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"Bauer sucht Frau"-Finale: Höhepunkt mit Hühner-Porno

Auch wenn in puncto Sodomie beim Finale von "Bauer sucht Frau" ein letztes Tabu gebrochen wurde, fanden die größten Skandale und Aufreger doch außerhalb der Doku-Soap statt. Dass RTL mit Schäfer Heinrich einen künstlichen Star kreierte und ausschlachtete, ist nur ein Beispiel. Eine Bilanz der großen Bauern-Balzerei, die alle Quoten-Rekorde brach.

Von Katharina Miklis

Die Kameras sind weg. Die meisten Frauen auch. Es ist Ruhe eingekehrt auf den TV-Bauernhöfen. Gestern lief die letzte Folge der RTL-Kuppel-Soap "Bauer sucht Frau". Das Fazit: eine große Liebe, ein paar Flirtereien, eine Menge bitterer Enttäuschungen und eine Rekordquote, wie RTL sie mit der Soap noch nie erlebt hat. Bis zu 8,6 Millionen Zuschauer guckten montagabends bei der Bauern-Balzerei zu. Quoten, über die sich Günther Jauch mit "Wer wird Millionär" freuen würde. Die vierte Staffel "Bauer sucht Frau" brach alle Rekorde der letzten Jahre, auch wenn der Sendung in den letzten Wochen ein wenig die Luft ausging.

Dabei war es bei der vierten Staffel weitaus spannender, was hinter den Kulissen passierte, wenn die letzte Klappe gefallen war. Allen voran: der "singende Schäfer" Heinrich. Mit dem schrulligen Landwirt kreierte der Sender aus dem Nichts einen Star, der zum Zugpferd des Quotenhits wurde. Sein "Schäferlied", das er bei jeder Gelegenheit anstimmte, wurde zunächst nur während der Sendung als Klingelton verkauft. Mittlerweile gibt es das Lied auf CD und verkauft sich wie geschnitten Brot. Heinrich tritt in Dorfdiskotheken und bei Teenie-Events wie "The Dome" auf, wo er mit BHs und Handynummern beworfen wird. Vom Dorfdeppen zum Superstar - verkehrte Welt auf dem Bauernhof. Aber der Sender nutzte die Gelegenheit und vermarktete den medienfernen Schäfer bis an die Schmerzgrenze.

Auch der narzisstische Muckiebauer Günne, von RTL als "sportlicher Milchbauer" getauft, fand sein Glück unter Ausschluss der RTL-Kameras. Sobald seine auserwählte Evelyn den Hof verlassen hatte, verliebte er sich in seine Nachbarin. Seit 20 Jahren kennen sie sich. Fernab von "Bauer sucht Frau", Moderatorin Inka Bause, Kameras und inszenierten Küssen fand er seine große Liebe. Dieses Drehbuch schreibt nicht RTL - sondern das Leben.

Die Skandale jenseits der Sendung

Und auch der "rüstige Hühnerwirt" Hansi sorgte in den Boulevard-Zeitungen außerhalb der Sendung für mehr Aufregung als im TV, wo er gemütlich seine rohen Eier trank und nicht viele Worte verlor. Auf den Titelseiten einschlägiger Blätter war zu lesen, dass die Ehe des 71-Jährigen an seiner FKK- und Alkohol-Sucht zerbrach. Einmal hängte man ihm gar eine Liebesbeziehung zur 76-jährigen Mutter des Schäfers Heinrich an. Oder er posierte splitternackt für die "Bild"-Zeitung. Mit 71. Die wahren Skandale fanden außerhalb der TV-Sendung statt.

Bis gestern. Da griff RTL noch mal ganz tief in die Skandal-Kiste und machte selbst vor Sodomie nicht halt. Im Finale filmte der Sender den "rüstigen Hühnerwirt", wie er sein Federvieh mit den Fingern sexuell stimulierte. Wo es der Hahn nicht mehr brachte, legte der 71-jährige Hansi selbst Hand an und erklärte der schockierten Marianne: "So bekommen sie einen Orgasmus." Auch für die Hamburgerin war dieser Hühner-Porno der Höhepunkt. Sie packte ihre Koffer und ging. "Man hört ja immer so Witze darüber, was einsame Bauern mit ihren Tieren machen ... Ich bin entsetzt. Das ist nicht meine Welt." Der Landwirt konnte die ganze Aufregung nicht verstehen: "Hansi ist immer glücklich, wenn die Hühner glücklich sind." So einfach ist das.

Macho-Bauern und Heimchen am Herd

Hatte während der letzten Staffel noch der Chef des Bauernverbandes gegen die Erfolgssendung gewettert, sie würde den Berufsstand des Bauern falsch wiedergeben, war es aus dieser Richtung diesmal ruhiger geworden. Und das, obwohl die vierte Staffel von "Bauer sucht Frau" keine Gelegenheit ausließ, mit Vorurteilen zu spielen und Stereotype aus längst vergangenen Zeiten zu bedienen. Frauen, so schien es, wurden von den Landwirten nur gesucht, um auf dem Hof kräftig anzupacken. Und wenn sie gerade nicht die Mistgabel schwangen, standen sie am Herd, um ihren Männern Frikadellen zu braten, Kaffee zu kochen oder Schwarzwälder Kirschtorte zu backen. Selten vermittelte die Doku-Soap ein derart antiquiertes Frauenbild, wie in dieser Eva-Herman-Staffel. Der "gemütliche Getreidebauer" Georg war der Vorzeige-Macho von "Bauer sucht Frau". Mittags musste immer eine deftige Mahlzeit auf dem Tisch stehen. Bäckereifachverkäuferin Carola wurde nur als "Frau" angesprochen und liebe Worte für die füllige 25-Jährige sahen bei Georg so aus: "Besser Fettgeschwabbel als Knochengerappel!"

Die vierte Staffel von "Bauer sucht Frau" ist vorbei. Doch noch ist der Quotenerfolg nicht zur Genüge ausgeschlachtet. In zwei Wochen gibt es ein "Bauern Special" bei RTL und auch Schäfer Heinrich hat sein letztes Lied noch nicht gesungen. So lange die Quote stimmt, wird weiter hinter den Häkelvorhängen der deutschen Bauern gefilmt. Die nächste Staffel ist schon in Planung. Und weil man beim Privatsender die Befürchtung hat, ein schräger Schäfer und ein fingernder, lüsterner Hühnerwirt könnten schon der Höhepunkt gewesen sein, setzt RTL im nächsten Jahr noch einen drauf: "Bauer sucht Mann" ist in Planung. Und "Bäuerin sucht Mann". Das lässt sich beliebig fortführen. Bis zu "Bauer sucht Quote" ist noch viel Spielraum.

Seien wir auf alles gefasst.