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US-Profiliga MLB Neue Regel gegens Schummeln: Baseballprofis machen aus Protest mitten im Spiel die Hosen auf

Max Scherzer, Baseballsuperstar der Washington Nationals, bei einer Kontrolle durch die Schiedsrichter
Sichtlich genervt und mit offener Hose: Max Scherzer, Baseballsuperstar der Washington Nationals, bei einer Kontrolle durch die Schiedsrichter im Spiel gegen die Philadelphia Phillies
© Matt Slocum / Picture Alliance
In der US-Baseballliga MLB sorgt eine neue Regel, die Schummeleien von Pitchern verhindern soll, für mächtig Wirbel. Zwei der Werfer trugen jetzt ihre Genervtheit darüber mitten im Spiel unmissverständlich zur Schau.

In der nordamerikanischen Baseballliga MLB gilt seit dieser Woche eine neue Regel gegen mögliche Schummeleien: Um zu verhindern, dass Pitcher die Bälle mit verbotenen Substanzen manipulieren, müssen sich die Werfer während des Spiels mehrfach Kontrollen durch die Schiedsrichter unterziehen.

Die Inspektionen sollen möglichst zwischen den Innings oder während des Wechsels zwischen Schlagmannschaft und Feldmannschaft stattfinden, um den Offiziellen ausreichend Zeit zu geben, eine gründliche Kontrolle der Kappe, des Handschuhs und der Fingerspitzen des Pitchers durchzuführen, ohne das Spiel zu verzögern.

Aber auch mitten im Match dürfen die Schiedsrichter Spieler überprüfen, wenn ihnen etwas verdächtig vorkommt. Und sogar der Cheftrainer des gegnerischen Teams kann verlangen, dass ein Pitcher kontrolliert wird, wenn er den begründeten Verdacht hat, dass dieser geschummelt hat.

Superstar Scherzer öffnet genervt seine Hose

Doch schon am zweiten Tag ihrer Anwendung sorgte die neue Bestimmung für skurrile Szenen auf dem Feld: Im Spiel der Washington Nationals gegen die Philadelphia Phillies am Dienstag hatte Washingtons Superstar Max Scherzer bereits zwei obligatorische Kontrollen zwischen den Innings über sich ergehen lassen, als die Schiedsrichter ihn auf Antrag von Phillies-Cheftrainer Joe Girardi mitten im vierten Inning erneut filzen wollten.

Scherzer reagierte sichtlich frustriert. Zunächst warf der dreimalige Gewinner der Cy-Young-Trophäe für den besten Spieler der Liga seinen Handschuh und seine kappe auf den Boden. Dann öffnete er seinen Gürtel, als wollte er gleich seine Hose ausziehen. Sichtlich genervt ließ er sich schließlich von den Schiedsrichtern überprüfen.

Noch einen Schritt weiter ging Scherzers Berufskollege Sergio Romo. Der Werfer der Oakland Athletics war sichtlich aufgebracht, als er in der Partie am Dienstagabend gegen die Texas Rangers am Ende des siebten Innings kontrolliert werden sollte. Romo schmiss dem Schiedsrichter Kappe und Handschuh vor die Füße, zog seinen Gürtel aus den Schlaufen und warf ihn hinterher und öffnete schließlich seine Hose und zog sie herunter.

Das Manipulieren der Bälle ist schon seit Jahrzehnten gang und gäbe in der MLB und wurde bislang von Trainern, Spielern und Mannschaften stillschweigend akzeptiert. Klebrige Substanzen wie Kieferteer, eine Mischung aus Sonnenschutzmittel und Kolophonium oder Kaugummispucke sollen die Glätte der Wurfgeräte verringern und die Kontrolle über die Würfe verbessern. Doch in jüngerer Zeit verwenden Pitcher weitaus klebrigere Verbindungen als früher – zum Beispiel ein von Rollstuhlsportlern verwendetes Produkt namens Spider Tack. Das hat die Auswirkungen des Schummelns deutlich verstärkt und nach Ansicht der Liga die Natur des Spieles verändert, weil immer weniger Bälle von den Schlägern getroffen und zurück ins Feld geschlagen werden.

Schummlern drohen strenge Strafe

Spieler dürfen keine "Fremdsubstanz jeglicher Art auf den Ball auftragen" und dürfen "keine Fremdsubstanz an ihrer Person oder in ihrem Besitz haben", heißt es deshalb in der neuen Anordnung. Bei Verstößen dagegen drohen empfindliche Strafen. So können Pitcher, die beim Betrügen erwischt werden, des Feldes verwiesen und für 10 Spiele gesperrt werden. Weigert sich ein Spieler, bei einer vom Schiedsrichter durchgeführten Inspektion zu kooperieren, wird davon ausgegangen, dass er gegen die Regeln verstoßen hat, was ebenfalls zu einem Rauswurf und einer Sperre führt.

Auch Catchern, anderen Spielern, Trainern oder Betreuern, die Manipulationsversuche unterstützen, sie zu verbergen helfen, dazu ermutigen oder sie nicht melden, drohen strenge Disziplinarmaßnahmen.

Scherzer sieht die Schummeleien ebenso kritisch wie die Liga, die Kontrollen der Pitcher hält er dennoch für falsch: "Hoffentlich verstehen die Spieler in der ganzen Liga, dass das, was wir im Moment machen, nicht die Lösung ist", sagte er nach der Partie. "Ich verstehe, dass es ein Problem mit Spider Tack gibt und wir müssen das aus dem Spiel nehmen. Aber ich denke auch, dass es einen besseren Weg gibt, damit umzugehen."

Quellen: Major League Baseball, ESPN, "USA Today", "Huffington Post"


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