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"Ein bisschen Frieden"-Sängerin: Was macht eigentlich ... Nicole Seibert?

Als erste Deutsche gewann Nicole vor 35 Jahren den Grand Prix mit dem Song "Ein bisschen Frieden".

Nicole Seibert sang "Ein bisschen Frieden"

Nicole Seibert, 52, bei einem Besuch in Düsseldorf. Sie lebt im saarländischen Nohfelden.

Haben Sie die weiße Gitarre noch, mit der Sie 1982 beim Grand Prix erfolgreich waren?

Sie liegt in einem Koffer im Trophäenzimmer und mischt sich unter die Goldenen Schallplatten und alten Fotos.

Und das hochgeschlossene schwarze Kleid mit dem weißen Kragen?

Das trägt eine Schaufensterpuppe, die in der Diele steht und meine Gäste begrüßt. Jeder, der zur Haustür reinkommt, kann ihr die Hand geben.

Kann man in so einem Outfit den Eurovision Song Contest noch gewinnen?

Lena hat auch in einem schwarzen Kleid gewonnen. Das war ebenfalls nicht tief ausgeschnitten. Outfits, die nicht ablenken, haben durchaus Siegeschancen.

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Steht trotzdem die Show mehr im Vordergrund als die Musik?

Seit Jahrzehnten wird immer mehr Wert auf Effekte und Tänzer gelegt, obwohl es ein Autoren- und Komponistenwettbewerb ist. Früher gab es für jeden Sänger eine gleich aussehende Bühne. Heute hat jeder Künstler ein individuelles Bühnenbild und Lichtdesign.

Am liebsten würde ich alle Interpreten im Dunkeln auftreten lassen, ohne Vorankündigung, aus welchem Land sie kommen. Dann wird auch wieder das beste Lied gewinnen und nicht die Choreografie.

Warum treten Sie nicht noch mal an?

Einen ersten Platz kann ich nicht toppen. Alles andere wäre schon eine Niederlage. Dann hätte ich die Jahrhunderthymne "Ein bisschen Frieden" entzaubert.

Das Lied hat an Aktualität ja nichts verloren.

Die Zeit hat mich eingeholt. Mit den Terroranschlägen und Bürgerkriegen ist heute vieles ähnlich wie 1982 zur Zeit der Aufrüstung und des Kalten Kriegs. Die Menschen sehnen sich weiterhin nach ein bisschen Frieden. Diese Botschaft in die Welt hinauszusingen berührt mich nach wie vor.

Sind Sie dem ESC noch verbunden?

Einmal vom Grand-Prix-Fieber angesteckt, und man ist für immer infiziert. Ich schaue mir den Wettbewerb jedes Jahr an und singe auf meinem neuen Album internationale Grand-Prix-Hits auf Deutsch.

Warum singen Sie nicht auf Englisch?

In der Muttersprache kann ich mich besser ausdrücken und kluge Texte mit Metaphern schreiben. Auf Englisch könnte ich das nicht so perfekt rüberbringen.

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Seit fast vier Jahrzehnten essen Sie keinen Zucker und kein Fett. Wie gelingt der Kampf mit der Waage?

Ich muss mich gar nicht verrenken. Den süßen Geschmack mag ich nicht mehr. Vor mehr als 35 Jahren legte ich auf einmal die Gabel zur Seite und sagte, das war mein letztes Stück Kuchen, und alle haben mich ausgelacht. Bis heute halte ich eisern durch und gehe regelmäßig in die Folterkammer, mein eigenes Fitnessstudio im Keller.

Mit Ihrer Jugendliebe sind Sie seit über 32 Jahren verheiratet. Was ist Ihr Liebesrezept?

Wenn es eines gäbe, würde das jeder in der Apotheke einreichen. Ich hatte mit 14 Jahren großes Glück, zu wissen, du musst nicht mehr weitersuchen, das ist der Richtige. Wir haben gegenseitig Respekt, wenn auch mal die Fetzen fliegen. Aber das gehört zu einer Beziehung.

Sie sind mit 52 zweifache Großmutter. Freuen sich Ihre Enkel über eine so junge Oma?

Ja, ich kann mit ihnen Dinge machen, die andere aufgrund ihres Alters vielleicht nicht mehr schaffen. Dafür bin ich dankbar und gehe oft in die Kirche, allerdings nur, wenn niemand drin ist, und setze mich in die letzte Reihe.

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