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Andrew Lloyd Webber im stern: "Ich dachte, das ist das Ende"

Der Musical-Komponist und Multimillionär Andrew Lloyd Webber war 2009 schwer erkrankt. Vor der Deutschland-Premiere von "Liebe stirbt nie" spricht er erstmals in Deutschland im stern über die langen Jahre des Leidens.

Von Sylvia Margret Steinitz und Catrin Bartenbach

Musical-Komponist Andrew Lloyd Webber

Der Musical-Komponist Andrew Lloyd Webber schildert im stern seinen langen Leidensweg nach einer falschen Rückendiagnose

"In den vergangenen drei oder vier Jahren sind die Dinge nicht so gelaufen, wie sie hätten laufen sollen", sagt der Komponist Andrew Lloyd Webber in einem Interview mit dem stern kurz vor der Deutschland-Premiere seines Musicals "Liebe stirbt nie" am 15. Oktober in Hamburg. "Ich war aus gesundheitlichen Gründen ziemlich außer Gefecht gesetzt", erklärt der 67-jährige Brite.

Webber war 2009 an Prostatakrebs erkrankt, gilt aber als geheilt. "Tatsächlich war der Krebs nicht das größte Problem", sagt er im stern. Der wirkliche Ärger habe erst danach begonnen. "Ich hatte schlimme Rückenschmerzen. Ärzte stellten eine falsche Diagnose und erklärten, ich müsse operiert werden. Das machte mich praktisch zum Krüppel. Ich lebte ständig auf Morphium. Vor einem Jahr war ich an einem Punkt, an dem ich dachte: Das war's, ich kann nicht mehr. Ich stand kurz davor, allen zu sagen: Ich werde nie wieder arbeiten können. Das ist das Ende."

Er sei bei Spezialisten in aller Welt, in Europa, in Australien, in London und Amerika gewesen. "Jeder hatte eine andere Diagnose, nur in einem waren sie sich einig: Ich hätte irgendeine gravierende Infektion in meinem Rücken, man könne aber nicht genau sagen, wieso und wie man es zuverlässig heilen könne."

Chiropraktiker erlöst Webber von seinem Leiden

Schließlich habe er einen Chiropraktiker getroffen. "Der sagte zu mir: "Das ist alles Nonsens. Sie haben keine Infektion, Andrew. Die Probleme, die Sie haben, sind die Folgen der Operation. Ich kann Ihnen helfen, und Sie werden keine Schmerzen mehr haben." Schon bald sei es ihm besser gegangen, "und jetzt bin ich wieder auf der Höhe."

Entgegen seinen ursprünglichen Plänen und anders als noch in der Heft-Fassung des stern-Gesprächs dargestellt schafft es Lloyd Webber nun doch gemeinsam mit seiner dritten Ehefrau zur Deutschland-Premiere seines Musicals "Liebe stirbt nie" nach Hamburg. Noch gut erinnert er sich an die Erstaufführung von "Phantom der Oper" in der Hansestadt im Jahr 1990. Damals geriet sein Auftritt am Roten Teppich in die Demonstrationswirren der linken Szene um die "Rote Flora", ein besetztes Hamburger Theater. "Ich wusste nichts über die politischen Hintergründe", erinnert sich der Musical-Star. "Es war ohnehin ein schwieriger Abend. Gerade an diesem Tag bekam die Presse heraus, dass meine zweite Frau Sarah Brightman und ich uns trennen würden. Gemessen daran waren die anderen Geschehnisse des Abends für mich nicht so wichtig." 

Erinnerung an turbulente "Phantom"-Premiere

Die Premierenbesucher wurden mit faulem Obst beworfen, einige sogar angegriffen. "Ich weiß noch, dass man mir erklärte, Sarah und ich sollten lieber durch den Hintereingang ins Theater schleichen", erinnert sich Andrew Lloyd Webber. "Und dass ich sagte: ‚Das werde ich sicher nicht tun.'" Es habe sich komplett falsch angefühlt, erzählt er dem stern weiter. "Damals dachte ich außerdem, dies würde das letzte Mal sein, dass Sarah und ich zusammen fotografiert werden. Wir wurden seither aber noch oft zusammen fotografiert, weil wir gute Freunde geblieben sind." Lloyd Webber und Brightman kamen damals heil ins Theater. Für die Premiere von "Liebe stirbt nie", der Fortsetzung des Welterfolgs "Phantom in der Oper", werden keine Proteste erwartet.