HOME

"Let's Dance"-Finale: Viel Schinderei für eine Discokugel

Alexander Klaws holte sich im Finale gegen Tanja Szewczenko den Titel "Dancing-Star 2014". Für Überraschung im Publikum sorgten "Bachelor"-Katja und ihr Ex Christian. Bahnt sich da wieder etwas an?

Von Sylvie-Sophie Schindler

Zum Abschied schenkte Alexander Klaws seiner Tanzpartnerin Isabel Edvardsson einen Gutschein für ein Wellness-Wochenende. Wohlverdient nach 293,5 Trainingsstunden. Doch auch der TV-Zuschauer, der zwar auf der Couch kaum ins Schwitzen gekommen sein dürfte, muss sich erstmal dringend erholen. War er doch in jeder der vergangenen neun Folgen von "Let's dance 2014" höllischen Torturen durch Moderatorin Sylvie Meis ausgesetzt. Auch im Finale kannte die Ex-Spielerfrau kein Pardon. Stand herum in einem unvorteilhaften Outfit, hineingequetscht wie eine Wurst in die Pelle, grinste künstlicher als jede Barbie und verhunzte mindestens jeden zweiten Satz, indem sie gekonnt die deutsche Grammatik ignorierte.

Und wer ihr auch vor das Mikrofon kam, wurde sofort mit sinnlosen Fragen wie "Wie fühlst du dich?" bombardiert. Null Punkte für Sylvie Meis. Sie ist die eindeutige Verliererin der Staffel. Während Alexander Klaws, der sich 2003 bereits den ersten Platz bei "Deutschland sucht den Superstar" eroberte, es auch diesmal wieder auf dem Siegertreppchen bis ganz nach oben schaffte. Jubelnd hielt der von den Zuschauern per SMS und Telefon gekürte "Dancing-Star 2014" seine Trophäe nach oben: Eine silbrig glänzende Discokugel auf einem Sockel.

Szewczenko hatte Anlaufschwierigkeiten

So viel Schinderei für eine Discokugel. Antrieb wird wohl eher die mediale Aufmerksamkeit gewesen sein. Obwohl, es hat die beiden Finalpaare gewiss weniger Schweiß gekostet, da sie sowieso mit besseren Voraussetzungen ins Rennen gegangen sind als die anderen Kandidaten. Bleibt die Frage, ob man bei diesem Gefälle überhaupt von Fairness sprechen kann. Ein Bernhard Brink, fast schon liebenswert in seiner Tanz-Legasthenie, hat auch beim härtesten Training gegen einen wie den ausgebildeten Musical-Darsteller Klaws und die frühere Hochleistungssportlerin Tanja Szewczenko keine reale Chance. Bereits nach der ersten Show wurde Klaws als Favorit gehandelt, attestierte ihm die Jury doch das beste Opening in der Geschichte von "Let's Dance".

Bereits in der vierten Show gab es dann für einen Charleston zum Titel "Dick & Doof Theme" die ersten 30 Punkte. Als "Mister Bombe" hatte der 30-Jährige schließlich seinen Stempel weg. Kurz und gut: Sein Sieg dürfte kaum jemanden überrascht haben. Szewczenko hingegen hatte erstmal Anlaufschwierigkeiten, erreichte mit dem ersten Tanz lediglich 15 Punkte, biss sich aber durch und bekam in der siebten Show mit Tanzpartner Willi Gabalier die erste volle Punktzahl, mit einem langsamen Walzer zu "Run to you".

Im Finale, zu dem auch alle anderen Tanzpaare aus der Staffel anrückten, um mitzukreischen, brachte es Tanja Szewczenko schließlich auf 78 Punkte und Alexander Klaws auf 87 von 90 möglichen Punkten für jeweils drei Tänze. Wieder hatte die ehemalige Eiskunstläuferin Anlaufschwierigkeiten, der Samba zu "Dancing Queen" wollte nicht recht gelingen. Jurorin Motsi Mabuse sagte, sie könne "die Augen nicht zuschalten" und stellte fest: "Du bist aus dem Takt gekommen". Tanja war selbst ratlos: "Ich habe in dem Lied den Samba gesucht." Noch nie hingegen dagewesen: Der gestrenge Juror Joachim Llambi verteilte regelwidrige 11 Punkte, nachdem Klaws und Edvardsson einen Freestyle zu einem Medley aus dem Film "Dirty Dancing" präsentiert hatten. Szewczenkos Freestyle zu "Dancing in the Rain" hingegen war Llambi zwar viel Lob wert: "Es passte, alles war stimmig, eine runde Nummer." Und doch gab er der Darbietung nur neun Punkte, was das Publikum mit lauten Buhrufen quittierte.

"Ihr habt euch dieses Applaus verdient"

Sonst aber zelebrierte man die eigene Hysterie. Der souveräne Moderator Daniel Hartwich, der nun wirklich keine Co-Moderatorin an seiner Seite braucht, und wohltuend in seiner Nonchalance, sprach von "Jumping Ovations". Die von den emotionalen Erregungswellen infizierte Sylvie Meis war permanent aus dem Häuschen: "Ihr habt euch dieses Applaus verdient." Obendrauf gab es opulenten Kitsch, so viel, dass einem beim Zuschauen so schlecht wurde als hätte man viel zu viele Sahnetorten gegessen. Ein Bühnenfeuerwerk nach dem anderen wurde gezündet, Tanja wälzte sich im Regen, Rosenblätter schwebten durch das Studio.

Irgendwann, wenn auch in einem anderen Zusammenhang, sagte Motsi Mabuse: "Ich kann nicht mehr." Längst geflüchtet wäre wohl am liebsten das frisch getrennte "Bachelor"-Paar Katja und Christian. Etwa, um wieder herumzuturteln? Von wegen. RTL hatte sie wohl zu dieser Veranstaltung verdonnert. Mit steifen Gesichtern saßen die beiden im Zuschauerblock.

  • Sylvie-Sophie Schindler