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Meinung

"Germany's next Topmodel": "GNTM"-Kandidatin Lijana - woher kommt der Hass?

"GNTM"-Kandidatin Lijana gibt auf, weil sie im Internet beschimpft wird. Hat sie den Hass selbst provoziert? Woher die Wut auf die Teilnehmerin einer Unterhaltungsshow kommt und was wir dagegen tun können.

Von Frank Schmiechen

GNTM FInale 2020

Heidi Klum und ihre "Meedchen" sind immer wieder Zielscheiben von Hass und Beleidigungen im Netz. Zuletzt wurde Germany's-Next-Topmodell-Kandidatin Lijana zum Opfer. In digitalen Netzwerken kam es in den vergangenen Wochen zu persönlichen Angriffen, Beleidigungen, Androhung von Gewalt. Sogar ihre Familie und ihr Hund wurde bedroht. Ein vergifteter Köder wurde als Hundefutter in ihrem Garten abgelegt.

Entnervt zog sich Lijana am Donnerstagabend aus dem Finale der Show zurück. Es war einfach zu viel für sie. Lijana ist kein Kind von Traurigkeit. Sie hat sich in der vergangenen Staffel selbst zur Zielscheibe gemacht. Oder von den Machern der Sendung dazu machen lassen. Denn es gehört zur Dramaturgie der Sendung, dass es immer eine Zicke unter den Bewerberinnen geben muss. Das hilft bei der Einschaltquote.

Zicken für die Quote: Lijana erfüllte bei "GNTM" die Erwartungen

Lijana spielte diese Rolle jedenfalls mit sehr viel Überzeugungskraft. Ihre Überheblichkeit und die Bereitschaft, für einen Sieg wirklich alles zu tun, wirkten nicht gerade sympathisch - und dabei absolut glaubhaft. Doch dieser 24-jährigen Frau Krankheiten an den Hals zu wünschen, rassistische Sprüche um die Ohren zu hauen, ihrer Familie mit Gewalt zu drohen, geht über das normale Maß an Kritik weit hinaus.

Wenn man all die Hass-Kommentare zur Model-Sendung liest, blickt man in einen dunklen Abgrund. Es gibt offenbar ein unerschöpfliches Reservoir an Wut, Boshaftigkeit und krankhafte Gewaltfantasien in unserer Welt.

Man muss die Model-Show nicht mögen, man darf auch einzelne Kandidatinnen oder Heidi Klum kritisieren. Doch diese verbalen Ausbrüche in ihrer schieren Menge und Menschenverachtung sind furchteinflößend. Es ist eine merkwürdige Vorstellung, dass man mit Leuten, die so etwas schreiben und denken, gemeinsam in der Schlange vor dem Bäcker steht.

Welche Mitschuld tragen Twitter, Facebook und Co.?

Oft wird den digitalen Plattformen eine Art Mitschuld an den Hass-Orgien gegeben. Tragen Twitter oder Instagram wirklich eine Mitschuld an diesen Barbareien?  Fakt ist: Die digitalen Netzwerke machen den Hass und den Rassismus ihrer Nutzer sichtbar. Jeder kann lesen, was in den Köpfen vieler Menschen los ist. Es mag sein, dass das auf einige Nutzer wie ein Verstärker wirkt. Nach dem Motto: Ach, wenn hier so viel heftiger Klartext geschrieben wird, dann haue ich auch mal schmerzbefreit in die Tasten. Doch auch ohne Twitter oder Instagram wäre dieser Hass existent. Wir könnten ihn nur nicht so überdeutlich wahrnehmen!

Es fällt auf, dass es meistens anonyme Accounts sind, die ihren Hass austoben. Mit dem eigenen Gesicht und Namen wollen viele Hater dann doch nicht in Erscheinung treten. Wir als Nutzer müssen lernen, die Netzwerke zu lesen. So wie wir es über Jahrzehnte gelernt haben, Zeitungen, Magazine oder Bücher zu lesen. Dazu gehört es auch, Kommentare nur ernst zu nehmen, wenn der Absender identifizierbar ist. Ohne Absender ist ein Kommentar wertlos und kann ignoriert werden.

Es mag schwerfallen, diese Menge an Hass und Menschenfeindlichkeit zu überlesen, wie sie im Fall von Lijana publiziert wurde. Aber vielleicht sollten wir versuchen, uns an den Satz halten, die die entnervte Kandidatin bei ihrem Abschied live im Fernsehen sagte: "Ich möchte nicht mehr das Futter sein für noch mehr Hass."