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Mythen der Rockwelt: Als Axl Rose ein Schwein erschoss

Stimmt es, dass die Bee Gees "Saturday Night Fever" am Drehort eines Pornofilms geschrieben haben? Und wie steht es um die sexuellen Vorlieben von Elvis Presley? Diese und einige weitere offene Fragen der Musikwelt klärt der Journalist Gavin Edwards in einem neuen Buch.

Viele Rätsel aus der Welt der Rockstars klärt der Musikjournalist Gavin Edwards in seinem Buch "Do You Want To Know A Secret?", aber für einige Fragen hat auch er keine Antwort parat. Etwa dafür, über wen Carly Simon in ihrem Song "You're So Vain" aus dem Jahr 1973 wirklich singt. Zu den gehandelten Kandidaten zählen seit Jahren Mick Jagger, Warren Beatty, Kris Kristofferson, Cat Stevens und James Taylor. Edwards geht Hinweisen aus diversen Interviews mit Simon über die Jahre nach und kommt letztlich zu dem etwas unbefriedigenden Schluss, dass die Identität des eitlen Protagonisten wohl das Geheimnis der Sängerin bleiben wird.

Mehr als 130 weitere Fragen von Lesern des "Rolling Stone" beantwortet der langjährige Kolumnist des Musikmagazins dagegen, zum Teil ausgiebig und auf amüsante Art. "Dem Wahrheitsgehalt von Rockmythen auf den Grund zu gehen" ist sein Anliegen, wie Edwards im Vorwort seines Buchs mit dem Untertitel "Die größten Geheimnisse, Mythen und Gerüchte der Rockwelt" schreibt. Viele Zitate steuert er aus eigenen Interviews und Erlebnissen mit Stars bei, anderes hat er nachrecherchiert. Logisch, dass gleich mehrere Kapitel des Buchs von Gerüchten über das Sexleben der Stars, von Groupies und Drogen handeln. Haben die Bee Gees tatsächlich einige ihrer größten Hits - den Soundtrack von "Saturday Night Fever" - am Drehort eines Pornofilms geschrieben? Laut Edwards haben sie das, allerdings hätten sie das damals nicht gewusst.

Über die sexuellen Vorlieben von Elvis Presley erfährt der Leser pikante Details. Auch jenes, dass der King in späteren Jahren lediglich irgendeine Frau im Bett haben wollte, "im wörtlichen Sinne. Er konnte besser einschlafen, wenn eine Frau einfach nur neben ihm im Bett lag". Und zum "Summer Of '69" von Bryan Adams stellt Edwards klar, dass es sich bei dem Hit von 1985 eben nicht um eine nostalgische Geschichte über die Jugend und die erste Rockband des Kanadiers handelt, sondern um eine sexuelle Anspielung. "Jeder, der gut im Kopfrechnen ist, wird bemerken, dass Bryan Adams im Sommer 1969 erst neun Jahre alt war." Die "Vermutungen über den schmutzigen Inhalt des Songs" habe Adams Jahre später selbst bestätigt, schreibt Edwards.

Handelt "Norwegian Wood" von Ikea?

Andere Passagen befassen sich mit schlichten Fakten - etwa Mick Jaggers Zensuren, als er Anfang der 60er Jahre an der London School Of Economics studierte. Die waren demnach nicht besonders gut, was unter anderem daran lag, dass die Musik Jagger vom Studium ablenkte. Auch Statistikfreunde werden in dem Buch bedient. Wie viele US-Staaten hat Bruce Springsteen bisher in seinen Texten erwähnt? Wie viele Songs von Randy Newman haben Städtenamen in ihrem Titel? Ist vor Ty Longley von Great White schon mal ein Rockstar auf der Bühne gestorben? Hat es vor Good Charlotte schon Zwillinge in Rockbands gegeben? Auch kurios anmutende Fragen werden beantwortet, so beispielsweise im Kapitel über Songtitel jene nach der Bedeutung des Beatles-Songs "Norwegian Wood". "Bezieht er sich auf Ikea?" Die kurze Antwort lautet: "Nein, dann müsste er ja 'Swedish Wood' heißen." Dann aber holt Edwards zu einer längeren Erklärung aus, in der sowohl John Lennon als auch Paul McCartney zu Wort kommen und in der die Details geklärt werden.

Am besten liest sich das Buch aber dort, wo der Autor in die Anekdotenkiste greift. Und etwa berichtet, wie Neil Young wegen einer Fehlpressung 200.000 Exemplare seines Albums "Comes A Time" aufkaufte. Um sicherzugehen, dass die von beschädigten Masterbändern in schlechter Qualität gepressten Platten nie an die Öffentlichkeit gelangten, habe Young die zurückgerufenen Alben auf seiner Ranch gelagert - "nachdem er auf jede einzelne mit seinem Gewehr gefeuert hatte".

Einige ungelöste Rätsel bleiben

Über Axl Rose überliefert Edwards eine Episode von einem gemeinsamen Abend mit Depeche Mode, aus dem dann aber keine längere Freundschaft hervorging. Denn Rose soll an jenem Abend bei einem Grillfest ein Schwein erschossen haben, was Depeche Mode wiederum wenig lustig fanden: "Als strikte Vegetarier sind Depeche Mode von Rose' Verhalten erschüttert und wünschen deshalb keinen weiteren Umgang mit jemandem, der aus Spaß Schweine erschießt", zitiert Edwards eine Erklärung der Band. Und auch über Tom Waits findet sich ein kurioses Gerücht: Dass er sich die Speisekarte eines Pizzalokals auf die Brust habe tätowieren lassen. Das Dementi dazu ist eigentlich keines, aber Waits' Neigung zur Legendenbildung ist schließlich bekannt. Dass es aber auch echte ungelöste Rätsel gibt, räumt Edwards gegen Ende seines Buchs ein: Am meisten habe ihn über die Jahre gewurmt, "dass ich nie eine für meine Ansprüche ausreichende Antwort auf die Frage 'Welche Rockstars tragen Toupets?' finden konnte."

Nina Sündermann/AP