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Garbage: "Strange Little Birds": Warum Shirley Manson sich fremd fühlt

Mit "Strange Little Birds" bringen Garbage ihr sechstes Studioalbum heraus. Und das ist ganz nah dran an den Anfängen der Grunge-Götter. Frontfrau Shirley Manson hat stern erzählt, warum.

Von Sophie Albers Ben Chamo

Shirley Manson

"So frei wie nie" , hat Shirley Manson sich bei der Entstehung des neuen Albums "Strange Little Birds" gefühlt

Alterslos anarchisch sitzt Shirley Manson da im kurzen, schwarzen Lederkleid. Der berühmte knallrote Schopf ist diesmal blass-pink. Und die grollende Lache lässt wie immer die Wände wackeln. Mit ihrem sechsten Studioalbum kehrt die US-Band Garbage, die seit mehr als 20 Jahren so brillant das Hässliche schön und das Schöne hässlich macht, geradewegs zurück zu ihren Alternative-Rock-Wurzeln. "So frei wie nie" habe sie sich dabei gefühlt, sagt Manson und fällt vor Begeisterung fast vom Sofa.

Allerdings steht ihre mitreißend gute Laune im krassen Gegensatz zu dem, worum es auf "Strange Little Birds" geht: "Entfremdung", sagt die gebürtige Schottin, die im August allen Ernstes 50 Jahre alt wird. "Entfremdung vom Mainstream und von dem, was um uns herum in der Welt passiert." Es seien düstere, verwirrende, chaotische Zeiten. Deshalb habe die Band auf keinen Fall ein Popalbum, sondern ihren Standpunkt klar machen wollen. Und das als Künstler, nicht als Entertainer.

Sie fühle sich verwundbar, sagt Manson, die für eine ganze Generation von Mädchen eine mit grellem Make-Up gepanzerte Vorkämpferin war. Aber sie sei endlich auch stark genug, ihre Verwundbarkeit zu zeigen. Das liege wohl auch am Alter, sagt sie, nur um sich sofort selbst auf die Schippe zu nehmen.

Aus dem Herz geschnitten

All das findet sich in den elf Songs von "Strange Little Birds" wieder: die Düsternis, die Verwirrung, die Verwundbarkeit und vor allem die Stärke. Fest umschlungen von großartigen Gitarrenriffs und Mansons betörender Stimme. Es ist erstaunlich, wie aktuell Garbage die aggressive Schönheit des 90er-Jahre-Sounds erklingen lässt.

"Ich liebe den Album-Opener, weil es kein Song ist, sondern ein Gefühl", sagt Manson über das atmosphärische "Sometimes". So richtig aus dem Herzen geschnitten hat sie sich das letzte Stück: "Amends" (Wiedergutmachung). Denn es handle von Fehlern, die sie einst begangen und sich nie eingestanden habe. Bis sie endlich die richtige Zeit und die richtigen Worte fand. Genau jetzt.

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