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TV-Kritik

"Der Bachelor": Ein Kickboxer mit Knasterfahrung lernt Jenny, Jenny, Jenny, Jenny und Jenny kennen

Die neue Staffel von "Der Bachelor" hat vielversprechend begonnen. Bereits in der ersten Folge wird klar: Sebastian Preuss ist wahnsinnig problembehaftet und die Deutschen sind unkreativ bei der Namensfindung. 

"Bachelor" Sebastian Preuss

"Bachelor" Sebastian Preuss und einige der Jennys

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Dunkle Regenwolken ziehen am Himmel über Mexiko auf, die ersten Töne einer traurigen Musik erklingen. Ein junger Mann schreitet gedankenverloren in Zeitlupe am Strand entlang. Nein, das ist nicht der Beginn einer dramatischen südamerikanischen Telenovela. Auf RTL hat die neue Staffel von "Der Bachelor" begonnen. Und das Intro deutet es schon an: Dieser Bachelor hat sehr viel erlebt.

"Bachelor" Sebastian Preuss: Ein Kickboxer mit bewegter Vergangenheit

Sebastian Preuss heißt der Münchner, der sich auf die Suche nach der großen Liebe – oder eben einer semi-erfolgreichen Influencer-Karriere – begibt. Zu den Fakten: Er ist 29 Jahre alt, hat einen Malereibetrieb und ist Profi-Kickboxer. Viel wichtiger aber: Er hat sehr viel erlebt. Das werden wir in den kommenden zwei Stunden noch diverse Male aufs Brot geschmiert bekommen. 

"Ich habe sehr viel erlebt. Ich selber hatte nie wirklich eine richtige Familie. Es war sehr schwer, sehr steinig", verrät der schüchterne Junggeselle mit den blauen Augen. Wenige Szenen nach diesen Worten sitzt Preuss mit seiner Mutter auf einem cremefarbenen Sofa und man fragt sich: Das wirkt doch eigentlich ganz harmonisch? Aber nein. Denn der Bachelor hatte nie einen Vater und seine Mutter hat während seiner Kindheit immer viel gearbeitet. Deshalb hatte er oft Alpträume und konnte nicht schlafen. "Das war ganz schlimm damals", sagt er. "Das ist verletzend, wenn ein Elternteil nichts von einem wissen will", schluckt Preuss.

Er war im Gefängnis

Zwecks kurzer Ablenkung von all der Dramatik bekommen die Zuschauer dann endlich einen Blick auf Preuss' Sixpack, während er, natürlich in Zeitlupe, den Strand entlang läuft. Ein kurzer Zerstreuungsmoment – weiter im Tragödien-Programm: Es war nicht nur der Vater, der ihm gefehlt hat, und die arbeitende Mutter, die nie da war. Der Bachelor ist als Jugendlicher im wohl einzigen "Ghetto" Münchens auf die schiefe Bahn gerutscht und landete deshalb sogar mal im Knast. Wie gesagt, er hat sehr viel erlebt.

Und noch sind wir mit der tragischen Geschichte von Preuss nicht durch. "Ich bin durch Höhen und Tiefen gegangen", führt er aus. Vor sechs Jahren verstarb auch noch sein Bruder – an einer Fentanyl-Überdosis während er sich in einer Entzugsklinik aufhielt. Man möchte den mittlerweile schluchzenden jungen Mann am liebsten kurz drücken und ihm empfehlen, doch lieber wieder nach Hause zu fahren und sich zu erholen. Wer jetzt schon nicht mehr kann und sich am liebsten mit einer Wärmflasche und einer Tasse Tee im Bett einkuscheln möchte, dem sei gesagt: Es wird besser. Fürs erste war's das mit dem Brennpunkt Bachelor. Ein Glück. Denn jetzt kommen die Frauen.

22 Frauen buhlen um Preuss

22 Damen werden um ihn buhlen. Darunter ein paar Models, Zwillingsschwestern und viele, viele Jennys. Im Ganzen sind es zwei Jennys, eine Jenny-Fleur, eine Jenny Jasmin und eine Jennifer. Hoffentlich hat der Bachelor von der Produktion einen Spickzettel zugesteckt bekommen, ansonsten könnte es Probleme geben. 

"Bachelor"

"Bachelor"-Kandidatin Jenny S. ist Wimpernstylistin

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Während Preuss vermutlich noch immer gedankenverloren im Sand spaziert, schmeißen sich die 22 Auserwählten in ihre glitzernden Polyester-Fummel und spachteln sich das Makeup für die erste Nacht der Rosen aufs Gesicht. So weit, so altbekannt. Nur eine Kandidatin scheint aus der Menge rauszustechen. Die volltätowierte Wimpernstylistin mit dem Namen – Sie ahnen es – Jenny, hat ebenfalls ein bewegtes Leben hinter sich. Denn sie war mal übergewichtig und wurde gemobbt. Dann war sie untergewichtig. Jetzt geht's ihr aber gut.

Unter den anderen 21 Kandidatinnen finden sich ein paar bekannte Gesichter wieder. Die eine, sie heißt nicht Jenny, hat mal bei "Love Island" mitgemacht und glaubt trotzdem noch daran, im TV die große Liebe zu finden. Der großen Reichweite, die die Kuppelshow mit sich bringt, ist sie sich natürlich bewusst – aber wenn sie sich verliebt, wäre das auch ganz nett. Und eine Kandidatin war mal bei "DSDS" und fängt deshalb prompt an zu singen. Ihre Version von Christina Aguileras "I am Beautiful" ist mehr Vibrato als alles andere, der Bachelor ist aber trotzdem angetan und gibt ihr direkt eine Rose. 

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"Bist du der Abholer?"

Der plötzlich einsetzende Starkregen sorgt für einen lustigen Fauxpas, als Preuss Kandidatin Leah mit dem Regenschirm am Auto abholt. "Bist du der Abholer?", fragt die Hamburgerin ihn verdutzt. "Nein ich bin der Bachelor", lacht der Kickboxer. Wie es für die erste Sendung üblich ist, wird auch der erste Zickenkrieg schon angekündigt. Kandidatin Vanessa wird von den anderen kurzerhand "die Irre" getauft. So irre wirkt die Brünette auf den ersten Blick nicht, aber wer auch nur eine Folge von "Der Bachelor" gesehen hat, weiß, dass da noch was kommen wird. 

Mit den richtigen Komplimenten hat es der Bachelor allerdings noch nicht so richtig. "Gut geschnitten", sagt er zu Diana aus Köln. Ja was jetzt? Das Kleid, die Haare? Nun gut, schieben wir es auf die Aufregung. Die Frauen werden da schon konkreter. "Er sieht wow aus", sagt die irre Vanessa, "ja, Maschine. Brutal", pflichtet ihr die gut geschnittene Diana bei. Am Ende der Nacht der Rosen muss sich der 29-Jährige dann entscheiden. "Meine letzte Rose geht an... Jenny...ähm, Jessy!" Gerettet in letzter Sekunde. Die Zwillingsschwestern müssen gehen und auch eine Jessy konnte Preuss nicht überzeugen.

Ein wenig ärgerlich für ihn: Die ganzen Jennys sind noch immer im Rennen. Es wird also nicht leichter – aber damit kennt sich der Bachelor ja aus.