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"4400 - Die Rückkehrer": Alles unheimlich macht der Mai

Nach einigen Jahren hat Prosieben den Montag wieder zum Mystery-Tag erklärt. Den Anfang macht die famose US-Serie "4400 - Die Rückkehrer", in der seit Jahrzehnten vermisste Menschen plötzlich wieder auf der Erde auftauchen.

Von Niels Kruse

Zwischenreiche statt Heimverschönerung, kalte Schauer statt Bauchkribbeln: Wenn es den Menschen draußen im Lande zu gut geht, etwa wegen wonniger Temperaturen oder Frühlingsgefühlen, dann können sie mit Prosieben nun wieder runterkommen. Der Münchener Sender hat den Montag, nach dem Erfolg mit "Akte X" in den Neunzigern, wieder zum Mystery-Tag ausgerufen, und startet in den nächsten Wochen gleich fünf Serien der "dritten Art".

Den Anfang macht jetzt die Serie "4400 - Die Rückkehrer" (8. Mai, 20.15 Uhr). In den USA ist die Mystery-Soap ein Riesenerfolg, sowohl bei Zuschauern als auch Kritikern - drei Nominierungen für den Fernseh-Oscar Emmy inklusive. Deshalb wird von "4400" derzeit die dritte Staffel gedreht, obwohl die Serie ursprünglich nur als Sechsteiler geplant war.

Darum geht’s: Im Laufe der vergangenen 50 Jahre sind aus allen Ecken der Welt Menschen verschwunden, die nun via Lichtball an einem See bei Seattle wieder auf der Erde auftauchen. Genau 4400 Vermisste, die ganz offensichtlich entführt wurden - von wem auch immer. Die Rückkehrer selbst können sich an nichts erinnern. Für sie ist gerade einmal ein Augenblick vergangen, obwohl einige mehr als ein halbes Jahrhundert verschwunden waren.

Rückkehr in eine fremde Welt

Einer der Rückkehrer ist Kampfpilot Richard Tyler (Mahershalhasbaz Ali), der sich 1951 im Koreakrieg im wahrsten Sinne in Luft aufgelöst hat, und nun, 53 Jahre später, in eine für ihn völlig fremde Welt zurückkehrt - mit Mobiltelefonen, gepiercten Jugendlichen und "Misch"-Pärchen, die öffentlich rumknutschen. Für den Afroamerikaner Tyler eine Offenbarung, wurde er wegen seiner Beziehung zu einer Weißen noch von den eigenen Kameraden verprügelt.

Die US-Regierung steht vor einem Rätsel und beauftragt die Homeland Security, das umstrittene Heimatschutzministerium, sich um die 4400 Rückkehrer zu kümmern, sowie Licht in die Hintergründe der Entführungen zu bringen. Wie schon bei den X-Akten steht mit Dennis Ryland (Peter Coyote) und Diana Skouris (Jacqueline McKenzie) ein zunächst sprödes Ermittlerpaar im Mittelpunkt.

Verhältnismäßig lange brauchen die beiden um heraus zu finden, dass die Rückkehrer über übersinnliche Kräfte verfügen. Die neunjährige Maia (Conchita Campbell), die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entführt wurde, kann etwa hellsehen. Eine gewöhnungsbedürftige Eigenschaft bei kleinen Kindern, die bekanntlich selten mit der Wahrheit hinterm Berg halten. Ihren Pflegeeltern jedenfalls offenbart Maia noch bevor sie zu ihnen zieht, dass sie sie bald wieder verlassen wird.

Jede Menge Logikfehler und Ungereimtheiten

Den beiden Drehbuchautoren Scott Peters, der schon an "Outer Limits" mitgeschrieben hat und Rene Echevarria, einer der bekanntesten "Star Trek"-Autoren, ist mit der Francis Ford Coppola-Produktion ein echter Treffer gelungen. Natürlich: Es gibt jede Menge Logikfehler und Ungereimtheiten in den "Rückkehrern" - aber das gehört ja fast schon zum guten Ton bei Mystery-Serien, vor allem bei solchen, die Zeitreisen zum Thema haben.

Nichtsdestotrotz ist "4400" auch für diejenigen anschaubar, die sonst wenig mit diesem Genre zu tun haben. Denn die Serie ist auch eine Soap mit einer Vielzahl von Charakteren, die liebevoll gezeichnet sind und deren Schicksal seltsam nachvollziehbar ist. Selbst die Musik hebt sich wohltuend vom üblichen Ami-Serien-Gedudel ab. Vor allem aber erzählen die "Rückkehrer" die spannende Geschichte einer Gesellschafts, die nicht weiß, wie sie mit dem "Fremden" umgehen soll und sie deshalb in einer Parallelwelt isoliert - was keiner Seite gut tut.

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