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Interview mit Wacken-Gründer Thomas Jensen: "Wir haben jeden Fehler gemacht"

Im Norden regiert wieder der Heavy Metal. Das Wacken Open Air ist ausverkauft - wieder mal. Der Festival-Gründer will die familiäre Atmosphäre bewahren. Heute gehören auch Miettoiletten zum Programm.

Wacken-Mitbegründer Thomas Jensen: "Wir sind einige Male auf die Bretter gegangen."

Wacken-Mitbegründer Thomas Jensen: "Wir sind einige Male auf die Bretter gegangen."

Zum 25. Mal fallen die "Metalheads" Ende Juli zum Wacken Open Air in die norddeutsche Provinz ein. Die Jubiläums-Veranstaltung war nach nur 44 Stunden ausverkauft. Die familiäre Atmosphäre des Festivals soll erhalten bleiben, sagt Festival-Gründer Thomas Jensen im Interview. Dieses Jahr werden unter anderem Motörhead und - erstmals überhaupt - Megadeth spielen.

Muss man bei Verhandlungen überhaupt noch erklären, was Wacken ist?

Start des Metal-Festivals: So entstand der Wahnsinn in Wacken

Wenn wir mit einer Metal-Brand sprechen, nicht. Geht es um eine andere Rockband, sage ich dann immer ganz bescheiden: Wir sind ein kleines Festival nördlich von Hamburg, ob wir mal ein Angebot machen dürften. Das funktioniert auch meist. Teilweise dauern die Gespräche aber auch sehr lange. Bei Rammstein waren es vier Jahre.

Zum Beginn 1990 haben nur einige hundert Metalfans auf einer Kuhweide gefeiert. In den ersten Jahren haben Sie oft Verluste gemacht. Nie ans Aufgeben gedacht?

Wir haben jeden Fehler gemacht, den man machen kann. Das wir es trotzdem geschafft haben, liegt vielleicht an der Sturheit und den Nehmerqualitäten. Wir sind oft auf die Bretter gegangen und auch ein paar Mal angezählt worden. Uns zeichnet aber aus, dass wir immer wieder aufgestanden sind. Dass es mittlerweile 25 Jahre sind, macht mich nervös.

Was ist das Spezielle an Wacken?

Das Festival ist für die Wackener die fünfte Jahreszeit. Wir haben vor der Bühne die geilsten Fans. Die Metal-Szene ist auch an den Bands interessiert, die vermeintlich früh in der Rangordnung spielen. Es stehen auch mittags um 12 Uhr so viele Fans vor der Bühne, dass Bands die Chance haben, eine gute Show abzuliefern. Teilweise sind es so viele, dass man denkt, jetzt kommt der Headliner.

Seit einigen Jahren gibt es auf dem Festival auch Miettoiletten. Ist das noch Heavy Metal?

Man munkelt, das ist kein Heavy Metal. In Wacken kommen aber mehrere Generationen an Metal-Fans zusammen. Einige sind mittlerweile gerne mit dem Wohnmobil hier. Wir versuchen, darauf zu reagieren. Eine Klassengesellschaft wollen wir zwar nicht, aber wir bieten auf dem Campingplatz schon mal eine Steckdose an.

Die Größe des Festivals ist mit 75.000 Tickets seit Jahren unverändert. Die Tickets für dieses Jahr waren binnen 44 Stunden vergriffen. Ist weiteres Wachstum möglich?

Das kann sein. Man soll nie nie sagen. Im Moment sind wir aber der Meinung, dass 75.000 Menschen sicherheits- und spaßtechnisch die richtige Größe sind. Das Festival ist weiter familiär, auch wenn das einige bestreiten.

Seit Jahren wird über einen möglichen Auftritt von Metallica spekuliert. Kommt der noch?

Die alles bewegende Frage bei solchen Bands lautet, ob dies die Grenze des Festivals sprengen würde. Macht das Sinn? Wir wollen das Wacken-Konzept nicht ändern. Rammstein haben sich im vergangenen Jahr wunderbar eingefügt. Die haben Wacken total verstanden. Sie haben den anderen Bands nicht die Luft genommen.

Kritiker bemängeln einen zunehmenden Kommerz. Was sagen Sie denen?

Wir machen Nachwuchsförderung. Wir zahlen für einige Bands auch manchmal entsprechende Gagen, damit sie Reunions umsetzen oder besondere Shows zeigen können. Das erste Mal ist immer das Teuerste. Wacken setzt für die Szene Standards - siehe Biergärten. Auf ganz vielen Festivals gibt es die jetzt. Wenn man sechs Stunden vor der Bühne gestanden hat, will man gerne mal sitzen.

Interview: André Klohn, DPA / DPA