HOME

Joss Stone: "Ich mache doch nur Geräusche"

Sie ist gerade mal 18, hat aber die Stimme einer mordsunglücklichen, mordsversoffenen, einer leidenschaftlichen, furchtlosen und aufregenden Frau. Jetzt kommt die britische Soulsängerin nach Deutschland.

Der Alltag eines Superstars, der hört sich bei ihr so an: "Ich fahre also morgens in irgendein Hotel, treffe einen Typen und bespreche alles mit ihm, bla-bla-bla, suche einen Song für den Auftritt raus, übe den Song mit irgendeinem anderen Typen, dann suche ich raus, was ich abends anziehe, dann muss ich mir die Haare und das Make-up machen lassen, dann singe ich den Song, dann gehe ich zum Abendessen und quatsche mit irgendwelchen Leuten, bla-bla-bla, dann gehe ich ins Bett. So geht ein ganzer Tag drauf für zweieinhalb Minuten Singen. Krass."

Zweieinhalb Minuten wohlgemerkt, in denen Kritiker vor Entzücken ganz flach atmen und das Publikum dieser blonden Meerjungfrauen-Erscheinung auf der Bühne zujubelt, als hätte es bisher unter einer Grasdecke gelebt und dürfte nun zum ersten Mal hören. Und sehen! Und fühlen! Joss Stone ist gerade mal 18 Jahre alt und seit zwei Jahren eine Weltsensation - ein britischer Teenie mit der Stimme einer lebenserfahrenen, mordsunglücklichen, mordsversoffenen, einer leidenschaftlichen, furchtlosen, aufregenden und vor allem: erwachsenen Frau. Joss Stone hat ihre Seele an den Soul verkauft, ihre Musik ist der Soundtrack der schmerzhaft großen Gefühle und ewigen Sorgen, ein Jammern und Heulen und Wüten über Liebe und Verlust, schwarz wie ein Schatten über dem Herzen. Eine 18-Jährige, so viel steht fest, kann damit nur so viel Erfahrung haben wie mit verschlissenen Gelenken oder Gicht.

"Ich weiß doch, wie es ist, verliebt zu sein!", widerspricht Joss Stone. "Und ich weiß, wie sich Liebeskummer anfühlt. Ältere Leute, so 40-Jährige, sagen dann: Kindchen, ist mir schon ein Dutzend Mal passiert. Na und? Mir passiert es zum ersten Mal! Und es ist beschissen!"

Sie sitzt im Schneidersitz

auf dem Sofa, ein flaumiges weißes Fellhäufchen im Schoß, das auf den Namen Dusty Springfield hört und ihr Babypudel ist, Geschenk zum 18. Geburtstag im April. Einzig der Pudel verleiht der Sitzhaltung eine gewisse Würde, denn Joss trägt einen Superminirock. Sie ist gerade für den stern fotografiert worden und hat ein strammes Bustier am Leib, "von irgendeinem Designer, bla-bla-bla, ich hab nicht zugehört", das sie aussehen lässt wie eine Mischung aus Walküre und Hippie. Der Pudel schnarcht; zärtlich dreht Joss ihm Kringel ins Fell, während sie über ihr Leben zwischen den Auftritten nachdenkt: "Also, erst mal geht es jetzt nach Kanada und dann nach Europa Mann, ich sage schon Europa, wie die Amerikaner, dabei weiß ich wirklich nicht, ob nur nach England oder tatsächlich in jedes verdammte Land da, ich muss meine Managerin fragen." Miss Stone, die eigentlich Joscelyn Eve Stoker heißt, ist groß, fast 1,80 Meter, ihr Haar fällt schwer und lockig über die Schultern, und auch wenn sie in ihrem ganzen Leben nicht einen einzigen Ton von sich gegeben, geschweige fünf Millionen Platten verkauft hätte - Männer würden trotzdem trockengaumig vor ihr sitzen und sich wünschen, sie wären Pudel.

Ihre sahnesanfte Schönheit, kombiniert mit der Verblüffung, dass zu dieser tiefen, südstaatenschwarzen Stimme ein blondes Mädelchen aus dem südenglischen Devon gehört, machte aus Joss Stone 2003 einen Medien- und Publikumsliebling: ein Blumenkind, das am liebsten barfuß auftritt und klingt wie eine hippe Mischung aus Janis Joplin und Aretha Franklin.

