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"Mein bester Feind" - Joko und Klaas: Wenn der Esel auf den Hintern muss

Die neue Show "Mein bester Feind" von Joko und Klaas bietet Unterhaltung, die beim Zuschauer alle Emotionen weckt. Die Kandidaten der Show lassen sich sogar tätowieren - alles für den besten Freund.

Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf führten durch die Show "Mein bester Feind", die eine Weiterführung aus ihrer Sendung "Circus Halligalli" ist

Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf führten durch die Show "Mein bester Feind", die eine Weiterführung aus ihrer Sendung "Circus Halligalli" ist

"Ein wahrer Freund ersticht dich von vorn" wusste schon Oscar Wilde. Ganz wage baut "Mein bester Feind" darauf auf. Eine Ode an die Freundschaft, das soll sie sein, die neue Samstagabendshow von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf. Der Gewinner Max bewies, dass das Konzept aufgeht. Denn er gewann bei "Mein bester Feind" für seinen Freund Tim einen alten Porsche, obwohl dieser überhaupt gar keinen Führerschein hat.

Mutprobe für Flachbildfernseher

Der Weg zu jenem Luxusauto war eine einzige Mutprobe. Zunächst musste der Leipziger bei einem Hip Hop-Konzert alle Anwesenden beleidigen. Ganze drei Minuten lang. Er machte seine Sache bravourös, Flachbildfernseher und ein handgeknüpftes Mousepad waren Tim sicher. Die Preise, wie ein TV-Gerät plus individuellen Blödsinn, sind sicher nicht die Motivation für die Teilnahme. Es wird wohl um die Ehre gehen, jeder möchte zeigen, dass wahre Freundschaft auch die ein oder andere Mutprobe verlangt.

Zwiebeln schnibbeln als Mutprobe

Bis auf die Live-Challenge im Publikum haben alle Teilnehmer Mut bewiesen. Jeder hat freiwillig bei "Mein bester Feind" mitgemacht, doch kommt man als Zuschauer sicher nicht umhin sich zu fragen: Hätte ich das auch gemacht?

Auch ein gewisses Abwägen gehört dazu: Ist es einfacher auf 1.000 Metern Höhe über einem Abgrund zu schaukeln, als auf Spitzbergen unter einem Eisberg durchzutauchen? Ist ein Bungeesprung mitsamt Auto vielleicht doch harmloser, als sich vor 2.000 Hip Hop-Fans zu stellen und zu rappen, dass sie nicht die hellste Kerzen auf der Torte sind? Vergleichsweise einfach war dagegen die Mutprobe, die während der Show vor Ort als Überraschung stattfand. Da musste Danny für seinen besten Freund Jan 50 Zwiebeln schälen. Ja, das mag unangenehm sein, ja, das mag nicht gut riechen, aber so richtig viel Mut brauchte es für diese Aufgabe nicht.

Sinnlosgewinne waren auch dabei

Die im Vorfeld aufgezeichneten Mutproben und die Zwiebelschälaktion waren aber allesamt nur der erste Schritt Richtung Traumgewinn. Oder, was man eben als Traumgewinn so deutet. Der Siegeslohn war ein alter Porsche. Ganz nett, aber irgendwie auch ein Beweis dafür, dass es bei „Mein bester Feind“ tatsächlich um die Freundschaft geht, nicht um Gewinne.

Die Kandidaten konnten ihre gewonnenen Fernseher plus den Sinnlosgewinn einsetzen und ihren Freund erneut antreten lassen. Was natürlich alle getan haben. Dennoch, jeder Kandidat hatte ein Mitspracherecht, „wir müssen hier bei ProSieben die Menschenrechte respektieren“, nannte Klaas das.

Tattoo für den besten Freund

Der Parcours in Kürze skizziert: In 15 Metern Höhe 30 Runden auf einem Drehstuhl überstehen, anschließend auf einem Balken zur anderen Seite balancieren, Rechenaufgaben lösen, während H. P. Baxxter von Scooter live jede Menge Zahlen ins Ohr brüllt, witzige Youtube-Videos gucken ohne zu lachen, Knoten aus dem Seil lösen während die Masse, auf der balanciert werden musste, einen in die Tiefe zu reißen droht. Anschließend die Nötigung, sich ein Tattoo stechen zu lassen, sonst wäre das Spiel vorbei. Dann noch ein Sprint mit 18-20 km/h, eine Tür öffnen, auf den Buzzer drücken und gewinnen. Wenn man denn der Schnellste ist.

