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TV-Kritik "Let's Dance" Doch keine Schiebung


Im Halbfinale von "Let's Dance" kehrt der gute Glaube zurück - da Carmen Geiss nun doch noch ausscheidet. Weil Tanja Szewczenko "zu gewalttätig" ist, räumt Alexander Klaws groß ab.
Von Jan Zier

Nein, diesmal hat es nicht gereicht. Und die beiden besten Tänzer, so langweilig und konservativ kann Fernsehen sein, haben gewonnen. Alexander Klaws und Tanja Szewczenko also ziehen ins Finale von "Let's Dance" ein. Und Carmen Geiss ist raus.

Für die Millionärsgattin haben diesmal eben einfach nicht mehr genügend Leute angerufen. Denn: Dass die beiden anderen besser tanzen können – keine Frage. Aber darum allein geht es hier ja nicht, wir sind ja nicht beim Tanzturnier. Immerhin können jetzt all jene Verschwörungstheroretiker wieder beruhigt sein, die schon das Geld am Werk sahen, das Ehemann Robert Geiss so hortet. Ein Call-Center soll er angeblich engagiert haben, damit seine Carmen ins Halbfinale einzieht. Auf Facebook entstand gar eine Gruppe namens "Schiebung bei Let's Dance".

Alles Schwachsinn, sagte Carmen, und dass ihr Mann einen "Scheißdreck" tun würde. Leider haben man eh nicht so viel Geld, um RTL kaufen zu können, da seien ihnen nun wirklich die Hände gebunden. Nun sind wir erleichtert. Und die Facebook-Gruppe auch: "Ich hab meinen Glauben wieder", ist dort zu lesen, gleich nach der Sendung. Na dann: Amen. Robert investierte sein Geld diesmal übrigens lieber in einen neuen Rolls-Royce für seine Carmen, als "Motivationshilfe".

Kämpferische Samba, gewalttätiger Tango

Die 49-Jährige mühte sich redlich, trotzdem auch auf dem Parkett eine Chance zu haben. Vergebens. Ihre Samba zu Shakiras "Whenever, Wherever" ist engagiert, bemüht und kämpferisch - und wirklich, sagt Jurorin Motsi Mabuse dann: "Den Grundrhythmus hast du ab und zu geschafft". Ihr Contemporary zu Chris Isaaks "Wicked Game" immerhin wird viel besser gewesen sein, ein "super Tanz", sagt Mabuse, "wirklich gut", beteuert Juror Jorge Gonzalez. Und am Ende bekommt Geiss sogar noch eine Art Lob vom ewig kritischen Punktrichter Joachim Llambi. Für den es im Übrigen eine Zumutung ist, dass eine wie die Geiss hier überhaupt mitmachen darf.

Doch auch die von RTL zur Favoritin gekürte ehemalige Eiskunstläuferin Szewczenko musste sich einiges anhören: Ihr Tango: zu akrobatisch, findet Gonzalez, "zu gewalttätig", sagt Llambi, ganz ohne diese Leichtigkeit, dafür "unheimlich rough", wie Llambi es ausdrückt. Immerhin war ihr Paso Doble zu Madonnas "Frozen" hernach "mehr als ordentlich", findet der Wertpapierhändler. Von den Zuschauern gab es dafür Standing Ovations.

Alexander Klaws for winner - und Moderator

Und Alexander Klaws, der - laut RTL - beste männliche Promi-Tänzer, den die Staffel je sah? Um es mit Gonzalez zu sagen: "Der Chico is back!" Zuletzt lief es ja nicht ganz so gut für den Musical-Tarzan und Gewinner der ersten "Deutschland sucht den Superstar"-Staffel. Also nicht mehr immer der Sieger und so, "nicht so der Knaller", wie Llambi sagt. Im Halbfinale wird Klaws am Ende 85 von 90 möglichen Punkten abräumen. Weil er den Langsamen Walzer "wie ein Gentlemen" getanzt hat, sagt seine Tanzpartnerin. Weil er mit seinem "Ich bin der Matador"-Paso Doble zu Blurs "Song 2", der schon bald mehr Schauspiel als Tanz war, weil er damit also Gonzalez zu einem "emotionalen Höhepunkt" gebracht hat. Und weil er vor allem das Publikum gut unterhalten kann, nicht nur mit dem Trash-Faktor, so wie Geiss, sondern weil er eben eine Rampensau ist und trotzdem echt rüber kommt.

Sie danken es ihm mit Begeisterung. Sogar seine Sorge, nicht ins Finale zu kommen und mit der "Goldenen Ananas" gehen zu müssen, man will sie ihm glauben. Alles sieht so aus, als würde er diesmal gewinnen.

Bleibt nur die Frage, warum der Sender nicht in eine bessere Moderatorin investiert hat. Gut, denkt man sich, Umschläge tragen und die Kandidaten mit warmen Worten empfangen, die Mama geben, das kann Frau Meis auch. Aber wenn Sylvie jetzt-nicht-mehr-van der Vaart in ihrem Schmutzfängerkleid von Spannung faselt und die Schlussmoderation wie eine schlecht gehaltene Rede mühsam abliest, dann möchte man den Ton abschalten. Dann doch lieber die etwas aufgesetzten Witze eines Herrn Hartwich. Aber vielleicht kann der Klaws den Job der beiden ja beim nächsten Mal übernehmen.


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