morgenstern "Bevor ich Gott danke, sage ich: ICE raus!"

Grammys : Billie Eilish und ihr Bruder Finneas O'Connell
Nicht nur Billie Eilish und ihr Bruder Finneas O'Connell trugen bei den Grammys eine kleine, aber klare Botschaft in Form von weißen Ansteck-Buttons am Körper
Ein Grammy für den Dalai Lama, böse Worte für ICE. Außerdem: CSU-Chef Markus Söder will, dass die Deutschen eine Stunde länger pro Woche arbeiten. Die Lage am Morgen.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

bevor wir zum formellen Teil kommen, möchte ich mich Ihnen gern kurz vorstellen: Mein Name ist Patrick Rösing und ich darf Sie die nächsten vier Wochen an dieser Stelle im Morgenstern begrüßen. Ich bin seit zwölf Jahren in wechselnden Positionen beim stern, dieser Newsletter ist für mich eine neue Erfahrung. Ich freue mich darauf.

In Los Angeles stand zum 68. Mal die Verleihung der Grammys an, des wichtigsten Musikpreises der Welt. Ich weiß nicht, wie Sie auf derlei Award-Vergaben blicken. Ich finde die kleinen und großen Nebengeschichten auf und neben der Bühne oft mindestens genauso spannend, wie die Gewinnerinnen und Gewinner. Wer hat das gewagteste Outfit? Wer benimmt sich daneben? Was wird in den Dankesreden gesagt? 

"Bevor ich Gott danke, sage ich: ICE raus!"

In diesem Jahr hatte Bad Bunny, Gewinner der Auszeichnung für das "Beste Album" und das "Bestes Música Urbana Album", klare Worte parat: "Bevor ich Gott danke, sage ich: ICE raus!", so der 31-Jährige auf der Bühne. Die Gäste im Saal reagierten mit Standing Ovations, Jubel und langem Applaus. 

Noch drastischer formulierte es Billie Eilish: "'Fuck ICE' ist alles, was ich sagen möchte", sagte die 24-jährige Musikerin, die zusammen mit ihrem Bruder für den "Song des Jahres" ausgezeichnet wurde. Zuvor hatte bereits die zur besten Newcomerin gekürte Olivia Dean ein politisches Statement abgegeben.

Etliche Prominente trugen Ansteckbuttons mit den Worten "ICE out", um gegen das Vorgehen der umstrittenen US-Einwanderungsbehörde zu protestieren. Auch Moderator Trevor Noah nutzte die Bühne, um mit Seitenhieben gegen die Trump-Regierung auszuteilen. So viel Politik habe ich lange nicht mehr auf einem Roten Teppich wahrgenommen.

Der für mich überraschendste Preisträger war indes jemand, der eher darum bemüht ist, erhitzte Gemüter wieder zu beruhigen: der Dalai Lama. Das geistliche Oberhaupt des tibetischen Buddhismus bekam den Preis für seine Erzählstimme in seinem Hörbuch: "Meditations: The Reflections of His Holiness the Dalai Lama". Der Dalai Lama nahm den Preis nicht selbst entgegen. 

Justin Bieber bei den Grammys 2026
Justin Bieber absolvierte seinen Auftritt bei bei den Grammys 2026 ohne allzuviel Textil
© Frazer Harrison

In Sachen auffällige Kleidung (beziehungsweise keine Kleidung) sorgten unter anderem Sängerin Chappell Roan und Justin Bieber für Aufsehen. Die 27-Jährige kam in einem fast durchsichtigen burgunderfarbenen Kleid, das an zwei Piercings in ihren Brustwarzen befestigt war. Justin Bieber absolvierte seinen Auftritt in Socken und Boxershorts. 

Während dieser Newsletter verfasst wird, ist die Veranstaltung noch in vollem Gange. Ich kann ihnen also noch nicht alle Gewinnerinnen, Gewinner und Eklats präsentieren. Sie finden aber alles Sehens- und Wissenswerte rund um die Grammys im Laufe des Vormittags beim stern. Versprochen. Hier können Sie bereits mit den modischen Highlights und Statements anfangen.

Markus Söder will eine Arbeitsstunde mehr

Markus Söder will, dass die Deutschen eine Stunde mehr pro Woche arbeiten. Das sei "wirklich nicht zu viel verlangt", sagte der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef am Sonntag im "Bericht aus Berlin" in der ARD. Er sei sicher, die Extrastunde bringe "uns enorm viel Wirtschaftswachstum". 

Söder liegt damit voll im Unionstrend, den Deutschen unterschwellig zu wenig Leistungsbereitschaft zu attestieren. Die telefonische Krankschreibung würde er ebenso wie Bundeskanzler Friedrich Merz gern abschaffen, außerdem fände er die Idee eines Karenztages bei Krankheit gut. Das bedeutet: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bekommen am ersten Krankheitstag keinen Lohn. 

Der CSU-Chef hält das für ein gutes Heilmittel gegen eine mutmaßliche Brückentagsseuche. An diesen Tagen sei Deutschland nämlich immer etwas kranker als zu anderen Zeiten. 

Die Gegenrede kam prompt von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig von der SPD. "Ich teile überhaupt nicht, dass die Deutschen zu wenig arbeiten." Für sie geht die von der Union ausgelöste Debatte an der Lebensrealität der Menschen vorbei. 

Es ist nicht das erste Mal, dass die Koalitionsparteien der Bundesregierung in der Leistungsfrage über Kreuz liegen. Zuvor gab es bereits Unstimmigkeiten über das Recht auf Teilzeit, siehe dazu auch den Artikeltipp unten. Mein Tipp: Das Thema dürfte noch einigen weiteren Zündstoff parat halten

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Donald Trump bedroht die Nato und rüttelt an der Weltordnung – für Europa liegt darin auch eine Chance, meint der "Zeit"-Journalist Holger Stark. Für den Kanzler hat er einen Rat.

Und sonst? Weitere Schlagzeilen

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Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag und die Woche! 

Passen Sie auf sich auf!

Patrick Rösing

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