Interview "Olympische Spiele mit Musik"


Gute Seiten, schlechte Seiten: Vicky Leandros und Olli Dittrich über den deutschen Vorentscheid zum Grand Prix, bei dem sie als Konkurrenten antreten.

Am 9. März stehen Sie beide auf der Bühne für den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest: Sie, Frau Leandros, solo, Sie, Herr Dittrich, mit der Country-Band Texas Lightning. Warum tun Sie sich das an?

Dittrich: Wäre ich Politiker, würde ich jetzt antworten: "Die Frage ist falsch gestellt." Ich tue mir gar nichts an! Texas Lightning ist eine Band mit First-Class-Musikern und keine zusammengecastete Kapelle - wir wollen im 50. Jahr des Grand Prix der Sache wieder ein bisschen Würde verleihen.

Frau Leandros, hatten Sie vorher schon mal was von Texas Lightning gehört?

Leandros: Natürlich kenne ich Olli Dittrich seit langem als Comedian. "Blind Date", diese Improvisationsgeschichte mit Anke Engelke, fand ich klasse. Aber deine Band habe ich erst jetzt kennen gelernt. Dittrich: Weißt du, dass ich mal eine Platte von dir betreut habe, als ich Produktmanager bei einer Plattenfirma war? Leandros: Ehrlich? Wann war das? Dittrich: Ich schätze, Anfang der 80er Jahre. Welches Album kann das gewesen sein? Leandros: Tja ... wenn ich das jetzt noch wüsste. Im Zweifelsfall "Gefühle" - so hießen fast alle meine Alben.

Frau Leandros, sollten Sie jetzt die Vorrunde gewinnen, würden Sie zum Finale ausgerechnet nach Athen fahren. Was sagen Ihre Landsleute dazu, dass Sie als Griechin für Deutschland singen wollen?

Leandros: Die meisten freuen sich, manche sind verärgert, dass sie nicht selbst auf die Idee gekommen sind, mich zu fragen.

Diesmal treten beim deutschen Vorentscheid statt des sonst üblichen guten Dutzends Künstler nur drei an: neben Ihnen noch Thomas Anders. Was soll das?

Dittrich: Das ist jetzt der Versuch, den Spagat hinzukriegen. Einerseits die Tradition zu wahren und dem Grand Prix die Ehre zu erweisen mit Künstlern, die schon große Karrieren hingelegt haben und über jeden Zweifel erhaben sind ...

... und Sie sind der Spaßvogel, der dem Ganzen die angemessene Prise Humor verleiht?

Dittrich: Das sagen Sie jetzt, weil mein Name gern mit Comedy in Zusammenhang gebracht wird. Was ich aber in den vergangenen fünf, sechs Jahren gemacht habe, hat mit klassischer Sketch-Comedy wie zu "RTL Samstag Nacht"-Zeiten nichts mehr zu tun. Mir geht es auch immer darum, künstlerische Qualität zu bringen. Musik darf Humor haben, etwas Komödiantisches transportieren. Texas Lightning hat musikalischen Witz, das hatten aber zum Beispiel die Beatles auch, ohne dass jemand auf die Idee kam, das wäre eine Klamauk-Kapelle.

Ist der Grand Prix, der ja nun Eurovision Song Contest heißt, heute noch von großer Bedeutung?

Leandros: Das war schon immer eine einzigartige Idee: ein europäischer Wettbewerb. Dittrich: Das sind Olympische Spiele mit Musik! Leandros: Ich würde mir nur wünschen, dass sich mehr erfolgreiche Künstler diesem Wettbewerb stellen - wie früher Nana Mouskouri oder Cliff Richard. Dittrich: Und die hatten gute Songs! Wenn man heute gelegentlich Beiträge sieht, bleibt nur in Erinnerung, dass die Background-Tänzerinnen dreimal das Kostüm gewechselt haben und anständig Pyrotechnik krachte. Da wundert es mich schon, dass so was gewinnt.

Wie 2004 Ruslana aus der Ukraine.

Leandros: Ich finde das trotzdem ganz lustig und interessant. Es sind inzwischen viele osteuropäische Länder dazugekommen. Sie glauben vielleicht, dass diese Art von Auftritt jetzt modern sei. Was wir natürlich schon hinter uns gebracht haben. Dittrich: Im Pferdegeschirr bin ich noch nicht aufgetreten! Was ist bei Ihnen hängen geblieben aus 50 Jahren Grand Prix? Leandros: "Waterloo" von Abba. Dittrich: Dana: "All Kinds Of Everything" - ein kleines Mädchen mit einer bezaubernden Zahnlücke, das werde ich nie vergessen! Leandros: Johnny Logan aus Irland. Der war zweimal dabei, mit "Hold Me Now" und "What's Another Year". Dittrich: Und natürlich Udo Jürgens! "Merci Chérie" - ein Weltklassesong. Udo war mein Held. Als Kind musste ich mich von meinen Klassenkameraden hänseln lassen, weil die alle Deep Purple und Led Zeppelin gehört haben, ich aber das große Udo-Poster über dem Bett hängen hatte. Und sein Live-Album selbst performt habe - Playback mit einer Dreier-Steckdose in der Hand als Mikrofon.

Interview: Ulrike von Bülow, Hannes Ross

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