HOME

Go-Betweens: Angeschlichen um zu bleiben

Nur wenigen Bands gehen Melodien derart leicht von der Hand wie den Go-Betweens. Auf ihrem neuen Album "Oceans Apart" schleichen sie sich wieder auf leisen Sohlen heran - und nisten sich in den Gehörgängen ein.

Von Carsten Heidböhmer

Es gibt Platten, die hört man einmal, zweimal, und findet nichts Besonderes. Dann legt man sie vielleicht noch ein drittes Mal auf, und plötzlich kriegt man die Lieder nicht mehr aus dem Kopf. Heimlich still und leise haben sie sich im Kopf eingenistet und gehen so schnell nicht fort. Diese Melodien sind tatsächlich gekommen um zu bleiben - wie dies Wir sind Helden auf ihrer aktuellen Single vollmundig behaupten.

Doch große Sprüche waren noch nie die Sache von Robert Foster und Grant McLennan. Was für die beiden Australier gilt, trifft auch auf ihre Musik zu: Die Songs schleichen sich eher auf leisen Sohlen in die Gehörgänge. So auch auf dem neuen Album "Oceans Apart". Mit klassisch gebauten Songs, begleitet von Gitarre, Schlagzeug und Bass. An den richtigen Stellen darf es dann aber auch gerne mal etwas mehr sein - Background-Gesang oder auch mal Bläser, wie in "Darlinghurst Nights", dem besten Song der Platte. Nie jedoch suchen die beiden das Spektakel. Die Schönheit auf Go-Betweens-Alben springt den Hörer nicht an, sie will entdeckt werden.

Und wer die Schönheiten dieser Platte entdeckt hat, kann gleich beim Gesamtwerk der Band weitermachen. Denn was im Kleinen für "Oceans Apart" gilt, lässt sich über die gesamte Karriere der Musiker sagen: Es gibt keine Schwachpunkte. So wie das neue Album ohne Hänger auskommt, gibt es keine Durchhänger in der Karriere der eigenwilligen Australier. Dafür aber jede Menge himmlischer Melodien und verführerischer Refrains, die - nun ja: zum Mitsingen verleiten. Was eigentlich ein Unding ist und nicht nur auf Konzerten verboten gehört. Doch bei den Go-Betweens muss sich keiner schämen - man befindet sich in erlesener Gesellschaft.

Das liegt auch daran, dass die Gruppe seit Anfang der 80er Jahre im Geschäft ist, ohne jemals den großen Durchbruch erzielt zu haben. Der ist ihnen bis heute verwehrt geblieben. Daran wird sich auch mit "Oceans Apart" nichts ändern. Ihren treuen Fans werden sie aber mit jeder neuen Platte ein Stückchen fester ans Herz wachsen - und dort bleiben.

Themen in diesem Artikel