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TV-Film "Das Ende der Geduld": Neuköllner Jugendrichterin Heisig - die gebrochene Heldin

Die ARD-Toleranzwochen widmen sich auch Berlin-Neukölln. Das reale Schicksal der Jugendrichterin Kirsten Heisig war Vorlage für den beeindruckenden Film mit Martina Gedeck in der Hauptrolle.

Von Christian Ewers

Martina Gedeck in der Rolle der Kirsten Heisig im Film "Das Ende der Geduld"

Martina Gedeck in der Rolle der Kirsten Heisig im Film "Das Ende der Geduld"

Die Karl-Marx-Straße in Neukölln ist die schnellste und zugleich langsamste Straße Berlins. Auf der Fahrbahn nervöses Drängeln. Heulende Motoren und schwere Abgaswolken, wenn die Ampeln von Gelb auf Grün springen. Es ist ein Rennen jeder gegen jeden. Jeden Tag, jede Nacht. Am Straßenrand, auf den Gehwegen, zieht sich das Leben träge dahin, wie in Zeitlupe. Kioske mit wenig Gedrucktem und viel Bier in der Auslage, Dönerbuden, Spielotheken und immer wieder Handyshops. Das kleine, flüchtige Glück gibt es hier überall zu kaufen, und wer es sich nicht leisten kann, klaut es oder dealt sich das Geld dafür zusammen. Es gilt das Gesetz der Straße.

Die Jugendrichterin Kirsten Heisig hat vor einigen Jahren versucht, sich dagegenzustemmen. Gegen die hohe Kriminalitätsrate in Neukölln, gegen die alltägliche Gewalt, gegen die Perspektivlosigkeit der Migrantenkinder, die sich weder in der Welt ihrer Eltern zu Hause fühlen noch in diesem Deutschland, dessen Pässe sie besitzen. Es war ein aufzehrender Kampf, weil Heisig an vielen Fronten stritt. Polizei, Justiz, Schule, Jugendämter - Heisig wollte alle Institutionen auf eine neue Linie einschwören. Sie drängte darauf, dass jugendlichen Straftätern schnell das Verfahren gemacht wird, damit sie die Folgen ihres Handelns gleich spüren. Sie forderte, dass der Staat ein engmaschiges Kontrollnetz knüpft mit seinen Ämtern und Behörden, um gefährdete Jugendliche vor einer kriminellen Karriere zu bewahren.

Heisig machte diesen Kampf zu ihrem Lebensziel. Sie führte ihn erbittert und zunehmend einsam, obwohl sie in der Öffentlichkeit gefeiert wurde für ihr sogenanntes Neuköllner Modell. Am 28. Juni 2010 tötete Kirsten Heisig sich selbst. Man fand sie erhängt an einem Baum im Tegeler Forst.

Mit Heisigs Tod beginnt der Film "Das Ende der Geduld", der an diesem Mittwoch ausgestrahlt wird (Das Erste, 20:15 Uhr). Im Rückblick erzählen der Münchner Regisseur Christian Wagner und Drehbuchautor Stefan Dähnert die Geschichte der mutigen Jugendrichterin. Martina Gedeck spielt die Hauptrolle, Jörg Hartmann gibt den zweifelnden und neidischen Richterkollegen Wachowiak.

Kein Platz für Spekulationen

Wagners Film kommt zur rechten Zeit, denn er belebt eine gesellschaftliche ­Debatte, die zuletzt einzuschlafen drohte, ermüdet von den Kontroversen über ­Sarrazins "Deutschland schafft sich ab", an den Rand gedrängt von Themen wie NSU und Datenspionage.

"Das Ende der Geduld", benannt nach dem gleichnamigen Sachbuch von Kirsten Heisig, wählt einen klugen Fokus. Der Film übernimmt weder die Opfer- noch die ­Täterperspektive. Er richtet stattdessen den Blick auf den erstarrten deutschen Justiz- und Verwaltungsapparat. Ein wichtiges Thema, das noch nicht auserzählt ist - wohl auch, weil es so öde nach Leitz-Ordner und Bleistiftanspitzer klingt.

Die Geschichte, die Wagner und Dähnert erzählen, lebt, und das in jeder Szene. Von ihrem ersten Tag im Amtsgericht Tiergarten an, wo Kirsten Heisig für die Fälle aus Neukölln zuständig ist, führt sie einen zermürbenden Kleinkrieg.

