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Erste deutsche ESC-Probe: Jamie-Lee, wo haben die Schweden deinen Mond versteckt?

Gut gemacht: Jamie-Lee Kriewitz meisterte eine Woche vor dem Finale des Eurovision Song Contest ihre erste Probe in Stockholm. Sogar einen Lena-Moment hatte sie - trotzdem gibt es Kritik.

Von Jens Maier, Stockholm

Manchmal wirkt Jamie-Lee Kriewitz noch unsicher, fast schüchtern. 

Manchmal wirkt Jamie-Lee Kriewitz noch unsicher, fast schüchtern. 

Ein bisschen sieht sie aus wie eine ausgeflippte Pippi Langstrumpf: Mit ihrem typischen Manga-Schmuck auf dem Kopf, einem türkisfarbenen Kleid und langen Ringelstrümpfen steht Jamie-Lee Kriewitz auf der ESC-Bühne von Stockholm. Angespannt wirkt die 18-Jährige  zu Beginn, wenn die Kamera in Nahaufnahme ihr Gesicht zeigt. Fast so als hätte sie Angst vor den Geistern, die sie in ihrem Song "Ghost" beschwört - oder vor den mehr als 200 Millionen Fernsehzuschauern im Finale. Doch dann fällt die Anspannung von ihr ab. Sie lächelt, denn sie weiß: Ja, ich habe meine Sache gut gemacht. 

Eine Woche vor dem Eurovision Song Contest am 14. Mai absolvierte die deutsche Teilnehmerin Jamie-Lee Kriewitz am Samstag ihre erste Probe in der Globe Arena. Die deutsche Delegation reiste am Freitag an, am Morgen durfte Kriewitz zum ersten Mal Hallenluft schnuppern. Zwar war es nur einer von mehreren Probendurchläufen bis zum Finale, doch er ist einer der wichtigsten. Ein Gradmesser dafür, wie wohl sich ein Künstler auf der Bühne fühlt und vor allem, wie der Auftritt ankommt. 

Jamie-Lee wirkt auf der großen ESC-Bühne manchmal unsicher

Das Bühnenbild von Jamie-Lee Kriewitz ähnelt dem vom Vorentscheid in Köln: Kahle Bäume, aus denen grüne Laserstrahlen leuchten und Nebelschwaden über dem Boden verbreiten mystische Gespensterstimmung. Dann taucht Jamie-Lee aus dem Dunkel auf: Da steht das kleine Mädchen, unschuldig, süß, bezaubernd.

 Etwas unsicher wirkt sie manchmal noch, fast schüchtern. Doch wenn sie mit der Kamera flirtet, hat Jamie-Lee ihren Lena-Moment. Dann ist der Schülerin aus Springe anzumerken, dass dieser ESC nicht nur eine Bürde ist, sondern ihr auch Spaß macht. Stimmlich gibt es an Jamie-Lee ohnehin nichts auszusetzen. Wie eine Große meistert sie die drei Minuten ihres Auftritts - wenn die Gracias oder No Angels doch auch nur so gesungen hätten. Und Xavier Naidoo vermisst hier ohnehin niemand.


Kritik am ESC-Bühnenbild

Trotzdem gibt es auch Kritik. Die richtet sich vor allem an die Verantwortlichen des schwedischen Fernsehens. Die Eröffnungssequenz mit dem Mond im Hintergrund sieht eher so aus, als würde Jamie-Lee vor einer Ikea-Lampe singen. Viel zu klein ist der Erdtrabant geraten. Wo haben die Schweden den Mond versteckt?

 Mond hin oder her: Vor allem mit ihrem Outfit und ihrem Klein-Mädchen-Charme wird sich Jamie-Lee vom Rest des Teilnehmerfelds abheben können. Ob das am Ende für einen Platz unter den Top Ten reicht, bleibt fraglich. Bei britischen Buchmachern steht Kriewitz derzeit nicht hoch im Kurs. Jetzt kann die deutsche Pippi Langstrumpf das Feld von hinten aufrollen.

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