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Letztes Konzert: "No Angels" verabschieden sich

"Wir sehen uns", versprachen die No Angels am Ende ihres letzten Deutschlandkonzertes in der Münchner Olympiahalle dann doch wieder.

"Wir sehen uns", versprachen die No Angels am Ende ihres letzten Deutschlandkonzertes in der Nacht zum Samstag in der Münchner Olympiahalle dann doch wieder. Bei der professionellen und emotionsgeladenen Abschieds-Show, die sich bei einem Reitsportturnier nur zufällig als letztes Konzert der Girl-Group ergeben hatte, sahen sich die Sängerinnen vielen leeren Rängen gegenüber. Der Abschied auf Raten, der den jungen Frauen nach eigenen Angaben das Scheiden aus der Branche erleichterte, forderte seinen Tribut: Nur etwa 4000 Fans hatten den Auftritt in München als letzte Chance ausgemacht, ihren Stars noch einmal zuzujubeln.

In den drei Jahren hatte sich eine Girl-Group mit eigenem Profil entwickelt

Als die Band im vergangenen September überraschend eine "kreative Pause" ankündigte, begann das organisatorische Ringen um die Erfüllung von Pflichtterminen und Verträgen. Bereits vor einigen Wochen war ein Konzert der No Angels als letztes gehandelt worden. Doch Sandy (22), Vanessa (23), Lucy (27) und Nadja (21) ließen sich von der vergleichsweise geringen Zuschauerzahl und den Bedingungen in der Halle nicht beirren, in deren Arena wenige Minuten zuvor noch Pferde und während des Konzertes Hunde die Streuschicht am Boden aufwirbelten. Die No Angels beeindruckten mit einer lückenlosen Präsentation ihrer Hits und eben doch engelsgleichen Stimmen.

Mit einer temporeichen Choreografie, die sich keinen Moment lang nachteilig auf die Stimmfestigkeit der Sängerinnen auswirkte, zeigten die jungen Frauen noch einmal, was sie in den drei Jahren seit Gründung der Band gelernt hatten. Aus der im Casting-Studio zusammengewürfelten Band entwickelte sich nach und nach eine Girl- Group mit eigenem Profil - da waren sich Kritiker und Fans einig.

"Rührendes Ereignis"

Die ursprünglich fünf Bandmitglieder waren aus der Fernseh-Serie "Popstars" als Gewinnerinnen hervorgegangen. Die Rechnung ging auf: Schon der Debüt-Song der No Angels "Daylight in your Eyes" eroberte rekordträchtig binnen einer Woche die Charts. Im Jahr 2002 war die Nummer fünf im Bunde, Jessica, dann in eine Baby-Pause gegangen. Zum Abschied in München trat sie als Überraschungsgast auf.

Doch nicht nur den No Angels selbst, auch den fast ausschließlich weiblichen und meist minderjährigen Fans war zu verdanken, dass der letzte Live-Auftritt der Gruppe zu einem rührenden Ereignis wurde. Hysterische Zurufe und Plakate mit Aufschriften wie "Wir bleiben euch treu" sorgten für Tränen - auf und vor der Bühne. Und dennoch wirkten die Popstars bei einer Pressekonferenz unmittelbar vor dem Konzert hoch zufrieden mit der Entscheidung, sich vorerst aus dem Show- Geschäft zurückzuziehen. Sichtlich erleichtert und entspannt freuten sie sich darauf, das enge Korsett aus Terminplänen und Pflichtveranstaltungen aufzuschnüren.

Ganz alltägliche Dinge sollen in den kommenden Monaten den Mittelpunkt im Leben der No Angels ausmachen. "Kochen und Putzen", erscheint Sandy im Moment als verlockende Alternative zum Promi- Dasein. Auch wenn die "kreative Pause" der No Angels nie offiziell als endgültige Trennung deklariert worden ist, klang es doch nach einem Abschied für immer.

Von Julia Lenders, dpa