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The Kooks: Die Boyband des Indie-Pops legt nach

Große Popmelodien mit lässiger Schnoddrigkeit zu paaren - damit haben The Kooks von ihrem Debüt zwei Millionen Exemplare verkauft und als Vorband von den Stones gespielt. Das zweite Werk "Konk" der Boyband unter den britischen Indie-Rockern ist nicht so zügellos wie Dohertys Babyshambles und nicht so weichgespült wie The Verve.

Von Verena Stöckigt

Ein mit Doppel-Platin ausgezeichnetes Debütalbum ("Inside In / Inside Out"), dazu eine Single ("Naïve"), die sogar im musikgesättigten USA gefeiert wird und schließlich die Chance, im Vorprogramm der Rolling Stones aufzutreten - so ein Erfolg lässt jungen Bands gewöhnlich den Angstschweiß auf die Stirn treten, steht die Komposition des Zweitlings an. Bei den aus Brighton stammenden The Kooks ist der musikalische Burn-Out kein Thema.

Die 2006 als Wunderkinder des Indierocks gefeierten Jungspunde leiden weder unter Schreibblockaden, noch unter dem Druck von Fans und Plattenfirma. In nur drei Monaten spielten sie ihren neuen Longplayer "Konk" ein und begaben sich, unbeeindruckt von ihrem inzwischen abtrünnig gewordenen Bassisten Max Rafferty, im vergangenen Februar nach Los Angeles. Dort unterzogen die ehemaligen Studenten des Institute of Modern Music die neuen Songs dem Live-Test - ganz wie routinierte Profis.

Sogar Courtney Love und Tochter Frances stehen auf The Kooks

Dass keine alten Hasen die Bühne des restlos ausverkauften Troubadour Club bestiegen, verrieten lediglich die ersten drei Reihen, in denen sich dicht an dicht blutjunge Mädchen mit Pony und Röhrenjeans drängelten, um dem Sänger "We love you, Luke!" entgegen zu kreischen. Ein paar Reihen hinter dem Teenie-Mob reckten Courtney Love mit Tochter Frances Bean und die Mitglieder von The Thrills und The Zutons die Hälse. Kann eine Band mit einem Durchschnittsalter von 20 Jahren mehr Zuspruch bekommen? Wohl kaum. Das weiß auch Gitarrist Hugh Harris, der einige Tage später in einem Berliner Hotel um die Mittagszeit bereits den zweiten Gin Tonic kippt. Nach zwei Jahren auf Tour und zwei Millionen abgesetzter Tonträger kann man sich bei der Vorstellung seiner zweiten Platte schon mal locker machen, findet er.

"Der musikalische Snobismus ist in England weit verbreitet"

Warum bekommen geschätzte Kollegen wie Babyshambles oder Dirty Pretty Things in den Staaten keinen Fuß auf die Erde, während The Kooks der rote Teppich ausgerollt wird? Hugh Harris schiebt den Schlapphut aus dem Gesicht, lässt die Eiswürfel im Glas klimpern und stöhnt: "Keine Ahnung. Vielleicht ist unser Vorteil der, dass wir keinem Genre verhaftet sind. Wir machen Popmusik und wenn wir Reggae, Soul oder Britpop gut finden, dann lassen wir das eben in unseren Sound einfließen. Die Amerikaner schätzen diese Vielfalt. Sie legen einfach nicht diesen musikalischen Snobismus an den Tag, der in England so weit verbreitet ist."

Doch so engstirnig sind die Briten gar nicht: Trotz Snobismus verfielen auch sie vor gut zwei Jahren den Ohrwurm-Refrains von "Naïve" und "She Moves In Her Own Way" und brachten die Hits von "Inside In / Inside Out" in die Top Ten. Dass Pritchard in Songs wie "Eddie's Gun" auch mal Erektionsprobleme thematisierte, schien keinen abzuschrecken – am aller wenigsten die weiblichen Kooks-Freunde, die sich in schnell wachsenden Trauben vor Bühne und Tourbus drängelten.

Auch das am 11. April erscheinende "Konk" kommt nicht ohne den ein oder anderen pubertären Erguss ("Tick Of Time") daher, unterm Strich haben die Indie-Pin-Ups ihre Fähigkeit, große Popmelodien mit einer Packung frecher Schnoddrigkeit zu kreuzen, jedoch perfektioniert. Wer nach einem Kompromiss zwischen Pete Dohertys zügellosem Junkie-Rock und dem weichgespülten Pop von The Verve sucht, der wird hier fündig.