„Gangsta Leif“ für immer

Der höhenerprobte Schaukler Michi zögerte kurz, als es ums Tätowieren ging. Für eine 0,5 cm kleine Rosine musste sich jeder Kandidat entscheiden, für ein 6cm großes Tattoo gibt es 30 Sekunden Zeitgewinn. Nach einem impulsiven Ruf nach dem hässlichen Tattoo mit dem Schriftzug „Gangsta Leif“ rudert er zurück. Die Rosine wird’s. Nach 6:06 Minuten sieht sich Freund Daniel schon im Porsche.

Die einzige Mädchenfreundschaft, Franziska und Nina, wird hoffentlich nicht an den Rechenkünsten Ninas scheitern. Sie ließ sich, nachdem sie einen Bungeesprung mit Auto aus 60m Höhe relativ gelassen ertragen hatte, zu sehr vom schreienden Scooterfrontmann ablenken. Dabei wäre es interessant gewesen, wie sich die Frau bei der Tattoofrage entschieden hätte. Alle Männer gingen taktisch an diese Aufgabe heran und wählten das größere Tattoo, weil es eine Zeitersparnis brachte. Wer einen Porsche für seinen Freund gewinnen will, der trägt eben auch eine hässliche Körperbemalung.

Klaas als Tattoo-Designer

Fassungslos schüttelte Klaas, der die Tattoos für diese Aufgabe entworfen hatte, den Kopf. Nie habe er damit gerechnet, dass sich jemand für die Bilder entscheiden würde. Gleichzeitig bietet er aber an, diese Bildervorlagen demnächst für (Jugend-)Zeitschriften zu entwerfen, um die Zielgruppe zu verschönern.

Nun ziert eine Doppelsteckdose den Oberschenkel von Eistaucher Marcel, ein betrunkener Esel den Fuß von Gewinner Max und den Allerwertesten von Danny. Der hatte mit dieser Aktion und dem Zeitbonus Michi vom Thron gestoßen, allerdings gönnte man seinem besten Freund Jan den Porsche nicht. Der Mann wirkte so unsympathisch, dass alle Hoffnungen auf dem letzten Kandidaten lagen. Max, der Sieger der Herzen, hat mit knappen 10 Sekunden Vorsprung die beste Zeit im Parcours erzielt und das Auto für seinen Freund Tim gewonnen. Der schenkte den Porsche am Ende, als der Goldflitter wie Schnee auf die Bühne rieselte, aber Max. Ein weihnachtlicheres Ende hätte es nicht geben können.

Mit diesem Foto bedankte sich "Circus Halligalli" auf der eigenen Facebookseite bei den Zuschauern der Sendung "Mein bester Feind"

Mit diesem Foto bedankte sich "Circus Halligalli" auf der eigenen Facebookseite bei den Zuschauern der Sendung "Mein bester Feind"

Beste Samstagabendunterhaltung von Joko und Klaas

Es gehört zum Konzept einer guten Samstagabendshow, dass Spannung, Spaß und Spiel vereint werden. Dieses Rezept haben Joko und Klaas für "Mein bester Feind" beherzigt. Eine riesige Halle, die sofort Assoziationen zum Film "Tron" weckte, gab es auch. Solche Aufbauten kennt man sonst nur aus Sendungen von Stefan Raab oder Markus Lanz.

Die beiden Moderatoren haben diese Halle nicht für sich gebraucht, sondern nur für ihren Parcours. Joko und Klaas machten es sich auf einem kleinen Sofa gemütlich, das sie sich vermutlich aus ihrer Show "Circus Halligalli" ausgeliehen haben. Zur Abwechslung standen die Spiele und die Kandidaten im Mittelpunkt, nicht die Moderatoren.

"Wer ist schlimmer? Wir oder Sie?"

"Mein bester Feind" bot, abgesehen vom geschmacklosen Zwang zur Tätowierung, beste Unterhaltung. Aber auch auf diesen Kritikpunkt ist Klaas Heufer-Umlauf vorbereitet. "Wer ist schlimmer? Wir oder Sie, die sich das anschauen?" nimmt er Kritikern den Wind aus den Segeln. Joko und Klaas haben bewiesen, dass sie eine Samstagabendshow stemmen können. Sie sind nicht angewiesen auf abgelegte Sendungen anderer, denn neue, frische Ideen stehen ihnen sehr viel besser.

Andrea Zschocher