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"Der Bachelor" bei RTL Späte Auferstehung eines Rosenkavaliers


Vergessen, verstaubt und aus der Versenkung aufgetaucht: Nach achtjähriger Pause sucht der Bachelor wieder im TV seine Traumfrau. Warum kommt das viel gescholtene Format jetzt wieder?
Von Rebecca Brockmeier

Ein Mann und eine Horde Frauen, die um dessen Gunst buhlt - man sollte meinen, dass dieses Prinzip in der modernen Gesellschaft längst obsolet geworden ist. Aber weit gefehlt: Auch im Jahr 2012 scheint die Idee noch immer genügend Reiz zu besitzen, um damit eine Fernsehsendung zu füllen. Zum Jahresbeginn holt RTL nach achtjähriger Abstinenz das umstrittenen TV-Format "Der Bachelor" wieder aus der Mottenkiste. Der Junggeselle kann zwischen 20 attraktiven Frauen wählen. Nach acht Folgen soll schließlich die Richtige gefunden sein.

Wie die Suche funktioniert? Bei Einzel- und Gruppendates sollen sich der Junggeselle und die Kandidatinnen näher kommen. Anschließend wird aussortiert: Bereits in der ersten Staffel gelangte die dafür vorgesehene "Nacht der Rosen" und die damit verbundene, vom glattgegelten Bachelor Marcel wiederholt gestellte Frage "Willst du diese Rose" bereits zu zweifelhaftem Ruhm. Denn für die monotone "Auslese" erntete das Format vor allem viel Spott und Hohn: Bei Kalkofes Mattscheibe bekam zum Beispiel nicht nur der "Bachel-Arsch" sein Fett weg, sondern gleich die ganze "widerwärtig chauvinistische Edelschnepfenauslese". Weniger bissig, dafür umso lustiger nahmen Bastian Pastewka als begriffsstutziger Ottmar Zietlow, Anke Engelke, Anette Frier und Ingolf Lück die Kuppelshow aufs Korn. In ihrem Sketch wurden pro verteilter Rose zwei Euro fällig.

Jetzt sucht also ein neuer mysteriöser Bachelor, laut RTL "charmant, gutaussehend" und mit einer "romantischen Ader" ausgestattet, zur besten Sendezeit nach der wahren Liebe. Hoffentlich ist er auch Single – bei seinem Vorgänger gab es schließlich Zweifel daran, ob der Herzensbrecher nicht in Wirklichkeit längst liiert war. Auch von Knebelverträgen und Betrug war damals die Rede. Am Konzept der Show hat sich wenig geändert: Fünf Frauen weniger als bei der ersten Staffel versuchen dieses Mal das Herz des ihnen völlig unbekannten Mannes zu gewinnen. Für Kulissen, die jedem Herz-Schmerz-Streifen garantiert Konkurrenz machen dürften, ist gesorgt: Geflirtet wird diesmal beim romantischen Picknick an der Küste Südafrikas oder beim gemeinsamen Ritt auf dem Elefantenrücken.

Qual der Wahl: von unkompliziert bis playboytauglich

Während der Bachelor noch unbekannt ist, hat der Sender die Bewerberinnen bereits vorgestellt: Da ist zum Beispiel die "zierliche Juwelierfachverkäuferin" Alexandra, die einen "selbstverliebten Gockel" gar nicht gebrauchen kann und über sich selbst sagt, dass sie ein schönes Lachen hat. Sie hofft, nach "Pleiten Pech und Pannen", jetzt "den richtigen Fisch zu fangen". Ob der Bachelor ihren Ansprüchen gerecht wird? Die Chancen stehen jedenfalls nicht schlecht: "Ein Traum wäre es, wenn er mit markanten Gesichtzügen und einem schönen Po gesegnet wäre" – diese Attribute bringt der von RTL ausgewählte Single bestimmt mit.

Am Ende entscheidet allein der Bachelor, welche Frau die Richtige für ihn ist: Falls die Blondine aus Frankfurt nicht seinen Geschmack treffen sollte, bleiben noch 19 einsame Frauen übrig, jede mit ihren eigenen Vorzügen. Die 23-jährige Natalie zum Beispiel: Sie beschreibt sich selbst als "unkompliziert und supersexy". Oder Bürokauffrau und Bulldoggenbesitzerin Bernadette, um für Single-Show-Junkies im gewohnten Alliterationsjargon zu bleiben: Sie steht auf Action und war schon mal im "Playboy". Dann wäre da noch Georgina. Die 21-Jährige mag Workaholics und findet, dass ihr Traummann ruhig viel Geld haben darf. Zwischen 20 und 35 Jahre sind die 20 Bewerberinnen alt, die darauf hoffen, vor einem Millionenpublikum das Herz des unbekannten Rosenkavaliers zu gewinnen - Zickenkrieg nicht ausgeschlossen.

2003 war es die gelernte Schornsteinfegerin Juliane Ziegler aus Berlin, die am Ende alle anderen Bewerberinnen aus dem Rennen warf. Mit der Liebe war es allerdings wohl doch nicht so weit her: Bachelor Marcel schickte ihr nach der Sendung nur hin und wieder eine SMS und servierte sie kurz darauf ganz ab. Dafür zahlte sich die Fleischbeschau an der Côte d'Azur aber immerhin karrieretechnisch für sie aus: Die 30-Jährige ist seither als Moderatorin bei verschiedenen Privatsendern zu sehen.

Liebe geht immer

Warum der Sender nach für Fernsehmaßstäbe unendlich langen acht Jahren auf den Rosenkavalier setzt? Liebe sei nach wie vor ein Thema, das die Menschen bewege, sagt RTL auf Anfrage von stern.de. Und in der Tat: Der Zeitpunkt scheint günstig. Der Hype um Kuppelshows ist seit Jahren ungebrochen: Millionen fieberten in der Vergangenheit mit, wenn auf RTL Eltern von schwer vermittelbaren Stubenhockern Schwiegertöchter suchten oder einsame Bauern dank Inka Bause ihren ersten Kuss bekamen. Durchschnittlich 7,71 Millionen Zuschauer sahen die siebte Staffel von "Bauer sucht Frau". Warum also nicht noch einmal den Bachelor ins Rennen schicken? In den USA ist die Sendung schließlich schon längst zum Dauerbrenner avanciert. Im Gegensatz dazu startete die erste Staffel der Show in Deutschland zwar quotenmäßig zunächst nicht sehr erfolgreich, legte dann aber gegen Ende richtig zu: Mit rund zweieinhalb Millionen Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren fuhr das Finale das insgesamt beste Ergebnis der Staffel ein. Der Marktanteil lag damit bei guten 19,2 Prozent.

So wird also auch 2012 wieder ein Jahr der Singleshows: Neben dem Bachelor suchen ab dem 15. Januar ebenfalls auf RTL partnerlose Auswanderer bei "Einsam unter Palmen" nach der Traumfrau, auf Vox soll dieses Jahr direkt ein ganzer "Bus voller Bräute" für Romantik sorgen, und auf Sat. 1 läuft gerade die neue TV-Romanze "Schwer verliebt" mit Moderatorin Britt Hagedorn, um nur einige Beispiele zu nennen. Die TV-Dates gehen also munter weiter. Für alle, die mittlerweile die Nase von Kuppelshows voll haben, gibt es wenigstens eine gute Nachricht: Zumindest die 2004 gefloppte "Bachelorette", damals mit Pocher-Ex Monica Ivancan, wird laut Sender vorerst nicht ins TV zurückkehren.

"Der Bachelor" startet am 4. Januar um 20.15 Uhr auf RTL.


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