"Aretha Franklin ist mein Idol!", ruft Joss so energisch, dass der Welpe im Schlaf zuckt. "Ihre "Greatest Hits" waren meine erste Platte. Als ein Kritiker schrieb, dass ich mich wie sie anhöre, war das mein schönstes Kompliment! Aber jetzt ist es mir lieber, nicht mit so großen Namen verglichen zu werden", fügt sie hinzu. "Ich bin doch nur ein Mädchen, das Geräusche macht."

Das ist ein Lieblingsspruch von ihr, sie betont gern, wie jung sie noch ist, wie normal geblieben. Es sind solche Momente, in denen sie redet wie ihre eigene PR-Maschine, die das Produkt Joss Stone zu verkaufen hat: ein Naturwunder, frisch wie Morgentau, mächtig und magisch wie ein Erdbeben. Fünf Millionen Pfund hat das Wunderkind mit seinen "Geräuschen" - den beiden CDs "The Soul Sessions" und "Mind, Body and Soul" - verdient, hat mit Mick Jagger zwei Songs aufgenommen und auf Elton Johns "Oscar"-Party gesungen, hat zweimal mit Präsident Bush geplaudert und ist es gewohnt, dass nach Konzerten berühmte Kollegen an die Garderobentür klopfen, um zu gratulieren. Ganz normale Leute würden da ins Schleudern kommen und sich gewaltig etwas einbilden auf ihr Talent oder ihre Person.

Normale Leute, wie gesagt. Nicht jedoch Teenager. Was Joss Stone davor rettet, sich in dieser Kunstwelt aus Berühmtsein und Medienhoppla und Fan-Gekreische und Tourneestress und Pseudowichtigkeit komplett zu verlieren, ist die Tatsache, dass sie mit ihren 18 Jahren ohnehin auf einem anderen Planeten lebt. Auf einem Gruppenfoto fürs Live-8-Konzert vor drei Wochen streckte sie als einzige die Zunge raus. Über George W. Bush sagte sie unverdrossen, er sei "ein Bauer". Und auf die Frage, ob sie Sting, der auch mal an ihrer Garderobentür kratzte, attraktiv finde, fiel ihr ein würgendes Geräusch aus dem Mund: "Iiih, wie pervers! Auf den steht ja meine Mutter!"

Sie ist ein typischer Teenie, unbekümmert, überheblich und überschwänglich, von berstendem Ego und kätzchenhaftem Liebesbedürfnis. Sie plaudert stundenlang am Handy mit ihrer besten Freundin, oder, zwitscherzwitscher, mit ihrem 25-jährigen Freund Beau Dozier, Sohn ihres Produzenten Lamont Dozier vom Motown-Label. Beau hat ihr Dusty geschenkt; die Geschichte, mit Hingabe erzählt, ist lang und aufregend für Joss und Beau, für Unbeteiligte eher nur - lang.

Vor zwei Jahren noch

war sie so schüchtern, dass sie auf der Bühne ihre Mähne wie einen Schutzschild vors Gesicht zog. Sie hatte mit 14 einen BBC-Talentwettbewerb gewonnen, die Jury mit einer kraftvollen Version von "(You Make Me Feel Like) A Natural Woman" völlig überrumpelt. Ihre Mutter Wendy Stoker, die mit Joss' Vater einen Lebensmittelimport betreibt, wurde ihre Managerin und blieb es bis Oktober vergangenen Jahres, dann übernahm die Ex-Managerin von Madonna ("ziemlich cool, was?").

Neuerdings wirbt sie in einem TV-Spot für den US-Bekleidungsgiganten Gap: In weißen Jeans steht sie auf einer Bühne und singt hinreißend einen Ray-Charles-Song. "Die Leute müssen nur eines wissen!", ruft sie, mit plötzlichem Ernst sich aufrichtend. "Der Arsch in der Großaufnahme ist nicht meiner!" Dann wirft sie sich kichernd in die Kissen zurück. "Meiner ist viel besser."

Christine Kruttschnitt / print
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo