"Polizeiruf 110" Traumquote für den Ex-Kriminellen und die Bio-Bullin


Die neuen Rostocker "Polizeiruf 110"-Ermittler Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau haben einen Traumstart hingelegt: Gut acht Millionen Zuschauer schalteten den Krimi in der ARD ein - solch Quoten erreichen sonst nur besonders gute "Tatort"-Folgen.

Möglicherweise gehören sie zu den Profiteuren der Aschewolke: die Schauspieler Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau. Vor 8,32 Millionen Zuschauern, debütierten die beiden als ungleiches Ermittler-Paar im neuen Rostocker "Polizeiruf 110". Der lief nämlich gleich nach dem "Brennpunkt" zum Flugchaos über Europa, den wiederum 8,41 Millionen Zuschauer verfolgten. Und kaum hatten die Moderatoren ihren letzten Satz beendet, wurde schon der Trailer des Sonntagabends-Krimis abgefahren. Der eine oder andere ist sicherlich hängengeblieben an diesem "Polizeiruf", der so ungewöhnlich geschnitten und erzählt ist. Da wurde geflucht, "Scheiße" gerufen und im breiten Dialekt genölt.

Anneke Kim Sarnau spielt Profilerin Katrin König, die Single ist und ein Faible für Biokost und US-Krimiserien wie "Dexter" hat. Ihr Kollege Charly Hübner als Kommissar Alexander Bukow ist Rostocker Lokalmatador, mundfaul, mit Vorliebe für deftiges Essen, einem auffälligen Tattoo im Nacken, und wohnt mit seiner Familie im renovierungsbedürftigen Einfamilienhaus. Die beiden ersetzen Uwe Steimle und Felix Eitner, die als Hinrichs und Tellheim vorher für den NDR in Schwerin ermittelten.

Nach 15 Jahren war es nach Meinung von NDR-Fiktions- und Unterhaltungschef Thomas Schreiber an der Zeit, "in andere Teile des Landes zu gehen und andere Geschichten zu erzählen". Die erste Geschichte stammt aus der Feder von Regisseur Eoin Moore, der sie auch selbst in Szene setzte. Jüngere Zuschauer wollte die ARD mit der Umstrukturierung des "Polizeirufs" erreichen. Und so handelt "Einer von uns" von dem Tod einer 13-Jährigen, die im Rostocker Partydrogen-Milieu verkehrte, Technopartys feierte und von russischen Dealern mit Drogen versorgt wurde. Eine spannende Story, die den Alltag in deutschen Polizeistuben realistischer einfängt als die meisten "Tatorte" und viel Lokalkolorit versprüht, ohne bieder zu sein.

Kommissarin als "heimliche Revoluzzerin"

An ihrer Rolle haben Hübner und Sarnau von Anfang an mitgebastelt. "Charly und ich haben für unsere Figuren Biografien geschrieben", erzählt die 35-Jährige. Ihre Profilerin - oder auf Deutsch: Fallanalytikerin - sei "intelligent, wach, klar und emotional" und eine "heimliche Revoluzzerin". Wie es sich für jeden guten Ermittler gehört, hat auch sie ein Geheimnis in der Vergangenheit, das zunächst nicht gelüftet wird. Hübners Hauptkommissar Bukow hat ebenfalls einen Riss in der Biografie. "Er war Krimineller, bevor er Polizist wurde." Einen solchen Bruch zu spielen sei nur als "entweder- oder" möglich, so der 37-Jährige. "Das macht großen Spaß." Und den Krimi erweitert es um einen weiteren Handlungsstrang: Denn Kollegin König muss ihn ausspionieren. Bis zum Ende der Geschichte wird nicht klar, ob Buckow immer noch Dreck am Stecken hat.

Vielleicht gibt es die Auflösung schon bald: Bereits am 2. Mai sind die neuen "Polizeiruf"-Ermittler wieder zu sehen: In "Aquarius" untersuchen sie den Tod eines alten Schulfreundes von Hauptkommissar Bukow, der aus dem Hafenbecken gefischt wird.

kbu mit DPA

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