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Ina Müller: Abgesang aufs Arschgeweih

Mit Titeln wie "Bye bye, Arschgeweih" spürt die Kabarettistin Ina Müller auf ihrer Debüt-CD dem Lebensgefühl von Frauen über 40 nach - und nimmt dabei vor allem die Klischees aufs Korn.

Die Klischees über Frauen um die 40 kennt Ina Müller nur zu gut. "Demnach machen sie Dinge wie Volkshochschulkurse, den Mann verlassen oder ganz allgemein die Krise kriegen", sagt die Hamburgerin und amüsiert sich. Einem Klischee hat sie selbst noch nie entsprochen - ihre Fans in Norddeutschland wissen das längst. Sie kennen die quirlige 41-Jährige als Kabarettistin aus dem Duo "Queen Bee", als TV-Moderatorin im NDR-Fernsehen und als Liebhaberin der plattdeutschen Sprache. Doch was das Multitalent jetzt als Sängerin vorlegt, dürfte die populäre Norddeutsche auch im Rest der Republik bekannter machen. "Weiblich.Ledig.40." heißt ihr an diesem Freitag erscheinendes Album, dessen erste Präsentation zu einem Erfolg wurde.

Lampenfieber auch nach zehn Jahren auf der Bühne

"Wir kamen direkt aus dem Probenraum und waren sehr aufgeregt", erinnert sich Müller an den Abend, zu dem kürzlich neben Künstlern der Plattenfirma 105 Music wie Annett Louisan und Stefan Gwildis zahlreiche Musikkritiker ins Hamburger Literaturhaus gekommen waren. Jahrelange Bühnenerfahrung hat die blonde Sängerin nicht ruhiger gemacht. Rund zehn Jahre lang war sie mit Eva Schnittgard als "Queen Bee" aufgetreten, für NDR-Sendungen wie "Land & Liebe" oder "Inas Norden" steht sie derzeit vor der Kamera. Als Autorin und leidenschaftliche Plattdeutsch-Anhängerin schrieb und sprach sie für den Hörfunk und verfasste Bücher wie "Platt is nich uncool".

Nun legt die gebürtige Norddeutsche, die in Köhlen bei Cuxhaven in einer Bauernfamilie aufwuchs, ein komplettes Album mit hochdeutschen Liedern vor - witzige Texte arrangiert zu eingängigen Melodien zwischen Soul und Jazz. Mit rauer Stimme und immer auch einem Augenzwinkern besingt sie das Lebensgefühl ihrer Altersgenossinnen. Ihre Songs tragen selbstbewusste Titel wie "So was passiert mir heut nicht mehr" oder "Bye bye, Arschgeweih". "Ich möchte nie wieder 18 sein, so niedlich, dumm und klein, kichernde Backfischbraut, die nervös auf den Nägeln kaut", singt Müller, "geklaute Meinung, verpeilter Stil, antiseptisch und steril, lieber Orangenhaut als gar kein Profil."

Zustandsbeschreibung ihrer Generation

Die von Frank Ramond der Hanseatin auf den Leib geschriebenen Texte seien alle sehr authentisch, betont Müller. "Natürlich kann ich nicht alles, was ich da singe, selbst erlebt haben, und manches ist auch etwas überspitzt formuliert." Mit "Weiblich.Ledig.40." habe sie "eine Zustandsbeschreibung" abliefern wollen. "Weiblich heißt für mich, dass ich mit meiner Weiblichkeit spielen und sie auch mal schamlos einsetzen darf, um etwas zu erreichen. Aber ich kann auch wie ein Kerl auf den Tisch hauen." Das Wort "ledig" fand sie selbst zwar ziemlich altmodisch, viel besser gefiel ihr "ehescheu", sagt die Unverheiratete, die seit Jahren in einer Fernbeziehung lebt.

Sie selbst liebt die Jahre um die "40": "Ich bin selbstbewusster, klüger und - wie ich finde - auch ein bisschen schöner geworden." Nur habe sie inzwischen oftmals das Gefühl, sich erklären zu müssen. "Warum ich nicht verheiratet bin oder warum ich keine Kinder habe. Und immer schwanken die Blicke zwischen Mitleid und Skepsis", sagt Müller, "ich möchte einfach, dass jeder nach seiner Fasson leben darf." Vor allem Zuhörer ihrer Generation will sie mit den zwölf Liedern, die sie vom 19. Oktober an auf einer "Schnuppertour" in zum Teil schon ausverkauften Konzerthallen vorstellen will.

Egal, wie ihr Album ankommt - sie selbst würde gern auch künftig den Mix aus Musik, Fernsehen und Plattdeutsch beibehalten. Zeit für Privates bleibt der umtriebigen Künstlerin da kaum. Doch ein konservatives Familienleben schwebt ihr ohnehin nicht vor. "Meine Traumvariante wäre: Beide Partner leben in Hamburg in getrennten Wohnungen. Aber ruhig in der gleichen Straße und am besten gegenüber, damit man das Licht sieht", sagt sie lachend. Müllers Albtraum: "Samstags gemeinsam auf den Markt, danach einen Latte Macchiato, dann jeder zum Sport und danach wieder zusammen auf die Couch - das ist einfach unsexy und macht die Liebe kaputt." Ihr Rat: "Kinners, zieht nie zusammen!"

Dorit Koch/DPA / DPA