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Neues Album "1989": Taylor Swift - endlich ein Popstar, der Spaß macht

Mit Wohnzimmerpartys für die Fans, Songs über prominente Ex-Freunde und selbstgebackenen Keksen schießt Taylor Swift an die Spitze der Charts: Endlich ein Popstar, der Spaß macht.

Von Sarah Stendel

Taylor Swift bewegt sich sicher in der Generation "Selfie".

Taylor Swift bewegt sich sicher in der Generation "Selfie".

Wer ganz viel Glück hatte, der saß in den vergangenen Wochen in einem Wohnzimmer von Taylor Swift, wo die Sängerin ausgewählten Fans ihr neues Album "1989" vorab vorstellte. "Secret Sessions" nannte Swift das Ganze, es gab Geschenktüten, Selfies und selbstgemachte Kekse. Swift persönlich suchte sich ihre Gäste anhand deren Twitter- und Instagram-Profile aus, schließlich wurden die Fans in Swifts Privathäuser in Manhattan, Rhode Island, Nashville oder Los Angeles eingeladen.

Prompt kursierten unzählige Fotos der Partys im Netz, es war der Auftakt einer erfolgreichen Werbekampagne. "1989" ist am Montag erschienen und schon jetzt ist klar: Taylor Swifts neues Album wird die bestverkaufte Platte des Jahres. Eine Million verkaufte Alben in der ersten Woche sagt Billboard voraus, 2014 lag bisher Coldplays "Ghost Stories" mit 737.000 verkauften Exemplaren vorn. Die Kritiken für Swifts erstes reines Pop-Album sind überwiegend positiv ausgefallen. In der vergangenen Woche schnellte sie bereits ungewollt mit acht Sekunden Rauschen an die Spitze der kanadischen iTunes-Charts. Es ist ein Vertrauens- und Liebesbewies von Swifts Fans. Und es ist das, was "Forbes" ein "Meister-Seminar in Marketing" nennt.

Taylor versteht die Fans - und das Internet

Denn dass Taylor Swift ihre Fans verstanden hat, machte sie erst vor kurzem in einem Gastkommentar für das "Wall Street Journal" deutlich. Ihre Generation wolle ständig überrascht, beglückt, ja sogar ehrfürchtig gemacht werden, schrieb sie. "In Zukunft werden Künstler Plattenverträge bekommen, weil sie Fans haben - und nicht umgekehrt."

Taylor Swift lebt diese Einstellung vor, ihr kommt zugute, dass sie Social Media und das Internet verstanden hat. Auf Twitter belohnt sie ihre über 45 Millionen Follower seit dem Erscheinungstag mit Retweets vom CD-Kauf. "Glaubt nicht, dass ich bei all der Promo keine Zeit dafür habe, euch im Netz zu stalken", twittert sie und erfindet den passenden Hashtag dazu: #taylurking - auf deutsch etwa: Taylor schleicht herum. Auf ihrem Instagram-Account gibt es dank ihrer Haustiere regelmäßig niedlichen Cat Content, außerdem Fotos von Swifts Kochkünsten, Basteleien und von anderen Promis.

Denn auch das gehört zu Business-Taylor: Sie ist unheimlich gut im Netzwerken. "Ich habe 15 beste Freunde", sagt sie. Mit Hailee Steinfeld und Kelly Osbourne backt sie Schokokekse, mit Supermodel Karlie Kloss geht sie Wandern. Die Hollywoodstars Emma Stone und Andrew Garfield feiern den amerikanischen Unabhängigkeitstag mit ihr, Disney-Sternchen Selena Gomez darf sich bei ihr über Justin Bieber ausheulen. Jüngster Zugang ist Popstar Lorde, die nun auf Preisverleihungen regelmäßig neben Swift sitzt. Das durfte Katy Perry früher übrigens auch, doch jetzt gibt es böses Blut, "Bad Blood", wie es auf "1989" ein Song suggeriert.

Texte über ihre prominenten Freunde

Dass ihre Texte voll mit Anspielungen auf Swifts Leben mit oft prominente Verflossenen sind, ist längst bekannt. Seit Tagen greifen die US-Medien einzelne Songs des neuen Albums heraus, um zu analysieren, wer gemeint sein könnte. Neben Katy Perry kommt Harry Styles von One Direction auch auf diesem Album vor, außerdem findet sich ein Liebeslied über die Beziehung ihrer neuen besten Freundin Lena Dunham. Die Songs sind poppig, gehen ins Ohr - und Swifts Anhänger sind begeistert: Die 24-Jährige ist endlich ein Promi, der Spaß macht.

Natürlich geschieht bei Taylor Swift nichts zufällig. Bemerkenswert ist aber, wie stilsicher und schadenfrei sie ihre eigene Marke weiter ausbaut. Sie, die zwei Alben vorher noch in Countryballaden das Kleinstadtleben beschworen hat, ist nun offizielle Botschafterin der Stadt New York. Den passenden Song mit dem Titel "Welcome to New York" liefert ihr neues Pop-Album, ganz selbstverständlich preist Swift im Werbevideo die Stadt als ihre Muse. Und das, obwohl sie erst dieses Jahr in ein Luxus-Penthouse in Manhattan gezogen ist. Aus dem spaziert sie regelmäßig mit perfektem Lippenstift und einer Katze unterm Arm. Vermutlich, um sich mit Lena Dunham/Ed Sheeran/ihrem nächsten prominenten Liebeskummer zum Handarbeiten zu treffen. Die Fans sind ehrfürchtig - und Swifts Kasse klingelt.