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Comeback der Spice Girls: Geht Girlpower nie zu Ende?

Da kündigen sie lediglich ihr Comeback an, und schon herrscht Chaos bei der ersten Pressekonferenz der Spice Girls. Ob sie mit dem Aufguss alter Hits tatsächlich eine erfolgreiche Wiederauferstehung feiern können? stern.de-Reporterin Cornelia Fuchs versuchte Antworten im Getümmel zu finden.

Zur Verkündigung ihrer Wiederkehr haben sich die fünf Erfinderinnen der "Girl Power" die O2-Arena in London ausgesucht, besser bekannt als das Millionengrab Millenium-Dome, in dem im Jahr 2000 eine schlecht besuchte Ausstellung die wenigen Besucher langweilte, die sich an das Nordufer der Themse verirrten.

Jetzt ist natürlich alles anders: Der Dome ist renoviert, neues Kino, neue Riesen-Arena, neue Sponsoren. Für die Spice-Girls tummelt sich die Weltpresse im Vorführ-Saal 11. Eine große Weltkugel dreht sich auf der Leinwand. Die Eroberung eben dieser wird wohl gleich angekündigt, mindestens. Die Fotografen kämpfen um die besten Plätze an der Absperrung. Dann stolzieren die fünf Damen auf die Bühne. Victoria "Posh" Beckham trägt ihre Haare und Brüste hochtoupiert und eine Glitzerhose, die ihr ein Schneider direkt auf den Leib genäht haben muss.

Mund-zu-Mund-Beatmung von Mel "Scary" B

Ein Fotograf hat sich auf einen Stuhl gestellt und wird von einem Security-Guard rüde heruntergestoßen. Der Mann verletzt sich am Knie, liegt am Boden, kann nicht mehr aufstehen. "Was ist da los?" rufen die Spice Girls. Mel "Scary" B, mit roten Stöckelschuhen und engem, schwarzen Korsett, springt nach vorne. "Sie wird Mund-zu-Mund-Beatmung machen", kreischen die anderen. "Vorsicht, kommt ihr nicht zu nahe. Sie ist extrem fruchtbar", ruft Victoria. Noch mehr Gekreische. Mel B hat gerade erst per Vaterschaftstest bewiesen, dass ihre jüngste Tochter tatsächlich aus der Kurz-Romanze mit Eddie Murphy stammt.

Der Fotograf wird abtransportiert, die Stimmung ist gut. "Seid ihr überhaupt fit genug zum Tanzen, so als Mütter?", fragt ein Journalist mit gemustertem, beigefarbenem Hemd. "Du siehst mir selber nicht gerade fit aus", kontert Mel B und will, dass er sein Hemd auszieht. "Na siehste!", sagt sie angesichts des blassen, eingefallenen Torso des Mannes. Und die Menge im Vorführsaal johlt. "Girlpower geht nie zu Ende", sagt Geri Halliwell. "Egal, ob du fünf oder 55 Jahre alt bist!"

Sie wollen endlich ihren Kindern zeigen, was sie so gemacht haben, als Spice Girls, sagen die Spice Girls auf die Frage nach dem Warum ihrer Wiedervereinigung. "Ich will mal die Coolste sein in unserer Familie", sagt Victoria. Noch ein Lacher mehr. Und nein, sie haben sich zwar gestritten, aber nie wirklich zerstritten. Und ja, auch erwachsene Frauen brauchen "Girlpower", die Mädchenmacht. Und alle kreischen wieder.

Aufguss des Welterfolgs mit Prinzip Recycling?

In all der Heiterkeit geht unter, dass die Spice Girl gar nichts Neues zu bieten haben. Sie wollen tatsächlich nur ihre alten Kamellen recyclen auf der groß angekündigten Welt-Tournee. Neue Songs? "Darüber diskutieren wir noch. Aber wir werden unsere Klassiker spielen. Alle davon", sagt Mel C. Und es klingt ein bisschen wie eine Drohung. Und ja, sie werden wieder Leoparden-Röckchen anziehen und Trainingsanzug und Union-Jack-Kleid.

Neun Jahre sind vergangen, seit die damals vier übrig gebliebenen Spice-Mitglieder ein letztes Mal zusammen spielten. Sieben Kinder haben sie inzwischen geboren, sie haben geheiratet, einige haben sich wieder getrennt, zwei ziehen ihre Töchter allein auf, Solokarrieren sind geglückt und gescheitert und eine hat sich im Mode-Geschäft einen Namen gemacht. Und alles, was ihnen für ihre neue Welttournee einfällt, ist das alte "Zigazig-ah".

"Es wird ein One-Night-Stand für unsere Fans", sagt Victoria. "Wir feiern nur die Vergangenheit." Es wird ein Greatest-Hits-Album geben und einen Dokumentarfilm, den einzigen mit der "echten Wahrheit" über die fünf Frauen. 15 Millionen Euro bekommen sie allein für diese endgültig wahrscheinlich letzte Bühnenshow. Sie waren schon immer sehr gute Geschäftsfrauen. Schade, dass ihnen nichts Neues mehr einfällt.

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