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SCHLAGERPOP: »DTK« ist tot - Es lebe Thomas Kuhn

Mit seinem neuen Album »Kuhn« wagt der ehemalige Schlagerbarde den Sprung hin zu »gutem deutschen Schlagerpop«.

Schluss mit grell farbenen Schlaghosen und klobigen Plateauschuhe. Weg mit dem Brusthaartoupet und den Sonnenblumen. Auch das ausgelassene »Mendocino«-Wippen ist passé. Den kultigen Schlagerbarden Dieter Thomas Kuhn gibt es nicht mehr. Nachdem sich der Tübinger Dieter Kuhn vergangene Woche ohne »Dieter«, dafür aber mit Band, neuem Sound und neuem Outfit in Stuttgart präsentiert hat, will er nun Ende Oktober durch deutsche Konzerthallen touren.

»Guten deutschen Schlagerpop«, nennt Kuhn seine Mischung aus Balladen, hymnenähnlichen Schunkelsongs und Gitarrenschrummeln.

Seit dem tränenreichen Abschied der Kunstfigur »DTK«, die mit Cover-Versionen zwischen Kitsch und Kult zu begeistern wusste, sind zwei Jahre sind vergangen.

Beim letzten Konzert wurde die Mähne geschoren, Brusttoupet und Glitzerrüschenhemd verschwanden auf Nimmerwiedersehen – »DTK« ist tot, es lebe Thomas Kuhn!

Für den Sprung von der schmalzigen »Hitparade der 70er Jahre« zu den »Top of the Pops« probt der einstige »singende Papst des schlechten Geschmacks« den Spagat. Zwar betont er immer wieder: »Ich bin kein ernsthafter Sänger geworden.«

Und doch sind Ulk und charmante Häme aus seinen Gesichtszügen und Bewegungen gewichen: Lediglich ein bisschen Glamour ist auf seinem neuen Album »Kuhn« geblieben - dann, wenn der ehemals erfolglose Soulsänger Kuhn stimmgewaltig von »Diamanten« und »Melanie«, vom »Mond über Texas« und dem »Neuen Tag« singt.

Der nicht ganz ungefährliche Schritt zum Pop könnte Kuhn sogar gelingen. Zwar wird aus dem »Singen mit Dieter« nun ein »Schunkeln mit Thomas«, zwar wird der »Kreischfaktor« auf seinen Konzerten jetzt erheblich kleiner werden und sicherlich wird sich ein Teil der gewaltigen Fangemeinde, Schulanfänger ebenso wie die Zahnspangen-Generation und 68er, abwenden, weil sie nach wie vor das ursprüngliche Spaßprojekt mit Parodien vom säuselnden Howard Carpendale bis zum liebestrunkenen Udo Jürgens erwarten. Aber viele werden auch das neue Schlagergut schätzen lernen, das der nun adrett gescheitelte Kuhn präsentiert.

Aus dem einstigen rauschgoldenen Racheengel des deutschen Schlager-Kabinetts ist ein (fast) ironiefreier und unverstellter Musiker geworden.

Zur gewöhnlichen Schlager-Riege wird Kuhn aber auch künftig nicht gehören. Denn in der Auswahl seiner Songs geht Kuhn auf Nummer Sicher: »Zunächst wollten wir selber texten und auch komponieren, dann waren wir aber mit der Qualität der Songs nicht zufrieden und haben Künstler gefragt, die das besser können«, erzählt er. Nun singt Kuhn unter anderem einprägsame Werke von Niels Frevert (Nationalgalerie) und »Echt«-Songschreiber Michel van Dyke.

Kuhns neue Single kommt am 10. September auf den Markt, das Album mit dem Titel »Kuhn« wird Anfang Oktober in den Plattenläden verkauft.

Konzerttermine: Mainz 26.10., Bielefeld 28.10., Dresden 29.10., Berlin 30.10., Hannover 31.10., Bremen 3.11., Köln 4.11., Münster 5.11., Hamburg 6.11., Nürnberg 8.11., Singen 14.11., Ulm 15.11., Freiburg 20.11., Mannheim 21.11., Karlsruhe 22.11., Stuttgart 23.11.