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Sandra: Maria Magdalena wagt den Neuanfang

Ihre Karriere schien wie ein Märchen: 1985 wurde die Sängerin Sandra mit ihrer ersten Single "Maria Magdalena" weltweit berühmt. Doch in Wahrheit war ihr Leben alles andere als perfekt. Auf ihrem neuen Album verarbeitet die Sängerin ihre schwere Kindheit.

Von Monique Berends

Lange war es still geworden um die Popsängerin Sandra. In den 80er Jahren hatte sie Hits am Fließband abgeliefert und mit ihrem radiotauglichem Sound weltweit die Charts gestürmt. Doch in den letzten zehn Jahren war von der Sängerin immer weniger zu vernehmen - sieht man von den immer wieder neu zusammengestellten Best-of-Compilations ab. Doch jetzt meldet sich Sandra überraschend zurück: Mit "The Art of Love" wagt sie einen musikalischen wie emotionalen Neuanfang. "The Art of Love" ist der Versuch einer Abkehr von der Hitmaschine Sandra, die vorgefertigte Lieder einsingt. "Ich stehe zu der 80er-Jahre-Ikone, aber ich habe auch meine eigenen Ideen. Die Texte auf 'The Art of Love' sind alle von mir", sagt Sandra im Gespräch mit stern.de, "das war ein absolut kreatives Arbeiten. Anders als ich es bisher gewohnt war."

Frühe Karriere

Bereits 1974, als Zwölfjährige, wurde Sandra Ann Lauer von dem Musikproduzenten George Roman entdeckt. Als Solokünstlerin konnte sie sich zunächst nicht durchsetzten, doch mit dem Trio Arabesque war Sandra schon damals international erfolgreich. Den richtigen Durchbruch schaffte sie allerdings erst 1985: In Zusammenarbeit mir ihrem damaligen Lebensgefährten und späteren Mann Michael Cretu veröffentlichte Sandra die Single "Maria Magdalena", die in insgesamt 21 Ländern die Spitze der Charts erklomm.

Die Zusammenarbeit mir Cretu stellte sich als echter Glücksgriff heraus. Besonders in Japan war Sandra rasend populär, doch auch in Deutschland, Frankreich und Schweden hatte sie zahlreiche Anhänger, die ihr bis heute treu geblieben sind.

In den 90er Jahren lieh Sandra ihre Stimme dem von Michael Cretu produzierten Musikprojekt "Enigma". Die Single "Hiroshima" war einer der größten Hits ihrer Laufbahn. Ihr größter privater Hit war die Geburt der Zwillinge im Jahr 1995, seitdem lag Sandras Karriere mehr oder weniger auf Eis. Zwar kamen immer wieder neue Alben auf den Markt, doch meist handelte es sich hierbei um Remixes, Neuaufnahmen und neue Zusammenstellungen alter Hits.

Musikalisch getrennte Wege

Damit ist jetzt Schluss. "Das Album 'Reflections' ist das Ende der alten Sandra. Jetzt beginnt eine neue Ära". Die muss ohne die Zusammenarbeit mir ihrem Mann auskommen. "The Art of Love" wurde von Jens Gad produziert, einem langjährigen Mitarbeiter ihres Mannes. Mit ihm hat die Sängerin inzwischen ein geradezu brüderliches Verhältnis aufgebaut. In seinem Studio auf Ibiza, wo die Familie Cretu wohnt, arbeiteten die beiden fast ein Jahr an der neuen Platte.

Obwohl sie sagt, ihrem Mann sehr viel zu verdanken, kann sie sich nicht vorstellen, jemals wieder mit ihm zusammen zu arbeiten. "Musikalisch mache ich zum ersten Mal im Leben eine ganz neue Erfahrung. Das ist jetzt wirklich mein eigenes Ding. Früher war es so, dass Michael die Musik produziert hat, der Text kam dazu und ich habe es gesungen. Jetzt, nach fast zehn Jahren Pause, in denen ich viel Zeit zum Nachdenken hatte, weiß ich endlich, was ich will."

Und das ist schreiben. Überall liegen Zettel, so die Sängerin, auf denen sie Ideen verarbeitet und umsetzt. Quasi in einem kreativen Fluss entstand das neue Album - mit dem sie nicht nur die Vergangenheit hinter sich lässt, sondern sie auch bewältigt. "Meine Fans denken vermutlich, dass meine Geschichte ein einziges Märchen war, doch das stimmt nicht. Meine Kindheit war alles andere als glücklich." Sandra wurde von Kindesbeinen an auf Erfolg getrimmt - und das nicht immer nur auf die sanfte Tour. "Aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich keine Angst mehr habe das alles zu erzählen, denn auch das gehört zu mir. In dem Moment, als ich alles in meinen Texten niedergeschrieben hatte, hatte ich es verarbeitet. Die neuen Songs sind quasi meine Therapie gewesen."

Keine Wehmut, nur Glück

Ob es für sie in diesem Geschäft noch Platz gibt? Sie weiß es nicht. Doch sie ist voller Zuversicht, dass sie viele Leute, besonders Frauen, mit ihrer Geschichte anspricht. "An dem Tag, an dem ich 'The Art of Love' veröffentliche, habe ich alles verarbeitet." Vielleicht kann sie mit dem neuen Album an alte Erfolge anknüpfen, doch das ist nicht mehr wichtig. Früher sei sie unglaublich ehrgeizig gewesen, es habe ihr gut getan, so viele Fans zu haben, so bekannt zu sein. Doch auch das gehört zur Vergangenheit. Ganz ohne Wehmut kann sie auf die alte Sandra zurückblicken. "Ich habe eine tollen Höhepunkt erlebt, doch jetzt interessiert mich nur noch eins: glücklich zu sein."