Da ist der Polizeiobermeister Hück, ein wutschnaufender Bulle, gespielt von Sascha Alexander Geršak, dem die Gesetze viel zu lasch sind. Hück würde sie sich am liebsten mal richtig packen, die Drogendealer im Volkspark Hasenheide. Die brauchen was auf die Fresse, meint er, sonst kapieren sie's nicht. Können ja sowieso kein Deutsch. Da ist Herbert Wachowiak, Jugendrichter und künftiger Gerichtspräsident von Tiergarten. Er sieht aus wie ein Biologielehrer aus den 80er Jahren mit seinem Kapuzenpulli und dem Halstuch. Wachowiak spricht milde Urteile, weniger aus Überzeugung als aus Desinteresse. Er will sich nicht lang rumärgern mit den Kleinkriminellen aus den libanesischen Familienclans, er will sich ausruhen in dem guten Gefühl, ein gnädiger und weltoffener Richter zu sein. Und da ist Kirsten Heisig, die im Film Corinna Kleist heißt. An ihr zerren beide Kräfte, der Furor Hücks und die bleischwere Gleichgültigkeit Wachowiaks.

"Bevor die Kinder kaputt sind"

Vor allem Wachowiak bremst Kleist aus, wo es nur eben geht. "Hier macht nicht ­jeder so, wie er will, Frau Kollegin!", ruft er in die kirchenhohe Eingangshalle des Amtsgerichts. "Wir stehen für einen liberalen Weg im Jugendrecht. Das meiste wächst sich doch von alleine aus." Kleist aber lässt sich nicht abschütteln. "Ich kann und will nicht länger in einem Reparaturbetrieb arbeiten", zischt sie, "ich muss ­etwas tun, bevor die Kinder kaputt sind."

Es wäre ein Leichtes für Wagner und Dähnert gewesen, Kirsten Heisig zu einer Jeanne d'Arc zu stilisieren, zu einer Märtyrerin, die für ihre Ideale bis in den Tod geht. Das tun sie nicht. Heisig ist bei ihnen eine gebrochene Heldin, schroff und fordernd in ihrem Auftreten. Sie lässt die Kollegen spüren, dass sie sie für Hinterwäldler hält, für unfähig, groß und kühn zu denken.

Heisig isoliert sich immer stärker, während ihr Modell Schule macht in ganz Berlin. Bestimmte Jugendstrafsachen werden nun zügig bearbeitet: Von der Anzeige bis zur Verhandlung dauert es durchschnittlich nur noch 57 Tage. Bei älteren Tätern vergehen dagegen etwa 131 Tage. Die beschleunigten Verfahren zeigen Wirkung. Vor allem junge Täter, die Diebstähle verübt oder Körperverletzungen begangen haben, können oftmals vor dem Abgleiten ins schwer kriminelle Milieu geschützt werden. Heisig kämpft verbissen für ihr Modell, es kann ihr nicht schnell genug gehen. Aber sie hat auch eine andere Seite. Sie liebt das Leben, und kurze Zeit nach einer Fußballparty, auf der sie lacht und tanzt und trinkt, bringt sie sich um. Der Film lässt offen, warum. "Ich wollte mich nicht an Spekulationen über die Motive beteiligen", sagt Christian Wagner, "ich habe mit vielen Menschen aus Heisigs Umfeld gesprochen, und niemand hat eine schlüssige Erklärung. Es ist bis heute ein großes Rätsel."

Casting auf dem Schulhof

Wagner und Dähnert sind feinfühlige Erzähler. Das zeigen sie nicht nur bei der Zeichnung der Hauptfigur. Gerade die kleineren Rollen haben sie mit einer Präzision inszeniert, die selten ist im deutschen Fernsehfilm. Die arabischen und türkischen Jugendgangs, die Kirsten Heisig erziehen will mit harter Hand, hat Wagner mit Laienschauspielern besetzt: Er ist in Neukölln in die Schulen gegangen und hat seine Darsteller auf dem Pausenhof gecastet.

Auch das macht den Film so außergewöhnlich: Er hat einen eigenen, authentischen Ton. "Das Ende der Geduld" ist nicht nur ein Film über Migrantensöhne, es ist eine Geschichte, in der sie mitmachen durften, mit ihrer Sprache, ihren Gesten, ihren Codes. Und Neukölln hat eigentlich keine Hauptrollen zu vergeben für Jungs, die nur gebrochen Deutsch sprechen. Keine seriösen jedenfalls.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(