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Nevio Passaro: "Man kann Bohlen nicht vom Thron schubsen"

Seine Auseinandersetzungen mit Bohlen gingen durch die Presse. Die Zuschauer liebten ihn. Nach "DSDS" hat Nevio Passaro erst mal seinen Dottore in Italien gemacht. Jetzt ist er wieder da, mit neuer Musik. Im stern.de-Interview erzählt er, was die Castingsshow ihm gebracht hat, und wie es hinter den Kulissen abgeht.

Herr Passaro, nach Ihrem Rauswurf bei "Deutschland sucht den Superstar" hat man lange nichts mehr von Ihnen gehört.

Ich habe mein Studium beendet und parallel dazu mein Album vorbereitet. Das war doppelte Belastung. Ich hatte fünf Jahre an der Universität Bologna, der größten Uni Italiens, studiert. Als "Deutschland sucht den Superstar", begann, war ich scheinfrei. In den Pausen bin ich nach Italien gefahren und habe meine letzten Prüfungen abgelegt. Die Diplomarbeit habe ich meistens im Hotelzimmer auf meinem Laptop geschrieben, zwischen TV-Terminen und Konzerten. Vor vier Wochen habe ich sie abgegeben. Jetzt bin ich Dottore Nevio und hier in Deutschland Diplom-Simultan-Dolmetscher für Italienisch, Englisch und Französisch.

Gratulation. Was war das Thema Ihrer Diplomarbeit?

Die Koexistenz des Dativs und des Genitivs in der deutschen Sprache.

So à la "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod".

Genau. Darin kommt auch Bastian Sick vor.

Irgendwo gab es mal eine Meldung, dass Sie Pizzabäcker werden wollten.

Ja, das stand einfach in der Zeitung.

Das haben Sie nie gesagt?

Nein. Ich bin kein aktiver Pizzamacher, sondern eher ein passiver Pizzaverzehrer. (streicht sich über den Bauch)

Derzeit sind Sie in erster Linie Musiker und haben gerade ihr neues Album "Nevio" veröffentlicht, das gleich auf Platz fünf in die Albumcharts eingestiegen ist. Lohn der Mühe, Sie haben immerhin ein dreiviertel Jahr daran gefeilt.

Ich bin penibel - wie sehr ich die Produzenten genervt habe, das glaubt keiner. Ich wollte, dass es echt gut wird. Top Twenty wäre das Soll gewesen, aber Top Ten ist phänomenal.

Sie haben dafür auch mit Eros Ramazotti zusammengearbeitet.

Nicht mit Eros selbst. Ich habe mit einem seiner Texter, Antonio Galbati, ein paar Songs geschrieben, zum Beispiel "Amore per sempre".

Als Kandidat von "Deutschland sucht den Superstar" hatten Sie automatisch einen Vertrag mit der Plattenfirma Sony BMG. Das Album ist aber auf Universal erschienen.

Alle "DSDS"-Kandidaten mussten einen Vorvertrag mit der BMG unterschrieben. Die hatte damit eine Option auf die Kandidaten bis zu drei Monate nach deren Ausscheiden. Auch wenn der Kandidat das nicht möchte, kann er sich nicht wehren. Als Gewinner steckt man sowieso fest, deswegen bin ich ganz froh, dass ich nicht gewonnen habe. Denn zeitgleich hatte ich noch ein Angebot von Universal.

Wie sind Sie aus dem Vertrag rausgekommen?

Ich habe mich eben dementsprechend verhalten und gesagt, dass ich englische Rockmusik machen will - was gar nicht stimmte. Aber die hatten eben schon zwei im Stall, die das machen, Tobias Regener und Mike Leon Grosch. Einen Dritten in dem Genre brauchten die nicht. Zum Glück wurde meine Option nicht ausgesprochen, sodass ich bei Universal unterschreiben konnte.

Macht das einen großen Unterschied?

Ja, ich konnte den Vertrag völlig unabhängig von irgendwelchen "DSDS"-Verstrickungen aushandeln. Dass ich nicht nur ein Mitspracherecht, sondern die letzte Entscheidung bei allen Kreativen Prozessen fällen kann, war für mich das A und O. Warum sollte ich das anderen übertragen? Schließlich bin ich der Songschreiber, der nachts nicht schlafen kann, der aufsteht und sich ans Klavier setzt, wenn er einen Einfall hat. Ich will sagen, der Song braucht unbedingt diesen Drummer, lasst uns den einkaufen. Die Musiker waren mir sehr wichtig. Bei meiner Live-Band spielt mein 22-jähriger Bruder Flavio als Gitarrist mit. Natürlich gibt es Produzenten, die Dinge besser können. Wenn die mir helfen, super, dann lerne ich von denen. Am Ende bürge aber ich mit meinem Namen für das Projekt.

