HOME

Coldplay: Und keiner fragte nach Gwyneth Paltrow

Ihr neues Album stürmte in Deutschland und 23 weiteren Ländern auf Anhieb die Charts. Zum Auftakt ihrer Welttournee gaben Coldplay eine Pressekonferenz in Hamburg - und redeten vor allem über Musik.

Von Carsten Heidböhmer

Zur Eröffnung der Pressekonferenz hatte der ehemalige MTV-Moderator Steve Blame beeindruckende Fakten parat: "X & Y", das neue Album der britischen Band Coldplay, führt eine Woche nach seiner Veröffentlichung bereits in 24 Ländern inklusive der USA die Charts an. In ihrer Heimat verzeichneten sie den zweithöchsten Verkaufsrekord in der Geschichte der britischen Hitparade: Das Werk ging in der ersten Verkaufswoche 464.471 Mal über den Ladentisch - nur Oasis waren mit ihrem 97er-Album "Be here now" erfolgreicher. Es besteht kein Zweifel: Coldplay sind derzeit die heißeste Band der Welt.

Ein Hauch von Rock'n'Roll

Und so war es wenig verwunderlich, dass sich zum Start ihrer Welttournee ein Heer von internationalen Journalisten im Park Hyatt Hotel in Hamburg eingefunden hatte. Dänemark, Österreich, Finnland - sogar ein Reporter aus Mexiko hatte den weiten Weg in die Hansestadt auf sich genommen, um den vier Herren von Coldplay ihre Fragen zu stellen. Die erschienen jedoch zu dritt: Bassist Guy Berryman blieb der Veranstaltung fern. "He's with the girls", entschuldigte Sänger Chris Martin seinen Bandkollegen. Für einen kurzen Moment wehte ein Hauch von Rock'n'Roll durch den Konferenzraum. Verständnis hatte der Frontmann für das Fernbleiben allemal: "Wir hassen Pressekonferenzen", bekannte er.

Überhaupt scheint ihm der ganze Rummel um die Band und um seine Person sehr suspekt zu sein. Zwar genießt er den Erfolg und das Vertrauen der Fans, doch was ihm die gigantischen Verkaufszahlen seines neuen Albums wirklich bedeuten, erklärte er mit einem anschaulichen Bild: Nur weil McDonald's viele Burger verkauft, bedeutet dies noch lange nicht, dass das Essen gut ist.

Kraftwerk als Vorbild

Viel lieber als über Ruhm mochten sich Martin und seine Kollegen Jon Buckland (Gitarre) und Will Champion (Schlagzeug) zum Thema Musik äußern. Über die Elektronik-Pioniere Kraftwerk, die sie vor einiger Zeit für sich entdeckt haben und die einen wichtigen Einfluss für ihr neues Album bilden. Über aktuelle Künstler, die sie schätzen, beispielsweise Richard Ashcroft, der im Vorprogramm ihrer Tournee spielen wird. Und über Arcade Fire, jene kanadische Band, die bei Coldplay gerade derart hoch im Kurs steht, dass Chris Martin den Namen auf einen Zettel schrieb, damit ihn sich auch jeder merkt.

Vor allem Chris Martin entwickelte in seinem Interview einen derartigen Charme, dass die anwesenden Journalisten glatt vergaßen, die obligatorischen Fragen nach seiner Ehefrau, der Hollywood-Schauspielerin Gwyneth Paltrow zu stellen. Und so war es Chris Martin selbst, der diesen Umstand erwähnte - nur um schnell wieder in Richtung Musik zurückzuschwenken. Denn nach vielen Monaten im Studio, endlosen Interview-Sessions sind alle drei froh, dass es nun die nächsten Monate um nichts anderes geht: "Es ist nicht so sexy wie eine Show von Destiny's Child, aber die Musik ist gut".

Weitere Tourdaten:

17.6. Köln
19.6. Berlin
09.7. München