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Comeback von Rosenstolz: Zurück im Leben - und in den Charts

Vor drei Jahren war plötzlich Schluss - Zusammenbruch auf der Bühne, Burn-out, die völlige Erschöpfung - Sänger Peter Plate konnte nicht mehr und eine von Deutschlands erfolgreichsten Popgruppen war einfach weg vom Bühnenrand. Jetzt sind Rosenstolz zurück, zumindest fast.

Die eine Tour war noch nicht zu Ende, da hingen schon die Plakate für die nächste. Wenige deutsche Bands waren so erfolgreich und wurden so von den Fans gefeiert wie Rosenstolz. Das Berliner Duo hat in 20 Jahren Karriere nach der Subkultur längst den Massenmarkt erobert. Hits wie "Ich bin Ich (Wir sind wir)" und "Gib mir Sonne" sind der Soundtrack der Nuller Jahre. Pop-Schlagerhymnen wie in Zuckerwatte: Nicht jedermanns Sache, aber Rosenstolz trifft den Zeitgeist.

Das Tempo wurde irgendwann zu viel. Sänger Peter Plate, 44, brach 2009 bei einem Konzert in Hamburg zusammen - Burn-out. Es folgten fast drei Jahre Pause vom Rummel. Peter zog vorübergehend in eine WG nach London, Kollegin AnNa R., 41, genoss das Normalo-Dasein in Berlin. Jetzt ist das Duo wieder da. "Wir sind am Leben" heißt das neue Album, das am Freitag erscheint. Die erste Single "Wir sind am Leben" ist diese Woche auf Platz drei in die Charts eingestiegen. Gerade haben die beiden Musiker für ihr Engagement gegen Aids das Bundesverdienstkreuz bekommen.

Rosenstolz bleibt sich auch beim zwölften Studioalbum treu, mit Pathos wie für Liebeskummerabende und Hochzeiten. Nichts für Zyniker. "Ich kann deinen Herzschlag hören / keiner wird dich zerstören / du bist am Leben", singt AnNa R. Im Video zum Titelsong ziehen an Schauspielerin Katrin Sass ("Good Bye, Lenin!") die Stationen eines Lebens vorüber. Typisch ist das sich gefühlig steigernde Keyboard: Es ist ein Beat wie zur Christopher-Street-Day-Party oder zum Pärchentanz im Ballhaus.

Rosenstolz bleiben Rosenstolz

"Es klingt sehr nach Rosenstolz. Das sind wir", sagt AnNa R. über das neue Album. Die Band will es nach der Auszeit langsamer angehen lassen und nicht mehr so lange planen. "Wir wollen jetzt erstmal ein bisschen genießen und schauen mal, was die Zeit so bringt."

Mit dem Schicksal der Band werden sich viele identifizieren können. Dass die Volkskrankheit Depression auch vor Menschen im Rampenlicht nicht haltmacht, hat etwas Tröstliches. Von "nackter Panik" hat Peter Plate im "Stern" erzählt. "Unser Erfolg war so groß, und ich fühlte mich trotzdem so klein. Es war, als bräche das Lampenfieber der letzten 15 Jahre mit einem Schlag über mich herein." Geholfen haben ihm ein Coaching und die Zeit in London. Seinen Frust singt er sich auf dem Album in "Mein Leben im Aschenbecher" von der Seele.

Das Ende der Band stand aber nie zur Debatte, wie seine Bühnenpartnerin sagt: "Dass wir weitermachen werden, war uns klar, nur nicht, wann und wie." Für AnNa R. - das ist ein lange gepflegter Künstlername - war es auch eine Pause vom oberflächlichen Musikgeschäft. "Man muss ein bestimmtes Gewicht oder bestimmte Haare haben: Das ging mir mit der Zeit unglaublich auf den Keks", erzählt sie.

Das Verschnaufen hat geholfen. Die Band hat viel Lust an ihrer Musik, das ist überlebensgroß zu hören. Wann Rosenstolz wieder live spielt, steht noch nicht fest. "Es wird sicher mal wieder Konzerte geben, dieses Jahr aber nicht", sagt AnNa R. Bis es soweit ist, wird das Album vermutlich im Radio rauf und runter laufen.

Von Caroline Bock/DPA/ono / DPA