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Reamonn: "Alle Klischees in einem Burger"

Mit "Supergirl" begann vor acht Jahren ihr Erfolg. Jetzt haben Reamonn ihr viertes Album "Wish" veröffentlicht. Der Titel ist Programm: Im stern.de-Interview erzählt Sänger Rea Garvey, wie er sich in L.A. einen amerikanischen Traum erfüllt hat.

Herzlichen Glückwunsch, Rea, Sie sind ja gerade Vater von einem "Supergirl" geworden.

Danke. Meine Tochter heißt Aamor. Das ist ein altkeltischer Name für Sonnenstrahl. In Irland ist das ein anerkannter Name.

Erstmals hat Reamonn außerhalb von Europa produziert, nämlich in Hollywood.

Es war zwar kein Film, aber ein Drama - meine Frau war im sechsten Monat schwanger, als wir in den Flieger gestiegen sind, um vier Monate zu produzieren. Das war hart. Als wir den Produzenten Greg Fidelmann (produzierte die Red Hot Chili Peppers, Jet und Slipknot, Anm.d. Red.) in L.A. zum ersten Mal getroffen haben, hat er uns sofort verstanden, meinte aber, wenn ihr das Beste von mir wollt, müsst ihr nach L.A. kommen.

Was hat der Produzent für eine Rolle gespielt?

Er hat uns den Weg gezeigt. Als Liveband waren wir von Anfang an selbstbewusst und wussten, was wir wollen. Bei der Aufnahme ist es anders, die muss jemand entsprechend mischen. Greg hat uns gezeigt, was bisher gefehlt hatte. Wir sind stolz auf jedes der bisherigen Alben, aber das ist einfach die beste Platte, die wir je gemacht haben. Wir haben 62 Lieder dafür geschrieben. Greg hat uns genau geführt, Schritt für Schritt. Wir setzen uns zwar selbst genug unter Druck, aber Greg hat uns mit seiner Ahnung von jedem Instrument und vom Gesang noch mehr unter Druck gesetzt. Die Musikszene in L.A. ist schon ein bisschen anders. Ich habe den Gesang in der Kabine gemacht, in der auch Johnny Cash seine letzte Platte eingesungen hat. Auch "Nevermind" von Nirvana wurde dort aufgenommen. Ry Cooder kam vorbei, es war ständig was los.

Sie haben also Musikgeschichte geatmet, die als "Vibration" in das Album eingeflossen ist.

An solchen Leuten will man sich schon messen lassen können. Und die gleiche Qualität abliefern.

Vier Monate in Hollywood, da haben Sie doch sicher einiges erlebt?

Von zehn Uhr morgens bis tief in die Nacht waren wir im Studio - danach ist man echt im Arsch und hat an dem einzigen freien Tag in der Woche genug zu tun, sich zu erholen. In der Nähe unserer Wohnung gab es einen bekannten Jazz- und Bluesclub, "Baked Potatoe". Wenn wir Glück hatten, konnten wir nach dem Studio noch die letzte Runde mitnehmen. Klar, waren wir im "Roxy" und im "Viper Room" und haben dort auch gespielt - aber nicht oft genug, um uns eine Meinung zu bilden. Ich habe meinen Motorführerschein gemacht. Drei Stunden Unterricht und schon hatte ich den Schein. Die sind extrem locker da. Am nächsten Tag habe ich mir 'ne Harley Davidson Fatboy geliehen und bin nach Malibu gedüst. Ich gebe zu, ich bin mit amerikanischen Klischees groß geworden, dafür will ich mich gar nicht entschuldigen. Also bin ich auf dem Highway 101 in den Sonnenuntergang gefahren, habe mir einen Doppel-Doppel-Cheeseburger mit ordentlich Zwiebeln drauf bestellt, dazu Pommes und ein Vanille Shake. Alle Klischees in einem Burger.

Um was geht es thematisch in Ihrem neuen Album "Wish"?

Aufstehen und selbstbewusst auf ein Ziel los gehen - davon handelt das Album. Manchmal ist auch der Weg das Ziel. Man wünscht sich so viele Sachen. Irgendwann geht ein Fenster auf, und man muss die Gelegenheit einfach nützen. Man ist oft überrascht, wie sehr einem die Welt entgegen kommt.

Reamonnn hat ja so eine klassische Radio-Erfolgsstory hinter sich..

...wir sind gerade Nummer Eins im Radio, darauf sind wir total stolz. Die ganzen Preise bekommen wir durchs Radio. Das hat für uns eine sehr große Bedeutung. Jeder von uns ist ein Radiokind. Ich habe ein Bild von mir, wie ich als Junge mit dem Kopfhörer auf den Ohren und dem Radio in der Hand eingeschlafen bin. Ich habe es geliebt, konnte mir Platten nicht leisten. Abends kamen die besten Shows, da konnte man rocken.

Wie stehen Sie zum Internet?

Mit meiner Frau habe ich immer gechattet, als ich in L.A. war, das hat uns sehr geholfen. Ich finde es super. Es wäre toll, wenn jeder an Musik umsonst herankommen würde - das geht natürlich nicht, wir brauchen ja auch Geld um die nächste Platte aufnehmen zu können. Ich hätte aber nichts dagegen, wenn Alben günstiger würden. Ich war lange genug arbeitslos, um zu wissen wie es ist, in die Tasche zu greifen und da ist nichts drin. Wir geben uns alle Mühe, dass auf unserer CD möglichst viel drauf ist.

Interview: Kathrin Buchner