E-Mail von Till Servus Stoiber!


Der Abschied des bayerischen Ministerpräsident reißt ein nicht zu flickendes Pointenloch für Kabarettisten, Komödianten und Sprachforscher. So einfach will Till Hoheneder ihn nicht gehen lassen, sondern sieht ihn für höhere Weihen bestimmt.
Von Till Hoheneder

Leute, mal ganz ehrlich! Das schönste bei einem großen Abschied ist doch das generöse Vergessen und sofortige Verdrängen! Man will ja nicht im Streit auseinander gehen und deswegen würdigt man am Schluss einer großen Karriere lieber die Verdienste, anstatt kleinlich Fehler und Missgeschicke auszugraben. Wir werden uns selbstverständlich lieber an Jopi Heesters cineastisches Vermächtnis erinnern, an große Filme wie "Je oller, desto doller - Kissenschlacht im Viagra Canyon", anstatt wie bräsige Kulturbanausen zu sagen: Das war doch der Typ, der mit 101 Jahren noch aufgehört hat zu rauchen!

Und deswegen steht diese Woche die große Edmund Stoiber Verdrängungs -und Ablasswoche auf dem Programm. Selbst Brutus Beckstein und Cassius Huber, die mit dem Dolch in der Lederhose, feixen ihm würdevoll "große Verdienste und ein sicheres Gespür für den Zeitpunkt des Aufhörens" hinterher. Es würde mich sogar nicht wundern, wenn Landrätin Pauli Stoibers Gattin Karin, genannt "Muschi", die berühmten Park Avenue Dominahandschuhe zum Landesmutti-Abschied schenken würde. Das wäre ja dann auch indirekt ein Geschenk für Edi... gell, Muschi?

Für Kabarettisten, Comedians und Sprachforscher reißt Edmunds Abgang sowieso ein nicht zu flickendes Pointenloch. Der Mann, der einen Sprachtest für Asylanten befürwortet, aber selber in die Sprachanalen eingeht als Schöpfer edelster Satzkreationen wie: "Sie steigen in den Hauptbahnhof ein" oder "wenn heute eine Familie ein Kind bekommt, eine Frau mit ihrem Mann oder umgekehrt.". Das dieser begnadete Wortakrobat letztendlich seine Bundeskanzlerträume in der "gludernden Lod" verrauchen sah (gelöscht von der Oder-Flut bei den Frustrierten!) und vor dem Rüden Berlin samt Superministerium den Schwanz eingezogen hat - vergeben und vergessen.

Mit Muschi Blumen hinrichten?

Aber was wird jetzt aus Edi? Was macht man denn ein bayerischer Ministerpräsident im Ruhestand? Mit Muschi Blumen hinrichten? Butterfahrt nach Helgoland? Sich bei den Oberammergauer Passionsfestspielen mal gemütlich ans Kreuz nageln lassen? Ich sehe Stoiber dann schon eher als hilfsbereiten Erklärer an einem Fahrkartenautomat der Deutschen Bahn im Hauptbahnhof München. Für Leute, die mal in aller Ruhe und ohne Hektik eine Fahrkarte kaufen wollen...

Aber am liebsten hätte ich, dass Stoiber doch noch Bundespräsident wird. Er ist ja meiner Ansicht nach jetzt schon der einzig wahre Nachfolger vom legendären Bundespräsidenten Heinrich Lübke. Der war ja auch so ein verwirrter Sprachkünstler: "Die Rückreise war sehr anstrengend. Wir fuhr... wir flogen 19 Uhr 30 gestern Abend ab und waren 9 Uhr 30 hier. Das wür... würde bedeuten, dass wir also fünf Stunden länger unterwegs waren, als notwendig war, denn das, diese fünf Stunden ist eben die Umdrehung der, der Erde schuldig, verantwortlich dafür." Lübkes "fünf Stunden" oder Stoibers "zehn Minuten", ich kann da keine großen Unterschiede feststellen! Also, Edi for Präsident und… bis die Tage!


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