet. Vor lausiger Pasta vor Heimweh vergeht. Ihre schönste Reise sei immer der Heimweg, sagt sie.

Claudios Mutter hat Risotto und Tomatensalat aufgetischt, Käse und Bardolino. Das Westwood-Kleid trocknet, Cecilia trägt jetzt rostrote Jeans und ein regenbogenfarbenes T-Shirt. Zu eng, zu grell, sonst noch Einwände? Das Gesicht, molto vivace, reißt ohnehin alles raus. Die ganze Tonleiter der Gefühle, nahtlose Registerwechsel, von Dur zu Moll, prestissimo, und zurück - da kommt nicht mal der Gardasee mit, und am anbetungswürdigsten ist ihr Gelächter. Natürlich verändert Erfolg das Leben, sagt sie. »Aber ich liebe immer noch Sachen wie diese hier und grüne Bohnen wie vor zehn Jahren.«

Bloß ein paar Jahre länger ist es her, dass sie in einer Gedenksendung zu Ehren der Callas einsprang und entdeckt wurde. Ein süßes Mädel aus Rom, kaum 21 Jahre alt, mit einer hinreißenden Stimme, römischem Feuer und einem Gesicht, das Musikkritiker zu Dichtern machte. Schon vor Jahren bekam sie Gagen - 60.000 Dollar den Abend -, die andere grün werden ließen vor Neid. Heute ist sie eine der gefragtesten, glamourösesten Sängerinnen, absolviert weltweit zwischen 50 und 60 Opern- und Konzertabende im Jahr. Und ihre Einkünfte? Da schweigt sie sich aus.

Der Erfolg verändert vor allem den Rhythmus des Lebens, sagt sie überm Risotto: »Man muss präziser planen.« Aber er macht auch frei: »Ich kann ja oder nein sagen. Erfolg ist eine Waffe, die ich für mich einsetzen kann. Muss! Sonst kann sie sich auch gegen mich richten.«

Längst ist die Missgunst um ihre »kleine Stimme« verstummt. Sind die Erinnyen vom Wegrand verschwunden, die raunten: Warte, warte nur ein Weilchen, dann ist der Lack ab und auch die Bartoli ein Opfer gnadenloser Manager und Maestros, ausgesaugt und weggeschmissen wie schon so viele. Denn längst ist klar - Cecilia Bartoli weiß selbst, was für sie gut ist, wo's für sie langgeht. Und: Sie setzt es auch durch, handzahm gehen die Branchen-Raubtiere an ihrer Leine.

Dabei bietet sie heavy stuff an in einer Zeit, die sich Zauberformeln wie »Crossover« und »Iris Berben trifft Giuseppe Verdi« verschreibt. Ihr voriges Solo-Album etwa, Opernarien von Antonio Vivaldi, die sie mit Claudio in der Turiner Bibliothek ausgrub -, Mamma mia, mühsam war das durchzusetzen! Und jetzt? Hat Vivaldi über eine halbe Million verkauft - »der größte Klassikerfolg seit Jahren«, sagt Cecilia, »Niemand hat das erwartet. Nicht einmal ich.« Sie lacht.

Man kann eine Diva nach ihren Kleidern fragen, nach ihrem Charisma kaum. Warum werden Leute, die vorher Komponisten wie Vivaldi und Gluck kaum mit der Arschbacke anguckten, süchtig nach ihnen? Weil die Bartoli singt, sagen wir. Weil diese Musik die Leute heute wieder sehr ansprechen kann, sagt Cecilia, »man muss sie bloß überzeugen«. Wie man das macht? »Man muss an die Musik und die Komponisten glauben. Vielleicht bin ich eine 'messaggera?, eine Art Botschafterin.«

»Ich hätte gern im 18. Jahrhundert gelebt«, sagt sie. Nicht bloß, weil es da noch keine Flugzeuge gab, und ihre Flugangst ist chronisch. Weil sie aussieht, als hätten Vivaldi und Gluck ihre Arien eigens für sie komponiert. Weil ihre Saphirstimme wie maßgeschneidert ist fürs Barock, ihre Technik stupend. Weil sie fühlt und empfindet wie eine venezianische Löwin.