Sie legen großen Wert, die Kontrolle über den künstlerischen Prozess zu behalten. Was hat Sie damals geritten, zu "DSDS" zu gehen, eine Sendung, die nicht gerade bekannt dafür ist, dass Künstler ihr kreatives Potenzial frei ausleben können.

Wenn Menschen das ein wenig analytisch-kritisch verfolgt haben, konnten sie feststellen, dass ich nicht der prädestinierte "DSDS"-Typ war, sondern eher ein untypischer Kandidat. Vor allem präsentierten sich dort junge Talente, die noch steuer- und formbar sind. Als ich da angetreten bin, war ich immerhin 26.

Mike Leon Grosch war ja auch Ende 20.

Gut. Aber ich hatte ja schon Erfahrung, bin als Teenie mit meinem Keyboard in Restaurants und in Pianobars meiner fränkischen Heimat aufgetreten und habe mein Taschengeld aufgebessert. Das wurde immer mehr.1999 hatte ich schon mal einen Plattenvertrag, es folgten ein paar Fernsehauftritte, im ZDF-Fernsehgarten oder beim Disney-Club. 15 Jahre lang hatte ich schon Musik gemacht und es bis dahin nicht geschafft, die breite Masse anzusprechen. Also dachte ich mir, welche Möglichkeiten bietet die Medienlandschaft jungen Musikern - und bin auf "DSDS" gestoßen, wo Musik zumindest eine Rolle spielt. Klar, es ist Entertainment, und ich wusste, dass ich mich auf einen Kompromiss einlasse. Und plötzlich bist du in dieser Maschinerie drin, von einem Tag interessieren sich so viele Leute für dich. Jeder Satz, den du sagst, hat eine Wertigkeit für Tausende Menschen, die das sehen. Da liegt schon eine große Verantwortung auf dir. Jetzt kann ich glücklicherweise mit meiner eigenen Musik machen, was ich will.

Mal andersrum gefragt: Sie waren ein Querkopf, Ihre Kämpfe mit Bohlen hatten einen Unterhaltungswert...

Klar.

...spricht es dann nicht sogar für die Sendung, dass darin jemanden wie Sie teilnehmen durfte, der nicht mehr so formbar ist?

Tendenzen gab es bei "DSDS", das man nicht nur die "belustigenden" Leute fördert, sondern auch die, die wirklich was auf dem Kasten haben. Die Qualität insgesamt war ganz gut bei dieser Staffel. Aber es gab auch Konflikte. Ich habe auf den Moment gewartet, an dem ich endlich ans Klavier darf. Immer wurde ich vertröstet auf die nächste Show. Und irgendwann war es dann zu spät, weil ich rausgeflogen bin. Die Ansätze waren sehr gut. Tausend Ideen, aber nie wurde etwas konsequent durchgeführt. Das kam mir vor wie die Politik in Italien.

Wenn Sie "DSDS" schon mit der italienischen Politik vergleichen, sind auch korrupte Machenschaften nicht weit hergeholt. Sie haben immer lautstark Kritik an der Sendung geübt. Obwohl Sie so beliebt beim Publikum waren, sind Sie doch rausgeflogen. Glauben Sie, dass alles mit rechten Dingen zuging?

Da ist nicht mal alles transparent für die Protagonisten dieser Show. Man kann nicht wirklich hinter die Kulissen schauen, obwohl man mittendrin ist. Ich habe mir alles sehr aufmerksam angesehen. Nicht um zu spionieren, sondern weil es mich interessiert hat. Ich würde mir aber ins eigene Fleisch schneiden, wenn ich sagen würde, das ist alles Schwachsinn. Ohne die Show wäre ich mit Sicherheit nicht da, wo ich jetzt bin.

Haben Sie denn noch Kontakt zu den anderen "DSDS"-Teilnehmer der dritten Staffel?

Zehn junge Leute, die in einer Villa leben, dass war so ein Schullandheim-Feeling. Wir hatten sehr schöne Monate zusammen - egal, welche Geschichten teilweise dramatisiert oder überspitzt nach draußen gedrungen sind. Und deswegen habe ich auch zu ganz Vielen noch Kontakt. Mike Leon Grosch hat mich kürzlich angerufen, wie toll er meine neue Single findet, dass er mir alles Gute wünscht. Anna-Maria Zimmermann hat mir eine SMS geschrieben, sie würde gerade im Laden stehen und wolle meine CD kaufen, aber sie sei ausverkauft und sie hätte sie sich bestellt.

Erinnern Sie sich noch daran, was Bohlen als erstes zu Ihnen gesagt hat?

"Du hast ja wohl ne harte Nacht gehabt" - das stimmte tatsächlich. Ich hatte Fieber an dem Tag, bin total komisch aufgewacht. Dann lag da dieser Zettel mit dem Casting, und eine innere Stimme hat gesagt: "Jetzt packst du die Gitarre ein und singst dem Bohlen was vor." Er fand es spitze und hat gesagt: " Der liebe Gott hatte bei dir einen guten Tag, als er die Stimmen verteilt hat".

