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Konzert: Sinead O'Connor begeisterte mit Folksongs

Die irische Sängerin haucht auf ihrer neuen Tour traditionellen irischen Folksongs neues Leben ein und macht sie mit mehr Rhythmus und Sound richtig sexy.

«Tut mir leid, wegen des schlechten Gitarrenspiels», entschuldigt sich Sinead O’Connor etwas verschämt. Die Konzertbesucher verzeihen’s ihr. Denn was zählt, ist ihre überwältigende, kraftvolle Stimme. Die in Dublin geborene Sängerin präsentierte am Freitagabend im fast ausverkauften Hamburger Schauspielhaus Stücke ihres neuen Albums «Sean-Nós Nua». Darauf haucht sie traditionellen irischen Folksongs neues Leben ein. Die irischen Lieder im alten Stil (Sean-Nós) wollte sie «mit mehr Rhythmus und Sound sexy machen», sagt sie. So erklärt sich frei übersetzt auch der Album-Titel: alter Stil - neu. Die rund 1100 Fans im Schauspielhaus waren von dieser Mischung begeistert. Am Sonnabend wollte sie in Berlin beim zweiten und letzten Deutschlandkonzert 2003 auf der Bühne stehen.

Lässig in Sweatshirt

und Cordhose gekleidet und einer Kette mit einem großen Kreuz um den Hals steht O’Connor im kargen Bühnenlicht. Leicht zurück gelehnt, das Mikro in der rechten Hand, die linke nach oben gestreckt, die Augen geschlossen - sie genießt ihre Songs. Das Publikum auch. Sinead O’Connor macht auf der Bühne keine Show, sie ist einfach nur sie selbst. Das reicht. Gerade in dem in den vergangenen Jahren immer mehr aufgeblasenen Pop- und Rockzirkus verblüfft sie damit immer wieder.

Während sie singt und die Band aufspielt scheinen die Zuhörer die Luft anzuhalten, nach den letzten Akkorden bejubeln sie die 36-Jährige lautstark. O’Connor hat ihren ganz eigenen Gesangsstil: Lange Pausen, bewusst tiefer, langer Atem, die Wechsel zwischen leisen und lauten Passagen und ihre einfühlsame Stimme haben sie berühmt gemacht. Ihre Interpretation des Prince-Songs «Nothing Compares To You» katapultierte sie 1990 direkt an die Spitzen der europäischen Hitlisten. Ihre erste Single «Take My Hand» hatte sie bereits 1984 veröffentlicht.

Das neue Album

«Sean-Nós Nua» erschien im Herbst vergangenen Jahres. Bei den Aufnahmen wurde sie von Größen der irischen Folk-Szene wie Steve Wickham von den Waterboys an der Geige, Sharon Shannon am Akkordeon und Donal Lunny an der Akustikgitarre unterstützt. Beim Hamburger Konzert griff O’Connor auch mal selbst zur irischen Flöte und begleitete ihre Band. In der Mischung aus alten und neuen Hits zeigten die Sängerin und ihre Musiker ganzes Können: Neben langsamen Balladen auch rockige Interpretationen und laute, schnelle Songs.

Zur Zugabe

nahm die in London lebende Irin mitten auf der Bühne Platz, griff zur Akustikgitarre und legte los. «Wenn ich Songs veröffentliche, sind sie meistens ganz anders, als sie es sie es mal waren», erklärte sie den Hamburgern. «Wenn ich schreibe, sitze ich meistens alleine Zuhause, das sieht dann ungefähr so aus.» Die Fans tauchten noch mal in die Welt der Balladen der O’Connor ab. Zum Dank donnern der Irin zum Schluss Jubel und Applaus entgegen, stehende Ovationen. Sinead O’Connor begeisterte.

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