Zascha Moktan Wunder dauern etwas länger


Viele Männer wollten diese schöne junge Sängerin entdecken. Doch immer ging irgendwas schief. Der Weg vom Chormädchen zum kommenden Star war für Zascha Moktan gepflastert mit Niederlagen und Enttäuschungen. Nun erscheint ihre erste eigene Platte.
Von Tobias Schmitz

Wahrscheinlich hat sie selbst nicht mehr daran geglaubt. Aber hin und wieder endet eine Ochsentour durch das Musikgeschäft tatsächlich mit einem Happy End. Wie bei Zascha Moktan. Zwölf Jahre nichts als Pleiten, Pech und Pannen - und nun ist sie mit 26 Jahren auf dem besten Weg, ein Star zu werden.

Dass sie das Zeug dazu hat, stand schon früh außer Frage. Als Tochter eines Nepalesen und einer Deutschen wächst Zascha Moktan in Hanau bei Frankfurt auf. Der Vater bringt ihr Gitarrespielen bei, später entdeckt sie das Klavier. Sie ist 14, da erkennt Zaschas Musiklehrer ihr Gesangstalent und lotst sie in einen Gospelchor. Im Jahr darauf sitzt bei einem Konzert zufällig ein Musikmanager im Publikum. Er besorgt ihr einen Plattenvertrag bei einem kleinen Label, dummerweise geht die Firma pleite. Ein Schlag für die 15-jährige Zascha. "Ich bekam Depressionen. Ich dachte: Das war deine erste und letzte Chance."

Ihre Schwester überredet Zascha schließlich, Demobänder mit Coversongs aufzunehmen, und die Schwester ist es auch, die diese an verschiedene Plattenfirmen schickt. Sony Music reagiert. Zascha habe eine tolle Stimme, man würde sie gern persönlich kennen lernen. Nun ist es Zaschas Mutter, die den Traum platzen lässt: "Meine Tochter ist noch nicht volljährig, und die erste Enttäuschung mit einer Plattenfirma hat ihr richtig zugesetzt. Es wird kein Kennenlernen geben!" Das war's. Die zweite Enttäuschung. Die zweite letzte Chance.

Mit 19 bewirbt sich Zascha Moktan beim Castingwettbewerb „Popact“ – und schafft es in die Band. Sie bricht ihre Ausbildung als Friseurin ab und lässt sich als Mitglied der Casting-Formation „Five like One“ drillen. Die übliche Maschinerie: Tanzen und Singen genau nach Vorschrift, mit „richtig schlimmer Musik und richtig schlimmer Choreografie“, erzählt sie. Höchstleistung soll sie bringen, bekommt dafür aber vom Manager der Gruppe ein halbes Jahr lang keinen müden Cent.

Der Manager sperrt sie im Hotelzimmer ein

Zascha Moktan will aussteigen. Vorerst aber, in Hannover, kommt sie nicht mal aus ihrem Hotelzimmer. Der Manager hat von ihren Plänen erfahren und sie eingeschlossen. Irgendwie schafft sie es, aus dem Hotel zu flüchten. Auf der Musikmesse Popkomm in Köln trifft sie einen Anwalt, der ihr hilft, aus dem Vertrag mit der Band herauszukommen. „Spätestens da war das Thema Musik und Karriere für mich endgültig erledigt“, sagt sie, „ich hatte immer nur Mist erlebt, da hatte ich die Lust am Singen total verloren.“

Also: Mund halten, Friseurlehre fortsetzen. 2002, sie ist nun 20, zieht Zascha mit Freunden durch Frankfurt und bleibt in einer Hotelbar hängen, wo zufällig ein Klavier steht. Zascha setzt sich, spielt – und reißt nun doch den Mund wieder auf. Sie singt. An der Bar steht – wieder einmal – ein Musikmanager. Er betreut den amerikanischen R&B-Star Usher. „Wie heißt du? Hast du einen Plattenvertrag? Nein? Komm morgen zu Usher ins Konzert! Du musst ihm vorsingen!“ Doch auch dieser Mann bringt Zascha nicht weiter. Keine deutsche Plattenfirma ist an den Demotapes interessiert, die er mit ihr produziert. Moktan klinge, so der häufigste Einwand, „zu amerikanisch.“

Nigel Kennedy bringt den Durchbruch

In diese Düsternis nun tritt endlich der Retter: Der englische Geiger Nigel Kennedy organisiert ein eigenes Konzert für Moktan, drei Stunden lang spielen sie und Kennedy zusammen um die Wette. Endlich ist da einer, der an sie glaubt. Zascha Moktan fasst neuen Mut, nimmt auf eigenes Risiko eine CD auf. Die findet einen prominenten Fan: Craig David holt Zascha Moktan für seine Deutschland-Tournee ins Vorprogramm. Von diesen Auftritten gibt es eine Live-DVD, die wiederum bei Alicia Keys landet. Sie ist von Moktan so begeistert, dass sie ihr ebenfalls einen Platz im Vorprogramm ihrer Tour gibt, obwohl sie mit John Legend eigentlich schon hochkarätige Verstärkung engagiert hat.

Und so kommt es, dass eine in Deutschland vollkommen unbekannte Sängerin ohne Plattenvertrag zusammen mit zwei amerikanischen Stars durch die USA tourt – und nach jedem Auftritt Standing Ovations erntet. Das spricht sich irgendwann auch hierzulande rum. Und Moktan findet schließlich, was sie so lange gesucht hat: eine Plattenfirma, die ihr vollkommen freie Hand lässt. Innerhalb kurzer Zeit schreibt sie 40 Songs, von denen es immerhin zehn auf ihr Album „The Bottom Line“ schaffen.

Das Ergebnis spricht für sich: Egal, ob Soul, R&B oder Pop – Moktan spielt mit den Stilen, als habe sie nie etwas anderes gemacht. Sollte einem der Sound seltsam vertraut vorkommen: Moktans Produzent betreute schon Corinne Bailey Rae, der Mixer arbeitete für Amy Winehouse und Joss Stone. Und die Musiker spielten zuletzt das Album von Cat Stevens alias Yusuf ein. Zascha Moktan ist jetzt 26. Seit zwölf Jahren weiß sie, was sie will. Jetzt weiß sie, dass sie es wirklich kann.


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