Theater-Comedy Guildo Horn im "Shakespeare-Fever"


Guildo Horn spielt Shakespeare. Ob Hamlet, Romeo & Julia oder Macbeth, der Comedy-Kultstar bringt die Stücke des größten englischen Dramatikers aller Zeiten "leicht gekürzt" und natürlich urkomisch auf die Bühne.

Als dralle Julia haucht Guildo Horn "ihrem" Romeo ein lüstern-anmutiges "Morning has broken" vom Balkon entgegen. Der 43-jährige Comedy-Kultstar und Musiker spielt seit Sonntag hinreißend in diversen Rollen "Shakespeares sämtliche Werke - leicht gekürzt". Die ausverkaufte Premiere im Düsseldorfer Capitol-Theater geriet zum urkomischen, zweistündigen Bühnenspektakel. Der "Meister" hat sein Publikum auch als Ophelia in "Othello" lieb und kann mit gerafftem Reifrock zauberhaft rappen. Die Zuschauer waren zu Lachtränen gerührt.

Tom Zahner und Andreas Obering sind die Partner Horns, der 1998 mit "Guildo hat euch lieb" für Deutschland beim Grand Prix Eurovision antrat, in insgesamt 13 Tragödien, 14 Komödien und zehn Königsdramen. Als das Trio den Queen-Hit "We will rock you" in "We want, we want Hamlet" umtextet und vom "Shakespeare-Fever" singt, hielt es viele Zuschauer nicht auf den Plätzen.

Guildo als Cleopatra

Der Kontakt zum Publikum kommt in der Inszenierung von Regisseur Jürgen Schwalbe nicht zu kurz. Die blutige Tragödie "Titus Andronicus", in der bei Shakespeare Menschen getötet und bei einem "Festmahl" aufgetischt werden, kommt mit Horn als Promi-Kochstudio im TV-Format auf die Bühne und zeigt eine recht unappetitliche Variante von "Finger Food".

Das nur minutenlang inszenierte Mordstück "Macbeth" endet mit der Musik aus der "Sendung mit der Maus" und dem Hinweis Zahners, dass es sich bei der unverständlichen Sprache des Macduff um die schottische handelt. Guildo Horn zwängt sich sogar ins Kostüm der ägyptischen Cleopatra und haucht - von einer grünen Plastikschlange gebissen - sehenswert "ihr" Leben aus.

Shakespeare als "Fünf-Minuten-Terrine"

Die Komödien des englischen Dramatikers William Shakespeare (1564-1616) präsentiert das "Trio Comediale" im Schnelldurchgang fast als "Fünf-Minuten-Terrine" und liefert auch gleich eine Begründung dafür: Die Komödien seien längst nicht so witzig wie die Tragödien. So werden die Königsdramen als moderiertes Fußballspiel um die Krone mit reichlich Fouls und Tricks auf die Bühne gebracht.

Im zweiten Teil der Aufführung dreht sich alles nur noch um Hamlet. Mal ist der "Meister" - dessen Mutter, für ihre Nussecken berühmt, mit im Publikum saß - der Dänenkönig, mal ein vertrottelter Wächter und als Höhepunkt Ophelia, die ihr Leben "als heimatlose Spaßmieze" leid ist und von Hamlet im stakkatohaften Rap-Singsang ein Baby einfordert.

Das Publikum belohnte den spritzigen Theaterabend, von dem zunächst bis zum 9. April in Düsseldorf weitere folgen, mit reichlich Applaus. Veranstalter und Regisseur wollen eine Verlängerung nicht ausschließen und denken auch schon an eine Deutschland-Tournee der schrägen Inszenierung.

Rudolf Alexander/DPA DPA

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