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Lisa Fitz: Ihr Kampf mit dem Dschungel-Image

Hilft es der eingeschlafenen Karriere, vor Millionen Känguruhoden zu essen? Dschungelkönig Ross Antony wohl schon - er bekommt seine eigene TV-Show. Lisa Fitz, Kandidatin der ersten Staffel, warnt im stern.de-Interview jedoch vor den Schattenseiten des Camps.

Frau Fitz, vier Jahre ist es her, dass Sie bei der ersten Staffel von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" den zweiten Platz belegt haben. Was hat es Ihnen für Ihre Karriere gebracht?

Beruflich verlief alles nach dem Camp recht gut, weil ich die Hauptrolle in einer RTL-Serie bekommen habe - "Die Gerichtsmedizinerin". Nur mit dem Saarländischen Rundfunk habe ich damals ungute Erfahrungen gemacht, für den ich zwei Folgen der Kabarettsendung "Fitz & Friends" produziert hatte. Als ich im Dschungel saß, hat man die Zusammenarbeit ohne mein Wissen beendet.

Woran lag das?

In Sachen Kabarett hat die Dschungelcamp-Teilnahme an meinem Image gekratzt. Ich wurde plötzlich als RTL-Gesicht gehandelt, was überhaupt nicht in meiner Absicht lag. Mein Hauptengagement, meine Berufung und mein Beruf ist das Kabarett. Ich war betrübt, dass der zwölftägige Ausflug, der etwa 0,0001 % meiner beruflichen Tätigkeit ausmachte, so ernst genommen wurde. In der Presse wurde das ganze ja dann auch so aufgeblasen. "Lisa Fitz gefeuert" - als sei diese SR-Sendung das Zentrum meines Schaffens gewesen. Das war schon ein bisschen Rufmord. Die Strenge, mit der das geahndet wurde, hätte ich nicht vermutet.

Wie stehen Sie heute zu den Vorkommnissen?

Dass sich die Öffentlich-Rechtlichen auf Grund der Vorkommnisse beim SR von mir distanziert haben, das war nicht schön. Wir mussten uns in den letzten vier Jahren wieder ganz vorsichtig annähern - was mich ganz ungeduldig machte, denn ARD und ZDF machen wirklich gute Sendungen, vor allem, was Kabarett betrifft. Ich stand auf einer schwarzen Liste und wurde nicht in Talkshows eingeladen. Dabei hätte es viel Interessantes und Intelligenteres zu erzählen gegeben, über die Psycho- und Gruppendynamik im Camp, wie sich Menschen verändern, wenn sie Hunger haben und so etwas.

Inwiefern verändern sich denn die Promis im Camp?

Sie verlieren ihre Contenance. Der Hunger macht sie böse. Sie werden gereizt und unfreundlich. Viele verlieren ihren Humor, der Teamgeist fehlt. Ich habe in den zwölf Tagen versucht, mir nie eine Blöße zu geben - außer der, dass ich mitgemacht habe.

Warum sind Sie denn ins Camp gegangen?

Die Abenteuerlust ist mit mir durchgegangen. Man hat mir dann unterstellt, ich hätte aus finanziellen Gründen teilgenommen. Aber etablierte Kabarettisten verdienen wirklich sehr gut und ich war auf dem Zenit meiner Tätigkeit und gut ausgebucht. Der Januar 2004 war meine Urlaubszeit.

Kommen wir zur gerade beendeten, dritten Staffel: Für wen könnte das Camp ein Karrieresprung sein?

Ganz klar: Dschungelkönig Ross Antony. Seine Heulausbrüche waren von komödiantischem Wert. Er kann tanzen, singen und ist unglaublich lustig. Ich denke, der könnte eine eigene Sendung kriegen.

Bei RTL wird er im Mai sein eigenes TV-Format bekommen.

Ah ja, zu Recht! Er ist einfach begabt. Viele entblößen sich ja auch nur im Dschungel. Spongebob Spengemann zum Beispiel. Der ist ja ganz von der Bildfläche verschwunden nach dem Camp.

Was hat er falsch gemacht?

