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Richard-Wagner-Festspiele: 2500 Euro für "Tristan"

Mit exorbitanten Preisen versuchen Schwarzhändler Liebhaber der Richard-Wagner-Festspiele nach Bayreuth zu locken. "Wir besorgen jedes Ticket", versprechen die Händler und verschweigen dabei ein wichtiges Detail.

Nicht nur die Blumen vor dem Festspielhaus in Bayreuth blühen derzeit in voller Pracht - acht Wochen vor der Eröffnung der 94. Richard-Wagner-Festspiele am 25. Juli mit "Tristan und Isolde" blüht auch der Schwarzmarkt. "Wir besorgen jedes Ticket", verspricht ein Händler im Internet und bietet eine Karte für die "Tristan"-Premiere plus Übernachtung für 2500 Euro an.

"Das sind exorbitante Preise"

Auch über die Anzeige, die in einer großen deutschen Tageszeitung erschien, ärgert sich Festspielsprecher Peter Emmerich. "Reisen Sie mit anderen Lesern nach Bayreuth", hieß es dort. Im Angebot: Karten für "Tristan", "Lohengrin" und "Tannhäuser". Reisepreis mit zwei Übernachtungen und "Rundum-Betreuung im Wohlfühl-Golfhotel": rund 2000 Euro pro Person. "Das sind exorbitante Preise", sagt Emmerich. Regulär kostet die teuerste Karte im Festspielhaus 192,50 Euro.

"Wir registrieren das sehr genau", sagt der Sprecher. Die Festspiele haben nach seinen Worten aber keine rechtlichen Möglichkeiten, dagegen vorzugehen. Allerdings verlieren Karten, die über nicht autorisierte Verkäufer oder zu "irregulären Preisen" erworben wurden, ohnehin ihre Gültigkeit. Um Missbrauch zu verhindern, werden Name und Anschrift des Käufers auf das Ticket gedruckt und Ausweiskontrollen angedroht. In der Praxis sind diese freilich schwer durchzusetzen, wenn nach der dritten Bläserfanfare 2000 festlich gekleidete Menschen ins Festspielhaus drängen.

Mehr Karten aber kein "Ring"

Immerhin haben in der diesjährigen "Ring"-freien Spielzeit mehr Wagner-Liebhaber als in den vergangenen Jahren die Möglichkeit, eine Aufführung im Festspielhaus zu besuchen. Während die Karten für den vierteiligen Zyklus "Der Ring des Nibelungen" stets nur im Paket abgegeben werden, stehen diesmal knapp 60.000 Einzelkarten für 30 Aufführungen zur Verfügung. Die Nachfrage ist dennoch weit höher: Jede Karte ließe sich sieben bis neun Mal verkaufen.

Besonders begehrt sind Tickets für die Neuinszenierung "Tristan und Isolde" von Christoph Marthaler. Die szenischen Proben werden Mitte Juni beginnen. Dirigent ist der Japaner Eiji Oue, in den Titelrollen werden Robert Dean Smith und Nina Stemme zu hören sein. Auf dem Spielplan steht außerdem Christoph Schlingensiefs "Parsifal", die skandalumwehte Neuinszenierung von 2004, ferner Claus Guths "Der fliegende Holländer", Philippe Arlauds "Tannhäuser" sowie - zum letzten Mal - "Lohengrin" in der dunkel-dämonischen Inszenierung von Keith Warner.

Für die zahlreichen Journalisten aus aller Welt geht in diesem Jahr eine Tradition zu Ende: Der Presseempfang mit Festspielchef Wolfgang Wagner und Künstlern am Vormittag nach der Eröffnungspremiere entfällt. Der Termin habe sich als ungünstig für alle Beteiligten erwiesen, sagt Emmerich. Stattdessen soll nun erstmals eine umfangreiche Pressemappe verteilt werden.

Stephan Maurer/DPA / DPA