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Lisa Fitz bei "Hart aber fair": "Plasberg ist mir über den Mund gefahren"

Kabarettistin Lisa Fitz war in der ARD-Talkshow "Hart aber fair" zu Gast und fühlte sich in der Runde zum Islam unwohl - und das lag nicht am Thema.

Von Anna-Beeke Gretemeier

Kabarettistin, Schauspielerin, Autorin: Lisa Fitz wurde 1972 als TV-Moderatorin der "Bayerischen Hitparade" bekannt und startete 1983 als erste Frau in Deutschland ein Solo-Kabarett-Programm mit selbstgeschrieben Texten - die auch gerne politisch sein dürfen

Kabarettistin, Schauspielerin, Autorin: Lisa Fitz wurde 1972 als TV-Moderatorin der "Bayerischen Hitparade" bekannt und startete 1983 als erste Frau in Deutschland ein Solo-Kabarett-Programm mit selbstgeschrieben Texten - die auch gerne politisch sein dürfen

In ihrem neuen Programm "Mut" nimmt Lisa Fitz kein Blatt vor den Mund, wenn es um aktuelle und brisante Themen geht. Heute will sie Klartext über die vergangene Plasberg-Sendung reden, zu der sie zum Thema "Deutschland und der Islam - wie passt das zusammen?" eingeladen wurde.

Frau Fitz, Religion und Lisa Fitz – wie passt das zusammen?
Ich habe schon mehrere Kabarett-Programme und Texte zum Thema Religion geschrieben. Auch wenn ich nicht in der Kirche bin, habe ich die Bibel komplett gelesen. Sie hat mich zu meiner Lesung "Mein Gott - Ein Bibelkurs mit Lisa Fitz" inspiriert, in der ich einzelne Passagen herausgreife und sie aus heutiger Sicht betrachte. So wird in der Bibel zum Beispiel Inzest empfohlen. Auch ein Rat wie "Besser sich ärgern als lachen; denn bei einem vergrämten Gesicht wird das Herz heiter" (Kohelet 7,3) erscheint mir heutzutage nicht sehr wertvoll. Gott sei Dank, sieht unsere deutsche Gesellschaft das ganz ähnlich und ist durchaus bereit, sich von der Bibel zu distanzieren.

Nun ging es in der "Hart aber fair"-Sendung um den Islam. Gibt es für Sie Themen, über die sie in ihrem Programm nicht sprechen würden? Existiert ein Korsett der politischen Korrektheit?


Nein, das sollte es nicht geben. Die Absicht hinter der Pointe muss immer absolut klar sein. Das ist wichtig. Wenn das geklärt ist, kann man ruhig in alle Richtung schießen - solange man selbst mit geradem Rücken dahinter steht. Der Humanismus sollte den Weg zur Pointe weisen.

Was sagen sie zu ihrem Kollegen Dieter Nuhr, der eine Anzeige wegen angeblicher Islam-Hetze bekam?


Nuhr hatte völlig recht mit dem, was er getan und gesagt hat. Man muss den Menschen angewöhnen, über Komik zu lachen und sich nicht gleich persönlich angegriffen zu fühlen, wenn auch mal ein religiöser Witz über den Islam gerissen wird. Wegen diesem Thema wurde ich ja eigentlich zu Plasberg in die Sendung eingeladen. Nur wurde dann der Themenblock "Religion, Humor und Satire" aus redaktionellen Gründen aus der Sendung gestrichen. Nur hat mir das keiner gesagt. Ich fühlte mich fehl am Platz und auch das Publikum hat sich gefragt: Was macht die da eigentlich?

Dabei hatte man das Gefühl, sie hätten das Thema der Sendung am besten verstanden. Sie waren als einziger Gast dazu bereit, offen über den Islam und seine Rolle in Deutschland zu diskutieren.


Nur blieben meine Fragen leider unbeantwortet. Ich hatte das Gefühl, niemand wollte so genau ins Detail gehen. Ich hatte die Tage davor intensiv den Koran studiert und mir Suren herausgesucht, deren Bedeutung ich gerne auf die heutige Zeit übertragen hätte. Leider wurde ich dabei von Herrn Plasberg ausgebremst und kam nicht dazu, die Fragen zu stellen, die mir wirklich wichtig waren.

Wir geben Ihnen gerne die Gelegenheit dies nachzuholen. Was wollten Sie von der Gesprächsrunde geklärt wissen?


Was mich wirklich interessiert, ist die Frage: Inwieweit darf sich ein liberaler Moslem vom Koran distanzieren und auch einmal Textpassagen in Frage stellen, ohne dass sich gleich seine Brüder von ihm abwenden? Mir ist schon klar, dass der Koran für die Muslime heilig ist. Und ein Muslim gehorsam sein muss. Aber es muss doch möglich sein, genau wie im Christentum, auch einmal zu sagen: Das sehe ich anders. Oder: Das hat in der heutigen Zeit keinen Bestand mehr.

Für so eine Frage war kein Raum?


Nein, absolut nicht. Ich denke, ich sollte einfach nur als Puffer in der Runde dienen. Man hat mich in der Sendung verbrannt und wohl nicht damit gerechnet, dass ich gut vorbereitet sein würde. Ich bin eingeladen worden, um eine Meinung zu vertreten. Doch wenn ich austeilen und eine klare Haltung einfordern wollte, fuhr mir der Moderator über den Mund. Ich bin kurz davor gewesen, einfach aufzustehen und zu gehen. Herr Plasberg kam danach allerdings zu mir und hat sich persönlich entschuldigt. Es wird also trotz allem nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich eine Einladung zu seiner Sendung angenommen habe.

Es geht in ihren Job um die gute Pointe zum Schluss. Lassen Sie uns gemeinsam eine für dieses Interview finden.


Wahre Emanzipation ist erst dann erreicht, wenn der Mann verschleiert zwei Schritte hinter seiner Frau hergeht und die Einkaufstüten trägt.

... und sie die Trachten-Burka aus ihrem Programm - mit Edelweiß auf dem Rücken und dem gestickten Spruch: "Hopfen und Malz, Allah erhalt's."

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