Er hat sich als präpotentes Weichei geoutet und nichts umgesetzt von seiner Kraftmeierei. Auch bei Küblböck ist es etwas ins Aus gegangen. Aus Gründen, die ich hier nicht besprechen möchte. Daniel sollte aber zum Beispiel in seiner Ausbildung nacharbeiten.

Ist Küblböck zu jung für das Camp gewesen?

Er selbst kann nichts dafür. Gar nichts. Er hat versucht, seinen Traum zu verwirklichen. Die Häme und die Bereitschaft der Leute auf ihm herumzutrampeln, das fand ich grenzwertig. Die Menschen sind teilweise bösartiger als die Kakerlaken. Das eklige kam ja auch bei meinem Dschungelerlebnis erst außerhalb des Camps. Ich habe hinterher drei prall gefüllte Presseordner durchgesehen, die Sensationsmeldungen der "Bild"-Zeitung, oder auch, was Kollegen über uns gesagt haben. Da war mir dann erst richtig schlecht.

Würden Sie noch einmal ins Camp gehen?

Ich würde es sicherlich aus beruflichen Gründen nie wieder machen. Persönlich habe ich es als "AE" empfunden, als "Außergewöhnliche Erfahrung", als bezahlte Diät und lustigen Survival-Trip. Aber das muss ich nicht wiederholen. Da setz ich mich jetzt lieber ins "Versace"- Hotel und lass mir den Tee aufs Zimmer servieren.

Würden Sie sagen, Sie sind die eigentliche Königin des Dschungels?

Um Gottes Willen, Königin des Kabaretts wär mir lieber! Dschungelkönigin darf Frau Nick bleiben. Aber es hat mir ja doch etwas gebracht. Die RTL-Serie war schönes Projekt als Schauspielerin, ein Filet-Stück, das man nicht alle Tage bekommt. Trotzdem macht mir Kabarett tausendmal mehr Spaß - es ist meine Berufung. Bei Dschungelkönig Costa Cordalis hat sich nichts wirklich verändert. Er singt halt immer noch seine Schlager. Zum Thema "B oder C-Promis" noch eine Anmerkung: Diese Kategorisierung finde ich etwas überheblich. Einige der Teilnehmer von damals sprechen fünf Sprachen fließend, haben Abitur, abgeschlossenes Unistudium etc. Dennoch hätte man wohl in dieser Liga nicht mitspielen dürfen. Warum? Eine Kabarettistin wird als kritische Aufklärerin verstanden und in meinem Fall von vielen Frauen als Vorbild gesehen - Vorbilder dürfen sowas halt nicht - oder nur einmal. Meine Teilnahme hat auf viele wie ein Verrat am Kabarett gewirkt. Aber ich verrate das Kabarett nicht. Jeder schießt halt mal ein Eigentor.

Privat also eine positive Erfahrung mit bitterem Beigeschmack für die Karriere.

So kann man ess nennen, ja. Im Hinblick auf die Serien-Titelrolle war es ok. Fürs Kabarett eher nicht, weil Kabarettisten anscheinend höhere Wesen sein müssen, die einem Reinheitsgebot unterliegen, wie gesagt. Das hätte ich wissen können. Aber will man immer alles vorher wissen? Dann macht man ja nie mehr einen Blödsinn? Manchmal gehen die Abenteuer-Gäule mit einem durch und das ist auch schön so.

Ihr Fazit - vier Jahre danach?

Langsam beruhigt es sich, das aufgebrachte Flügelschlagen. Ich bin wieder da, wo ich hingehöre und sein will. Gestern habe ich die Premiere "Der deutsche Mittagstisch" von Thomas Bernhard gespielt, im Theater am Mousonturm in Frankfurt. Aber das Verhältnis zu der ARD - das gehört noch repariert. Ein Kabarettist ohne ARD kann nur in die "Anstalt" gehen, in die vom ZDF, meine ich, beim Udo Priol. Auch sehr gut. Aber gesamt gesehen wächst das Gras jetzt ganz gut drüber und die Medien sind wieder gut gesonnen. Und meine Kabarettzuschauer auch, die sind mir am wichtigsten von allen.

Interview: Katharina Miklis