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SOUNDTRACK: »Was tun, wenn's brennt?«

Der Film springt von den frühen 80ern in die heutige Zeit - der Soundtrack auch. The Clash und Ton, Steine, Scherben stehen genauso für Qualität wie Die Sterne und Richard Ashcroft.

»Was tun, wenn?s brennt?«, der neue Film mit Til Schweiger, startete mit Platz fünf nur mit mäßigem Erfolg in die Charts, und auch die Kritiken versanken irgendwo im grauen Mittelmaß. Was also tun, wenn?s brennt? Zum Beispiel einen guten Soundtrack nachschieben. Operation gelungen! Wie der Film, so springt auch der Soundtrack von der wilden Hausbesetzer-Zeit der spätern 70er und frühen 80er Jahre ins neue Jahrtausend, von rau bis poppig. Was im Film aber ein wenig verkrampft erst dargestellt werden muss, lässt sich musikalisch wesentlich besser mit Zeitzeugen belegen.

Punk bis Pop

»I Fought The Law« von The Clash hat schon so manches Punk-Bein zum Treten, Tanzen, Fallen gebracht, und es ist immer wieder ein Genuss, dem jungen Paul Weller mit seiner The Jam-Combo zu lauschen. Auch Gang Of Four bewegen sich ohne viele Kompromisse und in bestem Sex Pistols-Brachial-Sound innerhalb eines Akkords. Der Soundtrack versinkt aber eben nicht in einer reinen Punk-Wave-Zusammenstellung, sondern setzt Kontraste. »The Everlasting« von den Manic Street Preachers und »A Song For The Lovers« von Richard »ich-schmachte-dahin« Ashcroft sind traumhaft schöne Weisen. »Smash It Up« von The International Noise Conspiracy liefert feinsten Indie-Pop, und auch Jan Plewka beweist mit »Still, weit und weg«, dass Selig seine Erfolge in erster Linie wegen seiner kratzig-erotischen Stimme feierte.

Aber eben jener Plewka stellt auch einen der schlechteren Teile des Albums. Seine Version des Fehlfarben-Klassikers »Ein Jahr (Es geht voran)« kommt erstaunlich uninspiriert daher. Das hätten die ebenso vertretenen Fehlfarben besser gekonnt, die aber mit »Paul ist tot« eine Hymne der 80er Jahre abliefern, die heute eher langweilig anmutet. Die Sterne zeigen dagegen mit »Fickt das System« wie sich die Neue Deutsche Welle hat weiter entwickeln können. Völlig deplatziert wirken die ab Track 14 eingeschobenen echten Soundtrack-Stücke, die nach der Dynamik der Vorgänger einfach weggedrückt werden. Versöhnlich dann der Abschluss: Rio Reiser und seine Ton, Steine, Scherben bringen noch immer den denkenden Rebellen in uns zum Dahinschmelzen. Insgesamt eine durchaus empfehlenswerte Mischung.

Philip Stirm

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