Verfolgen Sie die derzeitige Staffel, die Diskussion um den Jugendschutz?

Kaum, dazu habe ich zuviel zu tun. Aber man muss sich das vorstellen: Da kommt ein 14-jähriges Mädchen, die hat viele Träume und Wünsche, kann nachts nicht schlafen, weil sie so aufgeregt ist. Sie kommt dahin, gepusht von der Familie, singt, ist ganz talentiert und Dieter Bohlen sagt nicht nur: "Tut uns leid, das passt nicht, du musst weiterkämpfen", sondern haut irgendeinen komischen Spruch raus. Kein Wunder, dass diese Menschen zusammenbrechen. Was für die Sendung wiederum gut ist, Emotion berührt die Zuschauer. Die wenigsten wissen, dass es ein Vor-Casting gibt. Da sitzen Azubis drin und Redakteure, nicht die eigentlich Jury.

Sie waren also auch erst im Vor-Casting.

Ja klar, jeder. Und was da passiert, ist eine ganz einfache Auslese. Die ganz, ganz Schlechten kommen weiter und die ganz, ganz Guten kommen weiter. Das ganze Mittelfeld wird einfach rausgekegelt. So hat man diese Polarisierung vor der eigentlichen Jury.

Wenn Sie Bohlen jetzt treffen, würden Sie sagen "Hey Dieter, trinken wir ein Bier?"

Natürlich. Ich schätze Dieter Bohlen sehr. Wir haben diesen Streit nur medial geführt, quasi per Monitor. Er hat was im Fernsehen auf dem einen Monitor gesagt, ich habe dazu was auf dem anderen Monitor gesagt.

Und wie war es, wenn Sie sich direkt gegenüber standen?

Man ist als Kandidat nicht in der Position, ihn zu kritisieren. Er ist Medienprofi, den man nicht von seinem Thron schubsen. Aber hinter der Bühne hatten wir mal eine Diskussion. Ich habe ihm gesagt, dass er zu subjektiv ist. Er kann mich nicht persönlich angreifen und sagen, "Du bist ein arroganter Typ", wenn er mich gar nicht kennt. Das ist arrogant. Wenn er mir sagt: "Du hast schlecht gesungen", dann ist das okay. Während der gesamten Staffel wurde ich nie für meine musikalischen Darbietungen kritisiert, immer nur wegen fadenscheiniger persönlicher Dinge.

Wo befindet sich derzeit Ihr Lebensmittelpunkt, Italien oder Deutschland? Ich habe eine Wohnung in Italien, die leer steht. Ansonsten bin ich im Hotel und, so oft ich kann, bei meinen Eltern in Neustadt an der Aisch, das liegt zwischen Nürnberg und Würzburg. Das ist keine Dauerlösung. Ich muss mich entscheiden, Berlin gefällt mir gut, Hamburg würde passen. Mein Traum ist natürlich, so wie die italienischen Eisdielenbesitzer, in Italien zu leben und in Deutschland zu arbeiten.

Interview: Kathrin Buchner
Ich bin Freiberufler und werde diskreditiert!
Ich habe als Freiberufler für eine Firma gearbeitet wo bis zur letzten Minute alles super in Ordnung war. Der nächste Auftrag stand für einen Sonntag und der wurde mir ohne Begründung entzogen ohne Angaben von Gründe und das zwölf Stunden vor Antritt. Nun gut Gespräch mit der Leitung hat ergeben das eine leitende Person ein Statement abgeben hat über die Verkaufs Menge bzw Umsatz. Damit muss ich leben an diesem Tag war nicht los. Habe mich dann bei einer anderen Promotion Agentur beworben und heute ein Gespräch gehabt mit Vorführung meiner Kenntnisse. Bei dieser Präsentation wurde die mir zur Seite gestellte BC während dem Gespräch informiert von Mitarbeitern der anderen Agentur das ich nicht zu gebrauchen wäre und sogar sehr unfreundlich meinen Job verrichten. Aus diesem Grund bin ich dann nicht genommen worden. Als ich Zuhause war habe ich die alte Agentur zur Rede gestellt was das für eine Vorgehensweise wäre dort wurde ich von der Leitung mehr oder weniger kalt gestellt mit den Worten das wäre in der Branche normal man könnte nicht dulden mich dort im Store arbeiten zu lassen das wäre nicht gut für die eigene Mannschaft. Also folgender Problem ergibt sich nun. Da ich in Düsseldorf zuhause bin und dort auch meine Tätigkeit ausübe werde ich in allen Stores nun keine Aufträge mehr erhalten wenn es dieser Agentur gestattet ist ohne ein klärendes Gespräch meinen Ruf zu beschädigen. Bitte um Hilfe da meine LebensGrundlage mir gerade dadurch entzogen wird. Ich glaube es hat etwas damit zutun das ich homosexuelle bin und einer Dame das nicht passt.