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Kulturexporte: Von Pokémon bis J-Pop - Japaner erobern die Welt

Derzeit ist Japan dabei, die Welt mit ihrer Pop-Kultur zu erobern. Von J-Pop bis zur Playstation, von Architektur bis Animation, von Sushi bis zu den Samurai - Japanische Kultur ist hipp.

Die Japaner haben der Welt den Walkman geschenkt, überall fährt man japanische Autos, sitzt vor japanischen Fernsehern und arbeitet mit japanischen Computern. Doch jetzt ist die fernöstliche Wirtschaftsmacht dabei, die Welt mit einem anderen Exportschlager zu erobern: japanischer Pop-Kultur. Von Pop-Musik bis zur Playstation, von Architektur bis Animation, von Sushi bis zu den Samurai - Japanische Kultur ist hipp, von Bangkok bis Berlin. "Japans Pop-Kultur ist nicht einfach bloßes Entertainment, sondern eine neue Quelle des nationalen Stolzes und Einflusses", schrieb unlängst die angesehene japanische Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai Shimbun".

Japans kultureller Einfluss wächst

Japans wirtschaftliche Probleme verursachten in den vergangenen Jahren weltweit Negativ-Schlagzeilen. Nun gewinnt das Land nach Einschätzung mancher Beobachter global einen immer größeren kulturellen Einfluss. Japans Einnahmen aus seinen Kulturexporten sollen sich zwischen 1992 und 2002 auf 12,5 Milliarden Dollar verdreifacht haben. Prägten lange Zeit traditionelle Künste wie Noh- oder Kabuki-Theater das Bild der Kultur Japans, so sind es heute Heerscharen greller Pocket-Monster des Video-Spieleherstellers Nintendo oder Superstars des J-Pop (Japan-Pop) wie Ayumi Hamasaki oder die Boy-Group Smap. Japan ist für immer mehr Menschen in Asien wie im Westen schlicht: cool.

Auch Frauen und Mütter lieben Hello-Kitty-Figuren

Kids lieben Hello-Kitty-Figuren, schauen sich japanische Animationsfilme wie den Oskar-gekrönten "Spirited Away" an oder treffen sich zu grell-bunten Cosplay-Partys, wo sie sich wie die Helden japanischer Streifen oder Manga-Comics verkleiden. Doch der Spieltrieb aus Japan hat die Kinderzimmer längst verlassen. Hello-Kitty-Figuren sind inzwischen nicht mehr nur unter Kindern beliebt, auch junge Frauen und Mütter geben ihr Geld für Handtaschen und andere Mode- und Haushaltsartikel mit Hello-Kitty-Motiven aus.

Trend zur Infantilisierung der Gegenwartskultur

Aus Anlass des 30. Geburtstages der Figur fertigte ein Juwelier in Tokios berühmter Luxus-Meile kleine, mit 131 Diamanten verzierte Hello-Kitty-Puppen zum Stückpreis von drei Millionen Yen (20.000 Euro) an. Schon seit langem ist in Japan ein Trend zur Infantilisierung der Gegenwartskultur zu beobachten. Japanische Nintendos, Pokémons oder die Playstation von Sony waren sofort mit dabei, als die Lust vieler Erwachsener auf Kindlichkeit auch in den USA und Europa um sich griff.

Auch das Kino heizt den Japan-Boom an

Doch auch Sushi ist im Westen cool und genauso en vogue wie Sake in Cocktailbars, während Mode-Freaks zunehmend auf japanische Designer wie Jun Ashida stehen. Filme wie "Der letzte Samurai" mit Tom Cruise schüren das weltweit zunehmende Interesse an Japan noch zusätzlich.

Geburt einer Großmacht aus dem Geist der Popkultur

Der neue Trend beschäftigt nun auch die Ökonomen, die sich schon die Frage stellen, ob Japans kulturelle Popularität das Inselreich womöglich gar zu einer neuen wirtschaftlichen Größe zu verhelfen vermag. Zumindest zeige sich, "dass Japan noch immer auf Weltklasse-Niveau konkurrieren kann", wie der Wirtschaftsjournalist William Pesek Jr. von der Finanznachrichtenagentur Bloomberg unlängst schrieb.

Nach einem wirtschaftlich "verlorenen Jahrzehnt" beobachten Experten wie er nun einen frischen Unternehmergeist unter Japanern, die die überkommene Unternehmensmaschinerie ihrer Elterngeneration meiden und sich ihre Zukunft selber schmieden wollen. Der weltweite Siegeszug japanischer Pop-Kultur mag die Probleme des Landes nicht lösen. "Aber es ist ein guter, unterhaltsamer Beginn", meint Pesek.

Lars Nicolaysen, dpa / DPA
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