HOME

Zum Tod von Dirk Bach: Der kluge Komiker

Sein kluger Witz machte ihn zum eigentlichen Star des RTL-Dschungelcamps. Dirk Bach war ein brillanter Komiker - auch ohne Tropenhelm. Im Alter von 51 Jahren ist er unerwartet gestorben.

Von Katharina Miklis

Am Donnerstag sollte er wieder auf der Bühne stehen. Im Schlosspark Theater in Berlin, als kleiner, fetter König Dezember aus Axel Hackes gleichnamigem Buch. Eine Rolle, die Dirk Bach auf den gemütlichen Leib geschrieben zu sein schien. König Dezember ist nur wenige Zentimeter klein und so dick, dass sich sein roter Samtmantel kaum schließen lässt. Er liebt Gummibärchen und stellt sich Fragen wie: "Wie ist das mit dem Leben nach dem Tod eigentlich? Wird jeder, wenn er stirbt, mal ein kleiner König?"

Nun ist Dirk Bach tot. Ganz plötzlich verstarb er am Montagnachmittag in Berlin. Laut B.Z. soll sein Regisseur ihn gefunden haben, nachdem Bach nicht zu den Theaterproben aufgetaucht war. Rettungskräfte hatten noch versucht, ihn in seinem Hotelzimmer im Stadtteil Lichterfelde zu reanimieren. Doch sie konnten ihm nicht helfen. Er wurde 51 Jahre alt. Die Todesursache ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt.

Mit der "Geierwally" fing alles an

Die Nachricht vom Tod des Entertainers, der viel mehr war als nur der kleine, dicke, witzige Mann - in dieser Rolle jedoch zum TV-Liebling wurde - schockt die Theater- und Fernsehwelt. Seit Jahrzehnten stand der gebürtige Kölner auf der Bühne. Eigentlich hatte Bach mal davon geträumt, Regisseur zu werden. Der Schriftsteller und Regisseur Walter Bockmayer entdeckte ihn jedoch Mitte der 80er Jahre für die Bühne und engagierte ihn für seine Inszenierung "Geierwally". Seither war Bach vor allem auf komische Theaterrollen festgelegt. Und das, obwohl der ehemalige WG-Mitbewohner von Hella von Sinnen nie an einer Schauspielschule war. Anfang der 90er Jahre wurde er zum festen Mitglied des Ensembles des Kölner Schauspielhauses.

Parallel zu seiner Arbeit auf den Theaterbühnen, etwa bei den Nibelungen-Festspielen in Worms, war Dirk Bach schon früh im Fernsehen zu sehen. 1992 erhielt er seine eigene Show, die "Dirk-Bach-Show" bei RTL. Im ZDF war er in der Sitcom "Lukas" (1996 bis 2001) oder der Krimiserie "Der kleine Mönch" (2002) zu sehen. Für Sat.1 schlüpfte er in die Rolle des kleinen Dinosauriers Urmel ("Urmel aus dem Eis", 2005) oder tauchte in der "Schillerstraße" (2004 und 2005) auf. Als lebenslustigen und liebeswerten Menschen schätzten ihn seine Kollegen.

Der Star unter vielen B-Sternchen

Seinen größten Erfolg feierte er jedoch als Moderator der RTL-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus". An der Seite von Sonja Zietlow vermochte er mit seiner charmanten Häme und Bösartigkeit Millionen Zuschauern sechs Staffeln lang das zu bieten, was die Promis im Dschungelcamp nicht liefern konnten: lustige Unterhaltung. Mit seinem süffisanten Witz kommentierte er die Ekelproben der mehr oder weniger prominenten Teilnehmer, war mit seinen unmöglichen Kostümen nicht nur optisch ein bunter Farbklecks im grünen Dschungel. Wenn "Dicki", wie Zietlow ihn nannte, mit seinen großen Augen unschuldig in die Kamera blickte und die Finger über dem dicken Bäuchlein faltete, konnte man ihm keine Gemeinheit oder Geschmacklosigkeit übel nehmen.

Dirk Bach setzte sich neben seiner Arbeit als Schauspieler, Moderator und Entertainer für die Gleichberechtigung von Homosexuellen ein, engagierte sich im Kampf gegen Aids. Ende der 90er Jahre gab er seinem langjährigen Lebensgefährten ein Eheversprechen in Florida.

Vor wenigen Monaten stand Bach noch in Düsseldorf in Hape Kerkelings Musical "Kein Pardon" auf der Bühne. Er spielte die Hauptrolle des selbstverliebten Show-Moderators Heinz Wäscher. Auch im gleichnamigen Film von 1993 war er zu sehen. Ende April gab er sein Musical-Engagement auf.

Ein Dschungel ohne Dirk?

Für Januar war bereits die nächste Staffel von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" geplant. Ob RTL jedoch nach dem Tod von Dirk Bach im kommenden Jahr wirklich in den Dschungel ziehen wird, ist fraglich. Wir sind zutiefst schockiert, bestürzt und fassungslos", lautete am Montagabend ein erstes Statement von Markus Küttner, Chef für Comedy-Formate bei RTL. Auch das Schlosspark Theater, wo Dirk Bach am Donnerstag auftreten sollte, ist bestürzt. Intendant Dieter Hallervorden zitiert in einer Presseerklärung einen Satz, den Dirk Bach als dicker König auf der Bühne in Berlin sagen sollte: "Und wer tot ist, wird ein Stern!".