Aber - »ich bin Zwilling, ein Teil von mir fliegt, der andere hat die Füße fest auf dem Boden« - sie ist auch ein Kind dieser Zeit, pragmatisch, willensstark, eine, die weiß, wie sie das Profispiel spielen muss. Wie im Juli in Taormina, als sie, Hexenschuss im Kreuz, Hitze glühend, Ätna spuckend, Asche kneifend (in den Augen) und knirschend (in den Zähnen), Flughafen geschlossen, einen TV-Film fürs Gluck-Album drehte. »Einen Spot! 30 Sekunden!« Helle Empörung. »Und dafür habe ich einen ganzen Tag gearbeitet!«

Gut, dass wenigstens Mamma Silvana da war. Im hellen Leinenanzug, in den Badeschuhen des feinen Hotels, freundlich zu jedermann. Während Cecilia im Amphitheater schmerzversteinert Stylisten, Scheinwerfer, Windmaschinen, Kleiderwechsel und japanische Touristen erträgt, löst Silvana im Säulenschatten Kreuzworträtsel. Bügelt später auf freiem Feld, wo Sizilien aussieht wie Marlboro-Land, das schwarze Seidenkleid mit den goldenen Blättern. Bleibt im Hintergrund, aber wenn sich Cecilias Gesicht einmal aufhellt, dann, weil sie ihrer Mutter zulächelt.

Mamma Silvana. Die Cecilias Stimme entdeckte. Ihre einzige Lehrerin. Cecilia habe schon als Kind begeistert gesungen, erzählt Silvana Bazzoni, »La Traviata« am liebsten. Aber dann hatte sie anderes im Sinn. Flamenco tanzen zum Beispiel, Trompete spielen, Fremdenführerin werden in Rom. Mit 16 riss sie von zu Hause aus, trampte mit einem Freund nach Paris, und als ihnen das Geld ausging, sangen sie an den Champs Elysées Rossinis Katzenduett. Doch Silvana ließ nicht locker. »Die Stimme ist ein Geheimnis, das Instrument, das der Seele am nächsten ist«, sagt sie. »Keiner weiß genau, wo sie sitzt. Nicht jeder begreift darum, was eine Gesangslehrerin sagt.« Cecilia aber verstand: »Krach hatten wir immer bloß davor und danach. Meine Mutter war klug, sie hat mich nie zu etwas gezwungen. Und wusste immer, wie sie mich neugierig hielt.«

Weil Silvana Bazzoni selbst eine wundervolle Sopranstimme besaß? Weil auch ihr eine Karriere beschieden gewesen wäre? Wenn sie nicht geheiratet und Kinder bekommen hätte. »Als das dritte da war, habe ich aufgehört«, sagt sie, und man hört, es war ein Opfer. »Mit Kindern geht es nun einmal nicht«, sagt Silvana.

Und Cecilia? Hat soeben das Liebesverhältnis mit Claudio »auf eine neue Basis« gestellt - Freundschaft und gemeinsame Arbeit, so ungefähr. Das wird bei den Fans auf der Bartoli-Website wieder für helle Aufregung sorgen. Es ist noch nicht lange her, da behauptete dort eine Bertha Mae, Cecilia habe heimlich geheiratet und sei guter Hoffnung. »Sag mir, dass das nicht wahr ist«, mailte umgehend ein gewisser Ash zurück, »ich kann nicht glauben, dass Cecilia, meine Liebe, mein Alles, verheiratet ist. Du ahnst nicht, wie unglücklich ich bin. Mein Herz wird niemals wieder lieben.«

Keine Sorge, Ash und ihr anderen - es schaut so aus, als bliebe Cecilia, die Anbetungswürdige, der Schmetterlingstraum, den Bartoli-Fans noch eine Weile erhalten.

Christine Claussen

Cecilia Bartoli: »Gluck Italian Arias«, Decca, 36 Mark

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(