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Lenny Kravitz: Sexy Schlaftablette

Rockstar, Sexsymbol, cooler Hund: Wenn man Lenny Kravitz trifft und mit ihm über sein neues Album spricht, ist man am Ende erstaunt, was von diesem Image übrig bleibt. Immerhin beißt er jetzt die Zähne zusammen und kommt trotz Bronchitis nach Deutschland.

Von Ulrike von Bülow

Er hatte sie alle, der Mann, der trotz Erkältung heute Abend in Berlin auf der Bühne steht und am Samstag bei "Wetten dass..?" neben Thomas Gottschalk auf dem Sofa Platz nimmt. Der ganz private Walk of Fame des Rockstars Lenny Kravitz beginnt bei der Schauspielerin Lisa Bonet und führt zu den Sängerinnen Vanessa Paradis und Natalia Imbruglia, es finden sich in Lennys Liste die Models Devon Aoki und Adriana Lima, und da ist natürlich Nicole Kidman, der er einst sein Penthouse in SoHo, New York, öffnete. Wow. Man kann sich aber auch fragen: Warum eigentlich ist keine der Damen geblieben?

Lenny Kravitz versprüht an diesem Mittag die Energie eines Faultieres. Der Meister trägt schwarze Jeans, Modell hauteng, schwarze Stiefeletten und ein graues T-Shirt; er ist ganz schön klein, ganz schön still und hat ein ganz schönes Bäuchlein. "Ich war immer mit den richtigen Frauen zusammen", beantwortet Kravitz die Ex- Frage, "aber immer zur falschen Zeit, entweder war ich nicht bereit, oder sie waren es nicht."

Lenny Kravitz ist seit 18 Jahren im Rock-Geschäft, er wurde mit dem Album "Let Love Rule" berühmt und gewann im Laufe seiner Karriere vier Grammys, Kategorie "Best Male Rock Vocal Performance". Am 1. Februar erscheint sein neues Werk "It Is Time For A Love Revolution", darauf der für ihn seit 18 Jahren typische, schnelle Retro-Gitarrenrock und ein paar sehr hübsche Balladen; es klingt rauer, nicht so poliert wie seine vorigen Alben, es erinnert an "Let Love Rule", nicht wahr, Mr Kravitz? "Ich weiß nicht", sagt der träge, "jeder sieht das anders. Ich finde, es steht für sich." Kravitz sitzt auf der Terrasse des Raleigh Hotel, einer dieser cremigen Luxusherbergen in South Beach, Miami, auf einem Rattansofa mit hellen Polstern. Sein rechter Arm liegt auf der Sofalehne, angewinkelt, mit der Hand stützt er seinen Kopf, am Daumen steckt ein breiter Goldring. Er gähnt.

Der besorgte Vater

Er ist jetzt 43, er wirkt wie ein Kerl, der alles erreicht und nichts mehr zu tun hat, der nicht mal mehr die Fantasie hat, Spaß am eigenen Reichtum zu haben. All die Gespielinnen sind fort, selbst seine Tochter Zoe, 19, die aus seiner Ehe mit der Schauspielerin Lisa Bonet stammt, ist inzwischen aus dem Haus. Sie geht in New York zur Schauspielschule, und Lenny Kravitz ist nun einer jener Väter, die den Rock des Kindchens betrachten und fragen: "Sag mal, ist der nicht ein bisschen kurz?" Er sagt, er sei kein eifersüchtiger Papa, nur besorgt hin und wieder. Aber ist er nicht in Wahrheit vor allem ganz schön allein? Kravitz schüttelt den Kopf, langsam natürlich, aber dann sagt er: "Ich sehe es kommen, ja ... ich sehe es kommen. Wer weiß, ich könnte sie heute treffen. Ich warte darauf, wirklich. Es ist Zeit." In der Tat. Denn als noch älteren, immer noch einsamen Mann mag man sich Lenny Kravitz nun wirklich nicht vorstellen.

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