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"Das Beste aus meinem Leben": Flexibel wie ein Aktenordner

"SZ"-Kolumnist Axel Hacke hat seine Kolumnen "Das Beste aus meinem Leben" ans Fernsehen verkauft. Macht ja nix. Aber dass die ARD Hackes Alltagsirrsinn als witzloses Bauerntheater inszeniert, hätte ja nun wirklich nicht sein müssen.

Von Peer Schader

Axel Hacke macht es einem nicht leicht, ihn nicht zu mögen. Er schreibt sympathische Kolumnen im "SZ-Magazin", die man am besten sonntags, eingehüllt in dicke Decken, liest, dazu einen Pfefferminztee trinkt und dann ganz leise vor sich hinkichert. In letzter Zeit sind die Kolumnen vielleicht nicht mehr ganz so zum Kichern, und man hat den Eindruck, Hacke sei ein bisschen zu oft auf Lesereise, um die alten guten Kolumnen in Buchhandlungen und öffentlichen Mehrzwecksälen vorzutragen - was die Zeit, neue gute Kolumnen zu schreiben, verständlicherweise erheblich einschränkt.

Aber das ist noch lange kein Grund, Axel Hacke nicht zu mögen.

Ab heute gibt es nun aber doch einen. "SZ"-Journalist Hacke hat seine Kolumnen ans Fernsehen verkauft. Das ist erstmal nicht weiter schlimm, zumal Hacke mit der anständigen ARD einig geworden ist, die nun immer freitags um 18.50 Uhr "Das Beste aus meinem Leben" zeigt. Axel heißt dort Max, sein sprechender Kühlschrank Bosch wurde vom Ersten schleichwerbeängstlich in Frost umgetauft, und Hacke erklärt in einem ARD-Interview, wie er reagierte, als er seine Kolumnen-Charaktere erstmals in Bewegung beobachten durfte. Er sagt: "Was ich gesehen habe, hatte Witz und Charme. Sehr beruhigend."

Und hier ist der Grund: Hacke lügt.

"Das Beste aus meinem Leben" ist eine hübsch ausgestattete ARD-Serie mit einem prima Soundtrack, gesungen von der ehemaligen Charts-Hoffnung Bell, Book & Candle, die zu Beginn jeder Folge so dynamisch "Kommst du mit in mein Leben?" trällern, dass man die Einladung gerne annimmt - und nachher furchtbar enttäuscht wird.

Bauerntheater, bis es Zeit für Versöhnung ist

Das Problem ist: Die verfilmten Kolumnen, so eine Art Tagebuch des Alltagsirrsinns ohne besondere Vorkommnisse, sind einfach nicht witzig. Hauptprotagonist Max Miller (Oliver Mommsen), angestellt bei den erfundenen "Münchner Nachrichten" anstatt bei der real existierenden "Süddeutschen Zeitung", stolpert von einem Missverständnis zum nächsten, kabbelt sich mit seiner Frau Paola, die ihn dennoch über alles liebt, und vergisst, Fußballkarten für seinen quirligen Sohn Luis zu kaufen, der dann ganz traurig schaut, und den Papa mit der Mama aus Trotz im Bad einsperrt, sich Kopfhörer aufsetzt und die ganze Zeit Musik hört, so dass Paolas neuer Chef umsonst an der Haustüre klingelt, um ihr Arbeitsunterlagen vorbeizubringen, weil die ja nicht aufmachen kann, und Max ein Konzert verpasst, das er eigentlich rezensieren sollte, weshalb der Ärger mit dem miesepetrigen Chefredakteur schon vorprogrammiert ist und sein Kollege schlecht auf ihn zu sprechen ist, weil er den Job übernehmen muss.

Äh? Wie bitte? Ist das nicht ein bisschen wie im Bauerntheater, wo auch ständig eine kleine Katastrophe die nächste jagt, was aber egal ist, weil nachher sowieso alle im selben Schlamassel stecken, bis es Zeit für die Versöhnung ist?

Nein, "Das Beste aus meinem Leben" ist kein schlechtes Fernsehen, es enttäuscht nur maßlos die Erwartungen, die man an die Serie hatte, weil die viel zu brav ist, nie die humoristischen Grenzen auslotet und sich keine Überraschungen traut: Max macht einen Tanzkurs, um Paola auf der Betriebsfeier zu beeindrucken, die wird vorher aber eifersüchtig, weil ihr Mann ständig abends weggeht und spioniert ihm erwartungsgemäß nach. Wenn Max seine EC-Geheimzahl vergisst und Paola deswegen anruft, ist natürlich sein Handyguthaben aufgebraucht, bevor die Nummer ausgetauscht werden kann, und zuhause kocht gleich noch die Milch auf dem Herd über.

Kein Mut für Blamagen

Das erinnert an eine entschärfte "Pastewka"-Version, die Sat.1-Comedy, in der Bastian Pastewka sich selbst spielt und die ganze Zeit über in Fettnäppchen tappt - nur eben mit dem Mut, seine Figur auch einmal gnadenlos scheitern zu lassen, bis auf die Knochen zu blamieren oder den Wahnsinn seiner Zeitgenossen gekonnt zuzuspitzen.

Sowas hat die ARD versäumt. Der Chefredakteur der "Münchner Nachrichten" ist hochnäsig - sonst nichts. Der Sportreporter ein Frauenheld - sonst nichts. Max Miller irre sympathisch - sonst nichts. Und der sprechende Kühlschrank ist vor allem: überflüssig. Keine Ahnung, warum "mein Freund Bosch" in Hackes Kolumnen funktioniert, im Fernsehen funktioniert er leider nicht. "Du bist und bleibst ein Beamtensohn. Flexibel wie ein Aktenordner", wirft Paola Max einmal im Streit vor - und hat damit auch schon ganz gut das Dilemma der Serie beschrieben, in der sie spielt.

Wer keine Lust hat, die Handlung mitzuverfolgen, kann alternativ Szenen suchen, in denen das Erste peinlich genau darauf geachtet hat, jeglichen Verdacht auf Schleichwerbung von vornherein zu umgehen. Nicht nur der Kühlschrank wurde umgetauft. In einer Szene sitzt Paola in einem Café und liest eine Frauenzeitschrift, von der man nur das Editorial sieht, weil Paola das Deckblatt mit dem Titel umgeschlagen hat. Das sieht unglaublich umständlich aus. Aber wenigstens hat "Das Beste aus meinem Leben" damit seinen ersten großen Lacher.

Schade, liebe ARD. Aber so kann das am Vorabend wirklich nicht weitergehen.

"Das Beste aus meinem Leben" (acht Folgen) wird freitags um 18.50 Uhr im Ersten ausgestrahlt.

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