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Neues Album: Carla Bruni singt von Heroin

Ihr neues Album könnte für einen weiteren Skandal im Elysée-Palast sorgen: Carla Bruni singt wieder. Deftige Liedtexte wie "du bist tödlicher als afghanisches Heroin" sind aber ganz und gar nicht das, was die Franzosen von ihrer "Première Dame" erwarten.

Von Astrid Mayer, Paris

Sie sei bloß eine Folk-Sängerin, die über Kleinigkeiten singe, wie sie alle kennen, hat Carla Bruni vor ein paar Monaten in einem Interview gesagt. Sie sagt auch, sie stehe politisch links und ihr Mann sei gar kein Konservativer. Aber vorerst warten alle darauf zu hören, was sie singt: Am 11. Juli kommt ihr Album in den Verkauf, das den vielsagenden Titel trägt " als wäre nichts gewesen".

Tja, da war halt doch was: Eine Hochzeit, und zwar mit dem französischen Staatspräsidenten. Die aus der erfolgreichen Sängerin (zwei Millionen Mal wurde ihr erstes Album verkauft) eine First Lady gemacht hat. Kein Wunder also, dass die Scheibe schon Furore macht, bevor sie überhaupt auf dem Markt ist. Höchste Sicherheitsvorkehrungen gegen Raubkopien vor dem Erscheinen und erste Lobeshymnen, auch die verbotenerweise trotz Sperrfrist für Kritiken jeglicher Art.

Sowenig Frau Bruni-Sarkozy das wollte (die auf dem Plattencover weiter mit "Carla Bruni" firmiert) – eines ihrer Lieder hat sogar schon erste Komplikationen auf dem internationalen Parkett ausgelöst. Der kolumbianische Botschafter beschwerte sich, als der Wortlaute eines Liedes durchsickerte, wo der Liebhaber mit einer harten Droge verglichen wird: "Du bist gefährlicher als die kolumbianische Weiße" (womit Kokain gemeint ist), heißt es da. Das sei, hieß von seiten des Botschafters, "sehr schmerzhaft für Kolumbien".

Texte vor der Ehe mit Sarkozy gedichtet

In Afghanistan ist man offenbar zu sehr mit anderem beschäftigt, um sich über die Liedzeile "du bist tödlicher als afghanisches Heroin" aufzuregen. Das Platenlabel "Naive", bei dem "als wäre nichts gewesen" herauskommt, lässt schon seit Wochen verlautbaren, 95 Prozent der Lieder seien gedichtet und komponiert worden, bevor Madame ihren Ehemann kennen lernte. Nicht, dass man womöglich im Ausland meint, das Paar habe etwas mit Drogen am Hut.

Es heißt sogar, es gebe im Elysée schon einen Krisenstab, um auf irgendwelche Unterstellungen oder falschen Assoziationen reagieren zu können. Die Präsidentengattin dementiert. Aber sie weiß auch, dass beim Anhören ihres Albums ganz Anderes wahrgenommen werden wird als die musikalische Qualität. Klar können aus jeder Zeile Rückschlüsse auf präsidiale Liebeshändel geschlossen werden, ob zu Recht oder nicht.

Allüren wie bei Madonna

Eine (von der Première Dame höchstselbst) handverlesene Gruppe von Journalisten, durfte sich das neueste Oeuvre nach Abgeben sämtlicher Handys und sonstiger verdächtiger Gegenstände anhören - ein Vorgehen, das sonst bei Größen wie Madonna und Coldplay üblich ist. In der Tageszeitung "Le Figaro" erschien eine geradezu enthusiastische Kritik - was wahrscheinlich nicht bloß daran liegt, dass der "Figaro" sehr regierungstreu ist. Auch andere, kurze Kritiken sind recht positiv: Da werde ein professioneller Mix aus französischem Chanson und Folk geboten, Texte und Melodien, die unter die Haut gehen.

Jetzt laufen die Wetten, wann die ersten Raubkopien des Albums im Netz zirkulieren. "Naive" hat vorsichtshalber noch nicht einmal gekennzeichnete Files an ausgewählte Personen verteilt. Die Auslieferungen an die Fachgeschäfte werden erst im letzten Augenblick herausgehen. Arme Carla Bruni: Sie wird so genau bewacht wie ihre Musik. Live-Konzerte, ließ sie wissen, werde es nicht geben, solange ihr Mann Präsident ist. Zu gefährlich, zu viel Aufwand für die Security. Die Tantiemen will sie samt und sonders für karitative Zwecke spenden. Die Dame ist wohl heilfroh, dass sie überhaupt noch arbeiten darf.

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