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"Hart aber fair" über Lebensmittelfälschung: Die Schummelei im Supermarkt

"Was ist noch echt an unserem Essen?", fragt "Hart aber fair". Wenig, lautet die Antwort. Aber das hatte man sich schon gedacht. Lösungen sind nicht in Sicht.

Von Jan Zier

Nehmen wir zum Beispiel den Landlust-Tee "Mirabelle & Birne" aus dem Hause Teekanne. Da ist vor allem Apfel drin, ja, auch etwas Birne, Mirabelle aber gar keine. Die ist nur außen auf dem Foto drauf. Drin ist lediglich "natürliches Aroma mit Mirabellen-Geschmack". Ob da nicht wenigstens eine Mirabelle dran hätte vorbei getragen werden müssen? "Nö", sagt Alfred Hagen Meyer, der Anwalt von "Teekanne" - und dass das "alle" in der Branche so machen. "Das ist ganz legaler Betrug" und eine "systematische Täuschung", findet Thilo Bode, der Chef der Verbraucherschutzorganisation "foodwatch". "Das wird ab 2014 alles anders", sagt Monika Hohlmeier, CSU-Europapolitikerin und Tochter des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. Nein, wird es nicht, antwortet Bode. Da kommt dann auch nur eine "homöopathische Dosis" Mirabelle rein, antwortet Meyer.

"Lügen satt" ist das Thema bei "Hart aber fair" an diesem Montag, ein Titel aus der Wortspielhölle also, verbunden mit der eher rhetorischen Frage: "Was ist noch echt an unserem Essen?" Nichts, möchte man sagen, spätestens nach dieser Sendung, es sei denn, man baut es selbst an und kocht stets selbst. Natürlich, irgendwie hatte man sich das schon gedacht, aber Frank Plasberg liefert an diesem Abend immerhin reichlich Beispiele, um dieses gefühlte Allgemeinwissen mit Fakten zu untermauern. Zum Beispiel die "Zubereitung aus Rinderhackfleisch" von Viva Vital. 30 Prozent weniger Fett als herkömmliches Hackfleisch steht außen drauf. "Noch nie war schnittfestes Wasser so teuer", sagt Bode, und dass das "fettiger" ist als das Hackfleisch von der Theke. Oder die "Feine Kalbfleischleberwurst" von "Du darfst". Kalbsleber ist keine drin, vor allem aber Schwein, zu 70 Prozent sogar, Kalbfleisch indes nur zu 17 Prozent. "Völlig rechtens", sagt Meyer, und dass das gar nicht schmecken würde, wenn da Kalbsleber drin wär. Der Mann schlägt sich tapfer an diesem Abend.

"Man möchte bald gar nichts mehr essen"

Doch während Bode für die gesetzlich verankerte totale Transparenz wirbt, sagt Werner Bartens, ehemals Arzt und heute Wissenschaftsredakteur der Süddeutschen: "Das versteht keiner, das kann keiner verstehen." Weil man am Ende ja eh nicht so genau wisse, was wie wirke, wirklich gesund sei. Vitamin C ist es aber jedenfalls nicht, sagt Bartens, jedenfalls nicht wenn es künstlich zugesetzt wird. So wie in Coca-Cola Zero. Die "wissenschaftliche Überhöhung" der Ernährung hält Bartens aber eh für "schädlich". Und die Lebensmittelindustrie für eine "Drecksbranche". Doch viele Verbraucher kaufen eben auch gerne, was ihnen einen gesundheitlichen Zusatznutzen verspricht. Und geben dafür im Zweifelsfall auch mehr Geld aus. Also wird es produziert.

92 Prozent all jener Produkte, die damit werben, "keine Geschmacksverstärker" zu enthalten, enthalten potenzielle Geschmacksverstärker wie Hefeextrakt, sagen die Verbraucherzentralen. "Man möchte bald gar nichts mehr essen", schreibt ein Zuschauer. Oder hätten Sie gewusst, wie viele Würfelzucker in einer Flasche Heinz Tomatenketchup sind? 40. Und wie viele in einem fettarmen Bauer-Jogurth ohne Süßstoff? Elf. Plasberg nennt das "Verarsche".

Gerade eben, so berichtete die Bild, gab es eine Tischvorlage zur 396. Rundfunkratssitzung des NDR-Rundfunkrates. Die plädierte dafür, nicht nur "prominente" Gäste in Talkshows einzuladen oder solche, deren "Unterhaltungswert" sicher ist. Sondern solche, "die über Fachwissen verfügen und Interessantes zum Thema selbst beitragen können." Demzufolge hätte man Sternekoch Björn Freitag, der auch fürs WDR arbeitet, an diesem Abend getrost in seinem Restaurant in Dorsten belassen können. Und Frau Hohlmeier glänzt in erster Linie dort, wo es um ihre vielen Lebensmittelunverträglichkeiten geht, die alten Bilder nochmal rausgekramt werden, auf denen sie krank, blass, kraftlos und ausgemergelt ist. Sie wirbt vor allem dafür selbst zu kochen. Das entlastet dann auch die Politik. Die übrigen Gäste immerhin haben das geforderte Qualitätskriterium aber sicher erfüllt, und Plasberg das Seine dazu getan, um all die Vielredner im Zaum zu halten.