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Ex-Beatle Warum Paul McCartney nach 51 Jahren mit der Legende vom Ende der Beatles aufräumt

Paul McCartney
Paul McCartney hat am 10. April 1970 das Ende der Beatles verkündet.
© Facundo Arrizabalaga / DPA
Nach mehr als einem halben Jahrhundert hat Paul McCartney nun seine Sichtweise über das Ende der Beatles erzählt. Warum hat er so lange geschwiegen – und warum kommt er damit jetzt um die Ecke?

Das Gespräch ist bereits aufgezeichnet. Bis zur Ausstrahlung am 23. Oktober sind es noch elf Tage. Dennoch schlägt das Interview bereits jetzt hohe Wellen, das Paul McCartney dem britischen Sender BBC Radio 4 gegeben hat. Denn darin spricht er über nichts Geringeres als das Ende der Beatles. Der nicht nur nach Auffassung von Hardcore-Fans größten Band aller Zeiten.

Bislang galt als ausgemacht, dass McCartney selbst derjenige war, der den Fab Four den Todesstoß versetzt hat, indem er am 10. April 1970 ein Interview verbreitete, in dem er die Trennung der Beatles bekanntgab. Damit war die Schuldfrage für fünf Jahrzehnte eindeutig geklärt: Es mögen vielfältige Gründe dazu geführt haben, dass sich die vier Liverpooler Musiker voneinander entfremdet haben - den Sargnagel hat aber Paul eingeschlagen. 

Doch nun verbreitet der 79-Jährige eine ganz andere Sichtweise der Geschehnisse im Frühjahr 1970: "Ich habe den Bruch nicht initiiert", wird der Ex-Beatle vorab aus dem BBC-Interview zitiert. "Das war unser Johnny." Gemeint ist John Lennon, der laut McCartney eines Tages gesagt habe, er verlasse die Gruppe. 

Paul McCartney bereut den Bruch

Eine Entscheidung, die Paul McCartney selbst nicht gefallen habe: “Es war meine Band, mein Job, mein Leben, ich wollte, dass das weitergeht", soll der Bassist der Gruppe demnach der BBC gesagt haben. Ohne Lennons Entscheidung hätte die Gruppe durchaus länger fortbestehen können, glaubt der Songschreiber heute. 

Warum er dann aber ausgerechnet den Eindruck erweckt habe, er sei es gewesen, der die Gruppe aufgegeben hat - dafür hat der Musiker eine plausible Erklärung parat: Er sei das Versteckspiel satt gewesen. Für ein paar Monate habe man so tun müssen, als sei die Gruppe noch intakt. "Das war schrägt, denn wir alle wussten dass es das Ende der Beatles war, aber wir konnten nicht so einfach gehen." So habe er schließlich die "Katze aus dem Sack" gelassen, wird McCartney zitiert.

Stellt sich nur die Frage, weshalb der erfolgreiche Künstler erst jetzt, nach mehr als einem halben Jahrhundert, mit seiner Sichtweise der Geschehnisse rauskommt. Gut möglich, dass dem Künstler klar geworden ist, dass er in den zurückliegenden fünf Jahrzehnten die Klasse von Beatles-Werken wie "Revolver", "Sgt. Pepper" oder "Abbey Road" nie wieder erreicht hat.

"Get Back" erzählt vom Ende der Beatles

Grund zur Reue hat McCartney indes nicht: Seit 1970 hat er weit über 100 Millionen Tonträger verkauft und zählt damit zu den kommerziell erfolgreichsten Musikern überhaupt. Allerdings hat er nach Ansicht der meisten Kritiker nie wieder solche künstlerischen Meisterleistungen geschaffen wie mit den Fab Four.

Und so dürfte es kein Zufall sein, dass die Äußerungen in direktem Zusammenhang stehen mit der anstehenden Veröffentlichung von Peter Jacksons TV-Serie "Get Back". Darin erzählt der berühmte Regisseur ("Herr der Ringe") von den letzten Monaten der Beatles. Die Beschäftigung mit der gloriosen Band dürfte in McCartney noch einmal das Bewusstsein geweckt haben, was der Welt - und ihm persönlich - damals verloren ging.

Verwendete Quelle: "The Guardian"

che

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