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Madonna-Tour: Die Büßerin steigt vom diamantenen Kruzifix

Für Skandale hat sie schon immer gerne gesorgt: Beim Tourauftakt in Los Angeles zeigt Popstar Madonna eine Show zwischen Sex und Sado, gespickt mit religiösen Symbolen und ein wenig Politik.

Schon einmal hat der Vatikan eine Madonna- Tournee als "eine der satanischsten Shows in der Geschichte der Menschheit" verteufelt. Mit ihrer neuen Welttournee wird sich die mittlerweile 47-jährige Pop-Ikone, die nach dem Willen ihrer Mutter Nonne werden sollte, wieder keine Freunde in Rom machen. Die Show, am Sonntagabend in Los Angeles uraufgeführt, heißt auf Deutsch "Beichte auf der Tanzfläche", und an einer Stelle steigt die Sängerin mit Dornenkrone vom Kreuz herab. Videoschirme zeigen währenddessen Hungernde in Entwicklungsländern.

Die Szene erinnerte an ihren Auftritt beim Live-8-Konzert im Londoner Hyde Park im vergangenen Juli, als sie den Arm einer jungen Äthiopierin in die Luft riss und rief: "Seid ihr bereit, eine Revolution anzufangen?" Kenner wiesen sofort darauf hin, dass dies nicht im Sinne des einstigen Wahl-Londoners Karl Marx gemeint gewesen sei, denn das "Material Girl" ist durch und durch Geschäftsfrau. In Los Angeles nahm ihre Show trotz eines Streiks der Bühnenarbeitergewerkschaft ihren Lauf.

Bush und Oralsex

Mit ihrem untrüglichen Gespür für den Massengeschmack streut Madonna immer mal wieder eine Prise Politik in ihre Show ein: Eine Videomontage zeigt Bush, Blair und Hitler - so was kommt immer gut, jedenfalls dort, wo sie auftritt. Einmal sagt sie auch etwas über Bush und Oralsex, aber im Ganzen spricht sie wenig. Sie singt, und dies zügig, die Titel ihres neuen Erfolgsalbums "Confessions On A Dancefloor" sowie einige Evergreens wie "Lucky Star" und "Ray Of Light".

Sie findet Kruzifixe sexy

Die Bühnentechnik ist gewohnt aufwendig. Jeden Abend wird ein mit Diamanten und Kristallen besetztes Kreuz hochgezogen. "Ich mag Kruzifixe, weil sie sexy sind: schließlich ist da ja ein nackter Mann drauf", hat sie einmal gesagt. Zu Beginn entsteigt sie einer Discokugel mit Kristallen im Wert von über zwei Millionen Dollar (1,57 Millionen Euro). Sieben Mal wechselt sie ihre von Jean Paul Gaultier entworfene Garderobe. Einmal legt sie etwas Sadomasogeschirr an und tanzt in Reitstiefeln und mit Peitsche in der Hand über die Bühne. Dies könnte allerdings auch ein Verweis auf ihren Reitunfall an ihrem letzten Geburtstag sein, als sie sich drei Rippen, Hand und Schlüsselbein brach. Damals hatte es noch geheißen, sie werde wohl lange nicht mehr auftreten können.

Tour macht sie gigantisch reich

Doch in den kommenden drei Monaten wird Madonna ihre Beichte noch in mehr als 50 Konzertsälen in den USA, Kanada, Europa und Japan wiederholen. Ende August kommt sie nach Deutschland zu zwei Auftritten in Düsseldorf und Hannover. Ihr Veranstalter TNA rechnet damit, dass sie mit der neuen Tour die 200-Millionen-Dollar-Hürde nimmt und damit zum bestverdienenden weiblichen Musikstar wird. Die Hälfte aller Tickets in den USA und Europa war bereits nach vier Tagen weg, wobei die Fans Preise von bis zu 300 Euro pro Karte in Kauf nahmen.

"Frech und sexy"

Das Publikum in Los Angeles - darunter Madonnas spiritueller Ratgeber Rabbi Yehuda Berg von der Prominenten-Religion Kabbala - zeigte sich im Anschluss zufrieden. "Sie ist frech und sexy", sagte der Schauspieler Marc Imme, 23. Andrea Holt, 27, Eheberaterin aus Colorado, kommentierte: "Als ich aufwuchs, stand Madonna für Frauenpower. Jetzt konzentriert sie sich auf ihre Familie, und darin kann ich mich auch wiederfinden."

Im Rahmen ihrer Welttournee wird Madonna auch zwei Konzerte in Deutschland geben, am 20. August in Düsseldorf und am 22. August in Hannover.

Christoph Driessen/DPA / DPA